Friedrich Ani ist ein Autor mit einer Vorliebe für verlorene Seelen. Einsame Menschen ohne Hoffnung. Menschen ohne Zukunft, ohne Hoffnung - sie sind das Personal auch in seiner aktuellen Folge der Krimi-Reihe um den Vermisstenfahnder Tabor Süden. Dieser ehemalige Kriminalhauptkommissar, der sich in seiner zweiten Karriere als Detektiv spezialisiert hat auf die Suche nach Verschwundenen, ist eigentlich selber ein Verschwundener. Ein Mensch, der einfach aus seinem früheren Leben verschwunden ist und am Beginn dieses neuen Buchs auf dem Bahnhof steht und wartet. Seine Wohnung hat er leer geräumt, den Schlüssel in den Briefkasten geworfen.

So beginnt der Band "Der Narr und seine Maschine", den Friedrich Ani beim ersten Krimi-Abend in der Geschichte von "Coburg liest" im Haus Contakt vorstellte. Schwarzes Jackett, schwarzes Hemd: So sitzt Arni auf dem Podium im "Contakt". Schwarz eingehüllt ist Friedrich Anis Band, in dem sich Tabor Süden dann doch noch einmal auf die Suche macht - ein allerletztes Mal.

Der, den er aufspüren soll, ist fast so etwas wie ein Bruder im Geiste. Ein Schriftsteller, der unter dem Pseudonym Georg Ulrich vor langen Jahren riesige Erfolge als Krimi-Autor feierte. Wie der Vermisstenfahnder Tabor Süden hat dieser Cornelius Hallig eigentlich längst abgeschlossen mit dem Leben, will einfach verschwinden - ohne Abschied. Das Hotel, in dem er drei Jahrzehnte lang das immer gleiche Zimmer bewohnte, hat er grußlos verlassen. Noch ein allerletztes Mal schleppt er sich an Orte, die für ihn mit Erinnerungen aufgeladen sind.

Doch bevor er endgültig verschwindet, hat ihn Tabor Süden aufgespürt. Und in dieser Begegnung begegnet er sich irgendwie selber. Zwei Männer ohne Zukunft, ohne Hoffnung, ohne den Wunsch, Hoffnung zu haben.

Poetische Momente

Karg ist die Sprache, lapidar im Gestus, illusionslos im Blick auf seine Hauptdarsteller. Wer Friedrich Anis schmalen Band liest, sollte nicht getrieben sein vom Wunsch nach einem irgendwie doch noch möglichen Happy End. Denn Ani schenkt seinen Lesern keine Hoffnung, kein sentimentales Zugeständnis. Er lässt seine Leser und Zuhörer scheinbar ungerührt in den Abgrund blicken.

"Der Narr und seine Maschine" - ein Buch mit gnadenloser Sogwirkung. Eindringlich, erschreckend und letztlich doch bei aller illusionslosen Klarheit getragen von der Sympathie des Autors für seine Figuren, von deren Eigenleben er sich nach eigenem Bekunden immer wieder überraschen lässt: "Wenn sich Figuren nicht irgendwann verselbstständigen, habe ich das letzte Abenteuer verloren, das das Schreiben zu bieten hat."

Nach der Pause stellte Ani noch einen Ausschnitt aus einem weiteren Krimi vor - "Ermordung des Glücks". Und ganz zum Schluss bereichert er das Bild des Krimi-Autors um lyrische Facetten - mit einigen ausgewählten Gedichten, die ebenso klar im Gestus sind wie seine Krimi-Prosa und dabei doch mit wenigen Worten Momente des Lebens sehr poetisch einfangen.

Zu Gast bei "Coburg liest

Friedrich Ani wurde 1959 als Sohn eines Syrers und einer Schlesierin in Kochel am See geboren. Er arbeitete als Polizeireporter, Kulturjounalist und Drehbuchautor (beispielsweise für die Fernsehserie "Tatort"). Heute lebt er als Schriftsteller in München. Friedrich Ani erhielt neben den zahlreichen Auszeichnungen für seine Krimis, darunter auch den Literaturförderpreis der Stadt München und den Staatlichen Förderungspreis für Literatur des Bayrischen Kulturministeriums. Neben den Krimis um Tabos Süden hat Ani zahlreiche weitere Bücher vorgelegt, darunter "Ermordung des Glücks". Sein umfangreiches Werkverzeichnis umfasst zudem Bühnenstücke, Hörspiele, Drehbücher und Lyrik sowie Jugendbücher. Friedirch Anis Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. red