Nach teils heftiger Kritik waren beide Seiten offensichtlich auf Deeskalation bedacht. Klärende Gespräche zwischen Pfarradminstrator Peter Fischer (Seßlach) und Pfarrer Tobias Knötig (Heilgersdorf/Gemünda) am vergangenen Dienstag erbrachten folgendes Ergebnis: Die katholische Stadtpfarrkirche in Seßlach steht auch weiterhin für evangelische Gottesdienste zur Verfügung. Das gaben Fischer und Knötig zusammen mit Pfarrvikar Vijaya Boddu bekannt. Vorab hatten die Verantwortlichen beider Gemeinden natürlich noch Rücksprache mit den übergeordneten Ebenen gehalten. Der Bamberger Generalvikar Georg Kestel hatte Fischer zu Beginn der vergangenen Woche freie Hand für eine einvernehmliche Lösung gegeben.

Und die gibt es nun: Einvernehmlich wurde beschlossen, dass prinzipiell an jedem zweiten Sonntag im Monat ein evangelischer Gottesdienst in der katholischen Stadtpfarrkirche St. Johannes gefeiert werden kann, und das unentgeltlich. "Das soll nicht nur auf dem Papier gelten", versicherte Fischer. Es sei denn, "gerechte Gründe" stünden dem entgegen oder die evangelische Gemeinde verzichte von sich aus auf den Gottesdienst. Über protestantische Gottesdienste in anderen katholischen Kirchen Seßlachs könne "je nach Bedarf" entschieden werden.

Wie Terminkollisionen vermieden werden

Ferner sollen ökumenische Gottesdienste und Aktionen wieder im traditionellen Umfang stattfinden, sofern die Corona-Pandemie es wieder zulässt. Zur Vermeidung von Terminkollisionen, wie sie von katholischer Seite als Anlass für das Untersagen im April angeführt wurden, werden die Lutheraner Anfragen in Kopie an Pfarrer Fischer senden. Außerdem erhält die evangelische Kirchengemeinde einen eigenen Schlüssel für die Stadtpfarrkirche, um Problemen bei der Aus- oder Rückgabe des Schlüssels vorzubeugen.

Nach den hohen Wellen, die die Entscheidung Fischers und die heftige Reaktion Knötigs geschlagen hatten, gaben sich beide Geistliche selbstkritisch. Er habe Fischers "Nein" als endgültig angesehen und nicht das Gespräch gesucht, bekannte Knötig. Stattdessen habe er im Seßlacher Amtsblatt die Gläubigen informiert. "Ich hätte nicht gedacht, dass die Reaktionen so durch die Decke gehen würden", sagte der Heilgersdorfer.

"Die Aufregung hätten wir uns sparen können"

"Die Aufregung hätten wir uns sparen können", fand auch der Pfarradministrator, "das Thema ist schnell nach ganz oben gespült worden." Sein Schritt habe sich keineswegs gegen die Ökumene gerichtet, beteuerte Fischer. Vielmehr habe er sich lediglich "dieses eine Problem vom Hals halten wollen". Um sich mit allen Herausforderungen seines 22000 Gläubige umfassenden Seelsorgebereichs befassen zu können, fehle es ihm schlicht an Zeit und Elan, gestand er. Getroffen zeigte sich Fischer über persönliche Angriffe: Ohne seine Beweggründe zu erfragen, sei einfach gegen ihn "geschossen" oder es seien Unwahrheiten verbreitet worden.

Ökumenischer Gottesdienst

Termin Als sichtbares Zeichen des wiedergefundenen Miteinanders soll am kommenden Dreifaltigkeitssonntag, 30. Mai, um 18.30 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst in der Seßlacher Stadtpfarrkiche gefeiert werden. "Dabei wird auch die Schlüsselübergabe stattfinden", informiert Fischer, für Knötig ein "großer Vertrauensbeweis".