Tiefe Furchen von breiten Reifen im Wiesenboden, das sind die Spuren der Rettungsaktion von Dietmar Herr. Aber sie kam zu spät. Die Abdrücke stammen aus der Pfingstzeit, seitdem konnte Herr seine Fläche zum Grünfutteranbau an der Kreisstraße zwischen Rossach und Buchenrod nicht mehr betreten, geschweige denn bewirtschaften. Selbst nach dem Ende des Dauerregens, in dieser Woche, ist dies nur mit Gummistiefeln möglich.

"Das sind vier Hektar mit Grünfutter, die muss er wegfahren und kann es nur noch auf einen Haufen zum Verrotten legen", sagt Gerhard Ehrlich. Der Kreisobmann des bayerischen Bauernverbandes (BBV) hat auch Flächen im Itzgrund und "mehr Glück gehabt, als Dietmar Herr", wie er sagt. "Es ging um Stunden", damit meint Ehrlich die Pfingsttage, als er sich mit seinem Sohn entschloss, auf seinen Wiesen zu mähen, um Silage zu machen.
"Wir haben ein großes Risiko gefahren und von morgens bis nachts um elf die Silage eingefahren. Das war unser großes Glück. Kurz danach fing der Regen an", erinnert sich Ehrlich.

Sein Wiesennachbar Dietmar Herr fing nur einen Tag später an und hat es nicht geschafft, sein Grünfutter ins Trockene zu bringen. Auf der Wiese von Herr wendet Ehrlich das Grünfutter mit der Hand. Es ist braun, nass und darunter: Schlamm und Regenwürmer. "Selbst nach dem Ende des Regens und wenn das Wasser abgeflossen ist, müssen wir noch mindestens eine Woche warten, bis wir wieder mit Fahrzeugen auf die Wiesen und Felder können", sagt Ehrlich.

Die Wiese von Dietmar Herr ist im Itzgrund kein Einzelfall. Nur sehr wenige Landwirte hatten das Glück, rechtzeitig zu mähen und trockenes und vor allem eiweißreiches Futter für die Tiere einzufahren. Einige Wiesen stehen noch mit hohem Gras unter Wasser - eine Seenlandschaft, aber ohne jegliche Idylle, denn auch dieses Gras taugt nicht mehr als Futtermittel: "Selbst wenn es trocknet, ist es schon viel zu alt und voller Dreck", sagt Ehrlich. Für viele Landwirte ist der wichtige erste Schnitt, der das beste Futter liefert, und damit die Qualität, dahin. Auf einen guten zweiten können sie nur hoffen.

Schlimmer war es vor 57 Jahren

Um einen ähnlich verregneten Mai mit Hochwasser aus seinen Erinnerungen zu holen, muss Ehrlich weit zurückgehen: "Das war 1965/66. Damals haben wir das Heu mit der Hand von den Wiesen geholt." Dass es diesmal nicht ganz so schlimm war, wie vor über 50 Jahren haben die Landwirte auch dem Goldbergsee und dem Lauter-Überleiter zu verdanken. "Die Vorteile, auch für die Wiesen, muss ich anerkennen", gibt Ehrlich zu.
Die schlammige Grassilage einfach in die Biogasanlage werfen? Ehrlich verneint: "Das geht auch nicht, selbst dafür ist die Qualität zu schlecht, am Ende verstopft uns noch alles."

Die schlechte Qualität oder stellenweise der ganze Verlust von Grünfutter ist eine Folge von Regen und Hochwasser. Eine andere ist auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu sehen. In leichter Hanglage, ein Feld mit gelblichen, rund zehn Zentimeter kleinen Pflänzchen. Wasser ist keines drauf, aber der Boden sieht schlammig aus. Dieser Eindruck bestätigt sich beim Betreten.

"Das ist Mais, Mitte April ausgesät. Normalerweise müsste er grün und viel größer sein. Uns fehlt ein ganzer Monat. Das können wir bis zum Herbst nicht mehr aufholen. Wir werden Ernteverluste haben", so Ehrlich. Aber bei einigen Feldern ist, laut Ehrlich, nicht nur das Wetter Schuld, sondern einengende Regeln: "Einige Bauern haben Fünf-Jahresverträge mit dem Vertragsnaturschutz-Programm und dürfen nicht vor dem 15. Juni ernten." Unabhängig von solchen Naturkatastrophen sieht Ehrlich auch generelle Probleme: "Der Itzgrund ist speziell. Eine kalendarische Bewirtschaftung ist einfach falsch.

Der Landwirt muss die Vegetation beobachten und man muss ihm die Entscheidungen überlassen, wann er was macht." Ehrlich betont immer wieder, dass er viel Glück gehabt hat, aber sagt auch: "Egal was noch kommt, uns fehlt ein ganzer Monat."