Knapp fünfeinhalb Jahre ist es her, dass die HUK-Coburg-Arena offiziell in Betrieb ging. Nun steht die erste größere Instandhaltungsmaßnahme an: Wie Eberhard Fröbel, Sportamtsleiter der Stadt Coburg, auf Nachfrage bestätigte, steht demnächst der Austausch der Sitzschalen in der Halle an.

Diese Sitze waren seinerzeit ein kleines Politikum. Die Stadt Coburg hatte den Bau der Ballsporthalle mit 2273 Sitzplätzen an einen Generalunternehmer zum Festpreis vergeben. Dieser Firma lief die Zeit davon - Die Halle wurde acht Monate später in Betrieb genommen als vereinbart. Um Kosten zu sparen, hatte die Firma für die Sitzreihen Holzbänke vorgesehen.

Da kam Franz Stegner ins Spiel, Inhaber der Firma Stechert und leidenschaftlicher Verkäufer: "Ich hab' den Coburgern gesagt: Wenn ihr in die Arena Holzbänk' macht, könnt ihr die DDR-Grenze vorziehen nach Untersiemau. In so einer Halle müssen die Stühle passen. Man sitzt ja stundenlang drauf, und wehe, das ist nicht bequem! Deine Frau bleibt sitzen. Aber wenn du eine Freundin hast, die geht nimmer mit."


Gesponsortes Sonderangebot

Doch Stegner argumentierte nicht nur, er machte eigenen Angaben zufolge auch einen Sonderpreis. Die HUK Coburg, die zu diesem Zeitpunkt schon als Namenssponsor für die Halle feststand, finanzierte die Sitzschalen. Im Gegenzug wurde an jedem einzelnen das HUK-Coburg-Logo angebracht. Das geschah im Juli 2011, und bei der offiziellen Eröffnung der Arena am 14. August freute sich nicht nur Stegner über die bequemen Klappsitze vom Typ "Copacabana".

Stegner, auch "Lügen-Franz" genannt, hatte enge Bindungen ans Coburger Land. Er stammte aus Frohnlach, organisierte dort regelmäßig Veranstaltungen und holte Prominente dazu. Im Juni 2015 starb der Unternehmer überraschend im Alter von 78 Jahren.

Doch zu diesem Zeitpunkt waren der "Weißbruch" an den Sitzen schon aufgefallen. Weißbruch ist ein Zeichen dafür, dass der Kunststoff an einer Stelle gedehnt wurde - der Kunststoff wird weiß. Solche Stellen können der Beginn eines Bruches sein. Beschädigt sei noch kein einziger Sitz, versichert Fröbel.


Gewährleistungsansprüche

Die ersten Verhandlungen über mögliche Regressansprüche fanden noch mit Stegner statt, wie sich Eberhard Fröbel erinnert. Der stets temperamentvolle Unternehmer zeigte wenig Neigung, den Coburger Forderungen nachzugeben. Wobei es nicht die Stadt Coburg war, die Ansprüche geltend machte, sondern die Firma SSN Facility Service. Diese Tochter des Düsseldorfer Unternehmens SSN (die Buchstaben standen einmal für Sport Stadia Net) kümmert sich bis 2026 um technischen Betrieb und Instandhaltung des Gebäudes. Dann soll es - in quasi neuwertigem Zustand - an die Stadt übergeben werden. Offenbar wollte SSN Facility Services kein Risiko eingehen und nutzte aus, dass die Gewährleistungsfrist für die Sitze noch nicht abgelaufen war, um über einen Ersatz zu verhandeln.

Die Einigung sei außergerichtlich erfolgt, sagt Fröbel. Vorgesehen sei nun, die Sitze im April/Mai auszutauschen, nach dem Ende der Spielsaisons in der Handball-Bundesliga und der Basketball-Regionalliga Südost. Von den beteiligten Firmen war am Montag kein Verantwortlicher zu erreichen.