70 Jahre wurde der Chor im vergangenen Jahr alt und hat erst den dritten Chorleiter seit seiner Gründung - ein Zeichen für kontinuierliches, zielstrebiges Arbeiten. Gerade in der Königsdisziplin des a-cappella-Gesangs zeigt ein Chor seine Stärke: ihn beherrschen die stets von besonders fähigen Leitern geschulten Windsbacher in bewundernswerter Weise.


Wann hört man schon so einen kultivierten, homogenen Chorklang mit leuchtenden Knaben - und weichen Männerstimmen, blitzsauberer Intonation und disziplinierter sprachlicher Gestaltung? Martin Lehmann dirigiert mit präzisen, geschmeidigen Bewegungen, die vom Chor exakt aufgenommen werden.

Dieser reagiert auf den kleinsten Wink, sodass eine große Bandbreite von Dynamik und Agogik stattfinden kann, die zu einer lebendigen Gestaltung gehört. "Herr Gott, du bist uns're Zuflucht für und für", diese achtstimmige Motette für achtstimmigen Chor von Felix Mendelssohn-Bartholdy zeigte sogleich die ganze Klangpalette vom andächtigen Pianissimo bis zum jubelnden Forte.


Mendelssohn zum Auftakt

Zuvor hatte Peter Stenglein an der Schuke-Orgel die Zuhörer mit dem Präludium d-Moll aus Opus 37 desselben Komponisten auf das Konzert eingestimmt - wuchtig und mit flinken Fingern. Das Chorprogramm enthielt Werke aus fünf Jahrhunderten, die aber nicht chronologisch dargeboten wurden.


So folgten nach Mendelssohn der englische Renaissance-Komponist William Byrd mit der Motette "Miserere mei" und der Frühklassiker Christoph Willibald Gluck mit der Motette "De profundis", beide differenziert gestaltet. Das 500-jährige Reformationsjubiläum würdigte man mit dem Lutherlied "Aus tiefer Not", das im Wechsel von Chor (in klangvollen Sätzen von Hans Leo Haßler und Leonhard Lechner) und der Gemeinde gesungen wurde.


Zeitgenössische Musik mit aparten Reibungen, die mit intonatorischer Sicherheit wiedergegeben wurden, hörte man in der sechsstimmigen Motette "Miserere mei Deus" von Vytautas Miskinis. Zum Barock leitete Peter Stenglein an der Orgel mit der grüblerischen, harmonisch dichten Choralfantasie "Aus tiefer Not" von Johann Sebastian Bach über, der die ausdrucksvoll vom Chor gesungene Motette "Beati omnes" von Jakob Meiland folgte. Reizvolle Echowirkungen und intensive Textausdeutung prägten auch das "Deutsche Magnificat" von Johann Staden und Leonhard Lechners "Beati omnes".


Ein älteres Chormitglied leitete anschließend sicher den klanglich abgerundet dargebotenen Choral für Männerchor "O lux beata" von Mendelssohn. Ein verhalten beginnendes, sich machtvoll steigerndes "Benedictus" für Orgel von Max Reger steuerte Peter Stenglein farbig registriert bei, bevor der gemischte Chor die viel gesungene Motette "Jauchzet dem Herrn" von Mendelssohn in einer sehr eindringlichen, persönlichen Handschrift des Dirigenten Martin Lehmann darbot.


Reger als Zugabe

Recht theatralisch hat Javier Busto sein "Pater noster" vertont, das vom Chor sicher bewältigt wurde. Schließlich hörte man noch die achtstimmige Motette "Gott ist unsre Zuversicht" von Johann Pachelbel mit ihrer bildhaften Textausdeutung, in die geschickt der Luther-Choral "Ein feste Burg" eingearbeitet ist. Herzlicher, anhaltender Beifall für die famosen Windsbacher, die man gerne öfter hierzulande hören würde.
Sie verabschiedeten sich eindrucksvoll mit dem nachdenklichen "Die Nacht ist kommen" von Max Reger.




So geht's weiter bei der "Musica Mauritiana"

Karfreitag, 14. April, 17 Uhr Morizkirche Coburg - Georg Philipp Telemann "Matthäuspassion" (1746)

Telemann-Gedenken Die Musikwelt denkt in diesem Jahr an den 250. Todestag des großen Barockkomponisten Georg Philipp Telemann. Telemann wirkte über viele Jahre an den fünf Hamburger Hauptkirchen und schrieb nicht weniger als 46 Passionen.

Ausführende sind der Coburger Bachchor, Marie Smolka (Sopran), Michaela Maucher (Alt), Hermann Oswald (Tenor), Felix Rathgeber (Bass), sowie das Main-Barockorchester Frankfurt. Leitung: Peter Stenglein (www.bachchor-coburg.de).