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Coburg
Zwei Erfahrungsberichte

Patientinnen beschweren sich über Klinikum Coburg: "Essen ist ungesund und kalt"

Es ist oft kein Geheimnis mehr, dass Krankenhausessen keinen guten Ruf hat. Allerdings sind zwei Patientinnen aus dem Klinikum Coburg äußerst aufgebracht und machen ihrem Ärger über das Essen dort Luft.
 
Symbolbild: Trockenes Brot
Zwei Patientinnen aus dem Klinikum Coburg sind äußerst aufgebracht und machen ihrem Ärger über das Essen dort Luft. Symbolbild: Trockenes Brot Foto: Kilian Seiler / unsplash.com

Essen ist Geschmackssache. Was aber, wenn das Essen gar keinen Geschmack hat? Krankenhauskost bietet in dem Zusammenhang viel Raum für Diskussion. Zwei Patientinnen des Klinikums Coburg machen ihrem Ärger darüber jetzt Luft und erzählen uns, was sie erlebt haben.

"Im Coburger Krankenhaus ist das Essen alles andere als gesund", ist ein Satz von Irmgard Clausen, der aufhorchen lässt. Doch die stadtbekannte Buchhändlerin, die im Juli, August und Oktober Krebspatientin im Klinikum war, begründet ihre Feststellung. Sie schreibt: "Ich soll möglichst viel frisches Obst und Gemüse essen, gutes Vollkornbrot, wenig Fleisch und Wurst und keinen Zucker. Zuhause gelingt mir das bestens, doch im Coburger Krankenhaus ist das Essen alles andere als gesund. Es fängt beim Frühstück an und hört mit dem Abendbrot auf."

Frühstück, Mittag- und Abendessen: "Alles andere als gesund"

Und dann führt sie auf, wie sich der Speiseplan zusammenstellt: "Frühstück heißt eine Tasse Kaffee oder Tee, ein Brötchen mit oder ohne Körner, Mischbrot. Dazu nach Wahl Marmelade, Frischkäse oder Quark und Honig - alles in Plastikverpackungen. Zwei Scheiben blasse Wurst oder Käse und mit Glück einen halbreifen Apfel aus Neuseeland."

Zum Mittagessen stehen drei Menüs zur Auswahl, davon eines vegetarisch. "Frisches Gemüse, möglichst saisonal, war Fehlanzeige. Das Mischgemüse aus dem Tiefkühlsortiment wird höchstens blanchiert, ganz sicher niemals gewürzt mit Kräutern oder einer passenden Sauce", schreibt Irmgard Clausen.

Der "echte Knüller" sei jedoch das Sonntagsessen aus "gummiartigen Kartoffelklößen, fettem Schweinefleisch und Rübchen" gewesen. "Diese Rübchen waren äußerlich heiß und innen eiskalt und wässrig. Auch hier kein Gewürz oder eine passende Zubereitung."

Fettes Schweinefleisch und kalte Rüben: Nicht gut für Patienten

Zum Dessert gebe es fast ausschließlich sehr süße Puddings oder Joghurts mit jedem möglichen Fruchtgeschmack, aber keiner noch so kleinen frischen Frucht. Irmgard Clausen war aufgebracht und fing an, während ihres Klinikaufenthalts Tagebuch zu führen. Sie empfand das Essen als eine Zumutung: "Obst ist grundsätzlich nicht reif: die Bananen grün, die Äpfel im Juli aus Übersee, die Birnen pickelhart."

Alle "Menüs" wurden, wie sie sagt, auf eiskalten Tellern mit tiefgekühltem Besteck serviert und einer kleinen Tasse Kaffee (von früh bis abends) oder irgendeinem beliebigen Tee. Ihr Resümee: "Essen im Klinikum Coburg ist keine Freude. Viele Patienten erwarten die Mahlzeiten mit Spannung und Appetit, weil gutes Essen eine Abwechslung im ja oft langweiligen Krankenlager bedeutet."

Claudia Gössele macht ihrem Ärger zum gleichen Thema in einem Leserbrief Luft. Ihr ist aufgefallen, dass gerade in Zeiten von Corona viele Zeitschriften und auch viele Fernsehsender voll sind mit Berichten über gesundes Leben zur Vorbeugung von Krankheiten. Dazu gehört gutes Essen - ausgewogen, mit frischen Zutaten, wenig Fett und Zucker, möglichst frisch und vitaminreich.

Kranke bitten Besucher um Essen

"Wird man trotzdem mal krank und muss ins Krankenhaus, geht man davon aus, dass man dort bestimmt auch Essen erhält, das die rasche Genesung unterstützt. Hmmm - nicht im Regiomed-Klinikum Coburg", sagt sie. Das Essen sei "durchgehend" so schlecht, dass die Erkrankten die Besucher bitten würden, Essen mitzubringen. "Verhältnisse wie in drittklassigen Entwicklungsländern", schimpft sie.

Man denke doch, dass gerade ein Patient der Onkologie bestmöglich versorgt werden sollte. Und dann gibt's das: "Gedünsteter Fisch, auch Lachs, der so trocken ist, dass Frau ihn nicht schlucken kann. Zum Abendessen angefrorene Tomaten, Brot, eiskalt, matschig und geschmacklos." Das Gleiche gelte für die "Wurst".

"Es ist anscheinend auch nicht möglich, am Nachmittag die Bestellung von Frühstück zahlenmäßig zu ändern. Also, wenn man am Nachmittag eingeliefert wird, bitte ein Care-Paket für das Frühstück mitschicken, nicht nur Kleidung und solche Sachen", gibt Claudia Gössele zu bedenken. Ihr ist es ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass die Pflegekräfte und Ärzte einen guten Job machen: "Sie bemühen sich wirklich und tun ihr Möglichstes. Aber die Leitung sollte wohl mal etwas in die Gänge kommen... nachdem mir mehrfach versichert wurde, das dies schon länger bekannt sei und weitergegeben wurde."

Kritik am Essen: Das sagt das Klinikum dazu

Für Kritik und Anregungen zum Thema Essen haben die Regiomed-Kliniken einen eigenen zweiseitigen Fragebogen entwickelt. Die Patienten können Frühstück, Mittag- und Abendessen getrennt und nach verschiedenen Kriterien bewerten, wie "zu heiß", "zu kalt" oder "zu fett" fürs Mittagessen. Außerdem stehen in den Kliniken "Menüdamen" parat, mit denen die Patienten ihre Anliegen besprechen können, sagt David Schmitt, Leiter der Geschäftsstelle Kommunikation von Regiomed. Es gebe sogar eine Hotline zum Küchenleiter - für den gerade ein Nachfolger gesucht wird, weil der Stelleninhaber beruflich kürzertreten will.

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Auf Kritik habe die Küche sehr wohl reagiert, sagt Schmitt: Brot und Brötchen würden seit 1. September frisch von regionalen Bäckern direkt in die Häuser geliefert. Weil Frühstück und Abendbrot aus der Kühlung kommen und die Butter deshalb hart war, wurde auf eine streichzarte Butter umgestellt. Damit die Soße nicht mehr überschwappt, wurden Teller mit höherem Rand angeschafft. Was die Klöße angeht, so sei das "in beiden Bundesländern viel und oft debattiert" worden, erklärt Schmidt. Denn "Coburger Rutscher" sind etwas anderes als "Hütes" aus Thüringen oder "grüne Klöße". Einig seien sich alle Beteiligten darin gewesen, dass zu feste Klöße nicht schmecken. "Nach zahlreichen Testläufen und etlichen Gesprächen haben wir im September ein neues Produkt eingeführt. Der neue Kloß zeichnet sich durch eine weiche, glatte Konsistenz aus", erklärt Schmitt.

Seit April ist die Regiomed-Großküche bei Lichtenfels in Betrieb. Produziert wird dort nach dem "Cook & Chill"-Verfahren: Essen wird zubereitet und erhitzt, dann sehr schnell heruntergekühlt, portioniert und verpackt, gekühlt zum Bestimmungsort gebracht und dort "regeniert", also erhitzt. Anfangs sei es vorgekommen, dass an manche Einrichtungen falsche Mengen oder die falschen Produkte geliefert wurden, aber das habe man behoben, versichert Schmitt. Patienten hätten nun überdies die Möglichkeit, beim Frühstück und beim Abendessen individuell auszuwählen, "was in welcher Menge auf dem Teller landet". Morgens werde zum Beispiel ein Fitness- oder ein herzhaftes Frühstück angeboten.

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Bislang werden nur Regiomed-Einrichtungen versorgt, also Kliniken, Senioren- und Wohnheime in den Landkreisen Coburg, Lichtenfels, Sonneberg und Hildburghausen sowie in der Stadt Coburg. Auch die sechs Klinik-Cafeterien werden von hier aus bestückt. Immer wieder ist jedoch die Rede davon, dass die neue Großküche vor allem deshalb in Lichtenfels errichtet wurde, weil von dort aus auch andere Kliniken beliefert werden sollten, wie zum Beispiel das Bezirksklinikum in Kutzenberg. Kooperationen mit externen Partnern seien "langfristig angedacht", sagt Schmitt. Zunächst aber sei es darum gegangen, "alles zum Laufen zu bringen, bevor wir die Auslastung weiter steigern".

Gerechnet wird in "Beköstigungstagen" (BKT): Ein BKT umfasst das Essen für einen Patienten pro Tag, also Frühstück, Mittag- und Abendessen. Für 3700 BKT sei die 20 Millionen Euro teure Küche ausgelegt, produziert würden derzeit 1600 BKT. Die Auslastung liege bei rund 45 Prozent. Ein BKT kostet rund 16,50 Euro - eingerechnet sind da die Kosten für die Lebensmittel, das Personal, Logistik. "Im Vergleich zum Markt liegen wir drei bis vier Euro über dem Durchschnitt", sagt Schmitt.

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