Alle liebten den großen Bären von angeblich sehr geringem Verstand, wie seine jahrelange Kolumne in der "Zeit" hieß. Vor zwei Jahren erst füllte Harry Rowohlt bei "Coburg liest" das Contakt mit seiner bärigen Stimme und seinem knorzigen Auftreten bis in den letzten Winkel. Wir, die Jungen wie die Alten, werden ihn weiter lieben, den unvergleichlichen Vorleser auf zahllosen CDs, den Schriftsteller, Satiriker, Übersetzer, Selbstdarsteller in literarischer Sache, Whiskey-Poeten, den erklärten Penner nicht nur aus der "Lindenstraße".

Grimmige Hymnen

Am Montag Abend ist der multibegabte Rowohlt-Erbe, der strikt seinen eigenen Weg ging, gestorben. Er war erst 70 Jahre alt, er war schon vor Jahren an einem unheilbaren Nervenleiden erkrankt.

Gerade auch weil er immer unter Leuten war, weil er mehrmals auch in Coburg und in Bamberg und undund war, wird er nicht vergessen, dieser Pu der Bär - Alan Milnes Geschöpf, in das sich Harry Rowohlt in seiner CD-Einspielung selbst verwandelte - , der stets bis mindestens Mitternacht Seitenhiebe verteilte, aus seinen über 180 bedeutenden Übersetzungen aus dem Englischen (etwa Frank McCourts "Die Asche meiner Mutter") und eigenen "Kleinscheiß" las, der irgendwann grimmige Hymnen in und gegen die Nacht zu singen pflegte.

Der Anglophile war so very much himself und konnte gleichzeitig so unglaublich die unterschiedlichsten Figuren auf der Bühne gegenwärtig werden lassen. Jetzt ist er in seinen Wald gegangen, wo es nichts Schöneres gibt, als zusammen mit einem guten Freund nichts zu tun.

Zurück bleiben uns seine Texte, seine ganz eigene Literaturprägung. Mehr noch: Er selbst bleibt mit seiner Stimme millionenfach auf CDs, oder wo auch immer seine Sprach- und Tonkunststücke gespeichert sind.