Anscheinend hat dieser Mann dem einen oder anderen Kritiker Beruhigungspillen verschrieben, denn selten zuvor war es um den Coburger Fußball so ruhig bestellt, wie im zu Ende gehenden Jahr. Zeiten, in denen vom Untergang, von Insolvenzen und von der Auflösung die Rede war, sind vorbei. Der FC Coburg fährt in ruhigem Fahrwasser. Sicher ein Verdienst von Apotheker Walter Luft.

Dem Fußball-Seiteneinsteiger ist es bisher gelungen, den "Nachfolgeverein" des DVV Coburg aus negativen Schlagzeilen herauszuhalten. "Wir arbeiten ruhig und solide mit klaren Zielen", erklärt der Vorsitzende des FCC, der nach eigenen Worten mit vielen Vorurteilen kämpfen muss, obwohl "wir mit dem Vorgängerverein gar nichts zu tun haben".

Im nachfolgenden Tageblatt-Interview nimmt Luft Stellung zur aktuellen Situation, schließt Winter-Neuzugänge für seine in dieser Serie überraschend um den Landesliga-Aufstieg mitspielende
Bezirksliga-Mannschaft nicht aus und kontert spontan auf die provokante Frage, warum sein Klub eigentlich kein eigenes zuhause hat. Aber lesen Sie doch selbst.

Hallo Herr Luft, Sie sind jetzt gut ein Jahr Vorsitzender des FC Coburg. Läuft denn alles nach Plan?
Walter Luft: Unser Ziel war und ist ja von Anfang an der Aufbau eines neuen erfolgreichen Coburger Fußballvereines. Unser Plan, das zu erreichen, besteht aus mehreren Schritten: Zum einen haben wir zunächst einmal professionelle organisatorische und personelle Strukturen geschaffen. Diese wollen wir weiter ausbauen.

Wichtig war außerdem die Etablierung des Coburger BFV-Nachwuchsleistungszentrums für junge Spieler. Und auch hier können wir sagen: Den Besten aus der Region können wir mit dieser Leistungsschmiede gute Entwicklungschancen bieten, zum anderen profitiert natürlich auch der Coburger Fußball von den gut ausgebildeten Spielern. Also kurz gesagt: man kann zwar im Sport nicht alles planen, das ist ja auch das Spannende daran, aber wir tun alles dafür, dass unser Plan aufgeht. Und bisher funktioniert das ganz gut. Jetzt müssen wir weiter an unserem Ziel arbeiten.

Als Fußball-Laie, wie Sie sich bei Ihrer Amtsübernahme selbst bezeichnet haben, war es sicher nicht einfach, die Geschicke zu leiten. Haben Sie sich manche Dinge anders vorgestellt?
Ja, ich bin wohl auf der einen Seite zwar ein Fußball-Laie, leite aber auf der anderen Seite ja auch ein mittelständisches regionales Unternehmen. Hier wie dort ist es nicht immer einfach, aber es gibt ja durchaus ähnliche Prinzipien. Mit einem konkreten Ziel vor Augen und einer professionellen Herangehens-weise lässt sich vieles erreichen.

Eine besondere Aufgabe beim FC Coburg aber, das will ich nicht verschweigen, waren und sind natürlich die vielen Vorurteile, mit denen unser Verein zu kämpfen hat. Dabei haben wir mit dem Vorgängerverein nichts zu tun. Aber damit müssen wir leben - noch. Ich denke, wenn wir weiter seriös, professionell und erfolgreich arbeiten, dann ist das das beste Argument für unseren Weg.

Da musste sicher auch die eine oder andere unpopulär Entscheidung getroffen werden, oder?
Es geht nicht darum, populäre oder unpopuläre Entscheidungen zu treffen, sondern darum, das zu tun, was uns näher an unsere Ziele bringt. Auch jeder Trainer trifft an jedem Wochenende auch mal ein unpopuläre Entscheidung - wenn er damit Erfolg hat, wird das am Ende niemanden interessieren. Das ist im Fußballgeschäft nicht anders wie im richtigen Leben.

Sportlich läuft es gut. Die 1. Mannschaft hat den Landesliga-Aufstieg im Visier, zumindest die Vizemeisterschaft in der Bezirksliga ist noch drin, die über Relegationsspiele zum Aufstieg führen kann. Auch die 2. Mannschaft hat sich nach dem Aufstieg in die Kreisklasse stabilisiert. Wie lauten die Ziele für 2014?
Unsere primären Ziele waren und sind weiterhin zunächst einmal die Strukturen, die Organisation und die Professionalität des Vereins. Das alles tun wir aber natürlich, um mittel- und langfristig auch wieder sportlich erfolgreich zu sein. Wenn sich die ersten Erfolge schon jetzt einstellen, freut uns das sehr. Und natürlich muss es unser Ziel sein, mit der Ersten aufzusteigen, wenn wir dazu die Möglichkeit haben. Und die Zweite wollen wir weiter festigen.

Muss das Bezirksliga-Team dafür aufgerüstet werden, schließlich ist der Spielerkader recht dünn?
Das überlasse ich meiner sportlichen Leitung. Das sind die Profis in diesem Bereich. Aber im Winter ist es traditionell nicht einfach, Leute zu bekommen. Aber wenn sich etwas ergibt, verschließen wir uns nicht.

Welche Rolle spielt dabei der Sportliche Leiter Sascha Heuschkel? Ist er der neue starke Mann beim FC Coburg?
Wir sind sehr froh, dass wir mit Sascha Heuschkel einen sportlichen Leiter haben, der mit großer Professionalität an seine Aufgabe herangeht. Sportlich läuft es sehr gut. Die Stimmung ist intakt. Die Strukturen passen. Und vor allem haben wir gemeinsame Ziele. Das alles spricht für ihn.

Und wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung im Nachwuchsleistungszentrum?
Die Ergebnisse sind sehr erfreulich. Unsere Trainer leisten gute Arbeit. Das NLZ wird auch von anderen Vereinen in der Region immer mehr als Leistungsschmiede angenommen. Manch junger Spieler hat auch schon überregional auf sich aufmerksam machen können. Aber natürlich gibt es noch viel Arbeit.

Kritiker bemängeln, dass der FC Coburg keine eigene Spielstätte hat. Es ist sogar davon die Rede, dass man als Zuschauer in der Wiesenstraße nicht aufs Klo kann, keine Bratwurst oder ein Bier bekommt. Was sagen Sie zu diesen Vorwürfen?
Also zunächst einmal ist es bei uns wie beim HSC, dem BBC und den Volleyballern. Die haben auch kein eigenes Gelände, sondern sind Mieter der Stadt Coburg. Nur können die in der neuen und modernen HUK-Coburg-Arena spielen, die allen Anforderungen an den Spielbetrieb und das Umfeld genügt. Auch das Dr.-Stocke-Stadion an der Wiesenstraße ist zwar modernisiert worden, aber eben nur halbherzig, für einen modernen Spielbetrieb nämlich ist die gesamte Anlage absolut ungeeignet. Wir haben in der Tat keine vernünftigen Toiletten, ab 500 Zuschauer müssen wir einen Toilettenwagen aufbauen, es gibt keinen Kabinentrakt, keinen Versorgungstrakt, Flutlicht gibt es auch nicht. Das alles bremst uns in unserer Entwicklung, das muss sich ändern.

Wir können auf den Nachbarverein TV 48 Coburg bauen und dort das Sportheim nutzen, was uns sehr freut. Positiv sind die beiden gepflegten Plätze, auf denen wir trainieren und spielen, das reicht aber bei Weitem nicht, wenn wir mittelfristig unsere Ziele erreichen wollen.

Eine Fusion mit dem Nachbarverein TSV Cortendorf steht seit längerem im Raum. Wird eine solche 2014 realisiert?
Die Junioren-Teams trainieren und spielen bereits seit längerem bei unserem Nachbarverein, dafür sind wir diesem, vor allem natürlich dem Vorsitzenden Albrecht Tauer, sehr dankbar. Das läuft alles sehr gut und deshalb wird man in Zukunft auch als TSV Cortendorf und FC Coburg eng zusammen arbeiten.