Es begab sich unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Der kleine Hans-Heinrich, gerade mal eineinhalb Jahre alt, war mit seiner Mutter auf der Flucht aus Ostpreußen. Das Schicksal verschlug die beiden nach Coburg, und ihre erste Bleibe fanden sie für ein paar Monate in der Ketschendorfer Straße 6.

Zeitsprung ins Jahr 2014: Aus dem kleinen Hans-Heinrich ist längst ein großer Mann geworden; ein Anwalt und Stadtrat, Vorsitzender der Gemeinschaft "Stadtbild Coburg" und aktuell auch treuhänderischer Verwalter eines üppigen Spendentopfes für die Sanierung von Fassaden in der Vestestadt.

Das "Schmuddel-Gelb" ist weg

Die beiden letztgenannten Funktionen brachten Hans-Heinrich gestern zurück in die Ketschendorfer Straße 6.
"Dort oben im ersten Stock haben wir gewohnt", erzählte er, schwelgte kurz in Erinnerungen und dankte dann dem jetzigen Hauseigentümer Matthias Witter. Für rund 900.000 Euro hat der Scheuerfelder das denkmalgeschützte Gebäude saniert; einen Zuschuss gab's aus dem Stoschek/Volkmann-Spendentopf (siehe dazu Infobox rechts).

Eidt überschlug sich geradezu vor Lob und Anerkennung: "Herr Witter hat Sachen gemacht, die in einem denkmalgeschützten Haus sehr schwierig sind." Er spielte damit vor allem auf die auch energetische Sanierung an. "Ja, ich habe da viel Herzblut hineingesteckt", gab Matthias Witter zu, der aber einräumte: "Es macht auch Spaß!"

Die Sanierung dauert nun schon seit fast zwei Jahren, Ende 2014 soll sie rundum abgeschlossen sein. Die ersten neuen Mieter werden aber bereits im September einziehen.

Hans-Heinrich Eidt gefällt vor allem die "schicke Farbe", die Matthias Witter für die Fassade gewählt hat: Ein "vornehmes Grün", wie es Eidt umschreibt, ersetze das bisherige "Schmuddel-Gelb".

Von Dr. Berger bis Dr. Eidt

Errichtet wurde das Gebäude 1839 von Otto Leheis; Eigentümer war der Arzt Dr. Karl Berger. Blickfang auf der Seite in Richtung Ketschendorfer Straße ist bis heute der kleine Balkon auf Konsolenpaaren. 1899 ließ der Privatier Emil Appel das Dach ausbauen: Erneut leitete Otto Leheis die Arbeiten und ließ ein zweiachsiges Zwerchhaus aufsetzen, das von zwei stehenden Gauben flankiert wird.

Viele weitere Umbauten folgten in den nächsten Jahrzehnten. Und wenn Matthias Witter über die jetzige Sanierung spricht, dann sagt er auch: "Wir haben viel entkernt und mussten so manche Bausünde zurückbauen." Eine andere Farbe wird in den nächsten Monaten übrigens noch die Haustür bekommen.

Hans-Heinrich Eidt überreichte Matthias Witter eine Medaille der Gemeinschaft Stadtbild als Anerkennung für die vorbildliche Sanierung. Dieselbe Medaille ging gestern auch an die Familie Weidinger, die in der Oberen Anlage erneut Hand angelegt hat am Gebäude mit der Hausnummer 2. "Auf den ersten Blick sah alles in Ordnung aus", berichtete Hans-Heinrich Eidt in Vertretung der Eigentümer. "Doch die Außenfassade und speziell auch die Fensterläden mussten dringend repariert werden." Ebenso sei das Dach kaputt gewesen. Die entsprechenden Arbeiten hätten dank eines Zuschusses aus dem Stoschek/Volkmann-Spendentopf durchgeführt werden können.
Das Gebäude stammt aus dem Jahre 1818. Bauherr war seinerzeit der geheime Konferenzrat Christoph Arzberger. 1862 wurde der Eingang an die Nordseite verlegt, 1908 auch das Treppenhaus. Ebenso ließ 1908 der Privatier Adolf Riemann einen dreigeschossigen Anbau an der Südost-Ecke errichten und das Dachgeschoss zu Wohnzwecken mit einem Zwerchhaus an der Südseite ausbauen. Markant sind der Balkon und drei Rundbogenfenster zur Straße.