Mehr interessierte Bürger als zu einer Gemeinderatssitzung hatten sich am Dienstagabend im Rathaus eingefunden. Sie kamen ausnahmslos aus dem Gemeindeteil Zedersdorf. Und das hatte einen besonderen Grund: Sie wollten Diskussion und Entscheidung des Bau- und Umweltausschuss zum Tagesordnungspunkt "Planung einer Photovoltaikanlage in Zedersdorf" live verfolgen. Ein Thema, das die Zedersdorfer seit Wochen umtreibt.

Vorangegangen war ein Lokaltermin, bei dem die Ausschussmitglieder das von der Firma Naturstrom in der Bauvoranfrage beschriebene Projektgelände in Augenschein genommen haben. 14 Hektar landwirtschaftlich genutztes Hanggelände eines Mitwitzer Eigentümers, das praktisch im Schatten des Windparks von der Ortsverbindungsstraße nach Plesten bis vor die Tore Weickenbachs reicht. Wie Bürgermeister Michael Keilich (CSU) erläuterte, könnte die prognostizierte Energiemenge (10 Mwp) über bereits vorhandene Kabelverbindungen des Windparks "Kraiberg" kostengünstig ins Netz eingespeist werden. Im Rahmen der gemeindlichen Planungshohheit wäre für das angefragte Projekt jedoch ein Bebauungsplan-Verfahren, verbunden mit Änderung des bestehenden Flächennutzungsplans erforderlich.

Die schon beim Lokaltermin spürbare Skepsis setzte sich bei der Diskussionsrunde im Rathaus fort. Obwohl man der Energiewende grundsätzlich positiv gegenüber steht (Bürgermeister Keilich), brachten die Sprecher aller drei Fraktionen begründete Bedenken zum Ausdruck. Der Gegenwind beschränkte sich nicht nur auf die grundsätzliche Entscheidung als Präzedenzfall, sondern schloss auch die Würdigung der überwiegend negativen Diskussion im Ortsteil ein.

Für die CSU unterstrich Richard Bäuerlein unter Hinweis auf die skeptische Stimmung in der Zedersdorfer Bevölkerung die Stellungnahme des Gemeideoberhauptes vollinhaltlich. "Zedersdorf hat seinen Teil zur Energiewende mit der Windparkanlage geleistet" unterstrich Bernd Lauterbach (Hassenberg) für die SPD-Fraktion. Er gab zu bedenken, dass mit der Projektierung zwangsweise Eingriffe in das heimische Landschaftsbild verbunden seien und zudem der Landwirtschaft nutzbare Flächen entzogen werden. Claus Dötschel (GUB) plädierte dafür, derartige Anlagen vorzugsweise weniger störend auf Dachflächen zu installieren. Christian Ultsch schnitt die Frage der (noch nicht gelösten preiswerten) Speicherung elektrischer Energie an, die der angestrebten Energiewende zum politisch angestrebten Erfolg verhelfen könnte.

Die Stimmung unter den rund 100 Einwohnern brachte Ortsteilspecherin Christiane Liewald mit einem entschiedenen Nein auf den Punkt. Mit Unterstützung von Monika Schilling-Hofmann und Franz Hölzel hat sie eine Unterschriftenaktion "Fünf Windräder sind genug" initiiert. Mehr als 70 Prozent der erwachsenen Einwohner brachten dabei ihre Ablehnung per Unterschrift zum Ausdruck.

Die Unterschriftenliste überreichte Christiane Liewald als zusätzliche Entscheidungshilfe im Rahmen der Sitzung an Bürgermeister Michael Keilich.

Die Textversion der Verwaltung "Der Bauausschuss beschließt nach Abwägung der zu berücksichtigenden Belange, dem Bauvorhaben eine Absage zu erteilen" fand die volle Zustimmung und wurde von den Zuhörern spontan mit Beifall quittiert.