Früher musste begründet werden, warum Einbahnstraßen in beide Richtungen für Fahrradfahrer freigegeben werden sollten. "Heute ist es umgekehrt - man muss begründen, wieso sie gesperrt sind", sagt Detlef Heerlein vom Ordnungsamt. Von den 19 Einbahnstraßen in der Stadt Neustadt dürfen bereits zehn in beide Richtungen von Radfahrern befahren werden.

Gemeinsam mit Polizeioberkommissar Alexander Höhne und Ulrich Schmerbeck vom Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Coburg hat sich Heerlein am Mittwochnachmittag ein Bild von den verbleibenden neun Einbahnstraßen in Neustadt gemacht. Mit dem Ergebnis, dass der Verkehrssenat im Herbst über die Öffnung fünf weiterer Einbahnstraßen entscheiden könnte.

Unterteilt in drei Kategorien

"Wir waren von 14 Uhr bis 17.30 Uhr in unterwegs und sind die Einbahnstraßen mit dem Fahrrad abgefahren", sagt Heerlein. Diese wurden in die Kategorien A, B und C eingeteilt. "In die Kategorie C haben wir die Eisfelder Straße und die Wallstraße eingruppiert. Eine ist zu eng und die andere von Lkws befahren - Straßen der Kategorie sollen nicht in beide Fahrtrichtungen für Radfahrer geöffnet werden." Bei Straßen, die in die Kategorie B eingruppiert wurden, wird die Entscheidung vorerst vertagt, auch hier wurden zwei Straßen zugeordnet.

Fünf Straßen, unter anderem die Coburger Straße, hat das dreiköpfige Team der Kategorie A zugeteilt, die eine Öffnung vorsieht. "Die Empfehlungen werden in der nächsten Sitzungen des Radwegeausschusses diskutiert. Entschieden wird im Verkehrssenat im Oktober" erklärt Heerlein das Vorgehen. "Bei manchen Straßen waren wir uns nach zehn Minuten einig, bei anderen nach einer Stunde. Über die Kategorien haben wir in unserem Dreierteam einstimmig entschieden", sagt Alexander Höhne.

Der Startschuss für die Entwicklung des Radwegenetzes in Neustadt war die Landesgartenschau 1996. Damals gab es in den Städten generell nur wenige Radwege. "Zur Landesgartenschau haben wir einen Radweg entlang der Röden gebaut. Das hat uns aber nicht gereicht, wir wollten ein größeres Wegenetz, deswegen haben wir den ADFC um Unterstützung gebeten", erinnert sich Heerlein. Heute sehe das Netz noch fast genauso aus. Vor allem wegen des E-Bike-Booms seien jetzt viel mehr Radfahrer unterwegs. Deshalb sei zu überlegen, wo nachgebessert werden muss.

Radfahren liegt im Trend

"Radfahren liegt voll im Trend und Neustadt will in die Richtung mitgehen. Die Stadt ist seit Jahren Fördermitglied und ein treuer Partner des ADFC", sagt Ulrich Schmerbeck. In seinen Augen sei ein Radwegenetz eine Möglichkeit, Leute zu motivieren, das Auto stehenzulassen. "Ein Treiber des Klimawandels ist der Verkehr, der so gestaltet werden sollte, dass er klimafreundlicher wird. Fahrradfahren fördert außerdem die Fitness und wer ein E-Bike hat, hat auch keine Probleme mit Steigungen."

Öffnung von Einbahnstraßen für Radfahrer in beide Richtungen

Verkehrsrecht Seit 1997 dürfen Einbahnstraßen für den Radverkehr geöffnet werden. Nach fünfjähriger Untersuchung wurde die Regelung 2001 in die Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) übernommen. Aufgrund neuester Erkenntnisse aus der Unfallforschung wird die Öffnung von Einbahnstraßen für den Radverkehr empfohlen.

Vorteile Die Öffnung von Einbahnstraßen für den Radverkehr in beide Richtungen hat einige Vorteile. So werden beispielsweise Lücken im Radnetz geschlossen, Alternativen zu starkbefahrenen Hauptstraßen geboten und es wird vermieden, dass Radfahrer Gehwege nutzen.

Quelle: agfk Baden-Württemberg