Am historischen Wallgraben ist in gelungener Symbiose von alt und neu ein Mehrgenerationenpark entstanden. Rund 1,2 Millionen Euro hat das ehrgeizige Projekt gekostet, 720.000 Euro davon kommen von der Regierung Oberfranken. Am Samstag wurde die Einweihung des Bewegungsparks gefeiert.

Bei kaltem Herbstwetter hielt sich der Besucherandrang am Nachmittag zwar in Grenzen, aber die Bad Rodacher haben längst reingeschnuppert in diesen Mehrgenerationenpark, der sich auf einer Fläche von über 12.000 Quadratmetern und einer Länge von 400 Metern erstreckt. Gabi Oswald zum Beispiel gab offen zu, auch schon mal abends heimlich die Fitnessgeräte ausprobiert zu haben. Aber das war auch erlaubt, weil die Bürger von Anfang an mit einbezogen worden waren.
Auch Wünsche wurden erfüllt, wie der des Mehrgenerationenhauses nach einer Boccia-Bahn.

Beachtlich entwickelt

In den vergangenen Jahren hat sich Bad Rodach beachtlich entwickelt. Nach der Stadthalle, der Marktplatzneugestaltung sowie den Baumaßnahmen im "Steinernen Weg" und der "Herrengasse" wurde mit dem Mehrgenerationenpark ein weiterer innerstädtischer Meilenstein gesetzt. Auch hier galt die Maxime: barrierefrei und familienfreundlich.

Habermaaß treibende Kraft

Einer Person der Stadt dankte Bürgermeister Tobias Ehrlicher (SPD) zur Einweihung besonders: Dem Ehrenbürger Klaus Habermaaß, Initiator und zugleich großzügiger Förderer des Parks und der Stadt überhaupt. Er hatte die Idee eingebracht, den nördlichen historischen Innenstadtbereich nebst angrenzender Stadtmauer am historischen Wallgraben umzugestalten. Das alte Brauhaus wurde im Zuge der Baumaßnahme abgerissen. "Aber Bier", daran erinnerte Ehrlicher, "ist hier ohnehin nie gebraut worden." Mit dem Abriss wurde die alte Stadtmauer zum Teil auch erneuert.

"Unser Mehrgenerationenpark ist einzigartig. In Bayern und wohl auch in Deutschland", zeigte sich der Bürgermeister stolz und vergaß auch nicht, seinem Vorgänger Gerold Strobel zu danken. Der hatte das Projekt mit auf den Weg gebracht, wobei weitere kluge Köpfe und fleißige Hände dem Park Gestalt verliehen.

Ruhebänke und Kinderspielplatz

Für jedes Alter findet sich hier etwas: Ruhebänke, ein Aktiv-Bereich mit Fitnessgeräten, ein Kinderspielplatz, eine Grillstation, der Kräutergarten, ein Rosengarten mit Pergola (der noch angelegt werden soll), der "Dorfplatz" mit Spielhäuschen, Kletterpfosten und Krabbelburg, die Hochbeete, von denen drei vom Obst- und Gartenbauverein und eines vom Kindergarten und der Mittagsbetreuung gepflegt werden. Allerhand Raffinessen runden das vielfältige Angebot ab - wie beispielsweise der Rollatorparkplatz neben den Ruhebänken oder die Hollywoodschaukel-Bänke.

Jeder Winkel auf dem Gelände des Bewegungsparks atmet Historie. Es gibt einen begehbaren Gewölbekeller oder die beiden Drusen-Gelbsandsteine, die der Mährenhausener Geologe Robert Langguth während der Bauarbeiten an der Elsaer Straße durch Zufall entdeckt hat. Die historischen Türme sowie die sanierte Johanniskirche wurden dem Blick freigestellt.

Aufeinander zugehen

Den Park als Mehrgenerationentreff, als Ort der Kommunikation und Begegnung, würdigte Wilhelm Wenning. Im Zuge des demografischen Wandels sei es wichtig, dass die Generationen aufeinander zugehen. Wie das städtebaulich im Interesse einer hohen Lebensqualität und zukunftsorientiert funktioniert, das zeige Bad Rodach eindrucksvoll. Dem ersten Bauabschnitt der Neugestaltung des Wallgrabens soll ein zweiter folgen. Der Schlossplatz soll umgestaltet werden. Dafür, so Ehrlicher, werde ein Architektenwettbewerb ausgelobt. Es ist also noch lange nicht Schluss mit der Bad Rodacher Neugestaltung.