Wie kann die Energiewende gelingen? Die Bürgerenergiegenossenschaft Coburger Land setzt auf Solarparks, an der sich Bürger vor Ort beteiligen können. Am Samstag wurde die erste dieser Photovoltaikanlagen am Ortsrand von Weidach offiziell eingeweiht. "Diese Anlage wurde von den Bürgerinnen und Bürgern in Weidach gewollt!", sagte Vorstandsvorsitzender Christian Gunsenheimer angesichts des großen Interesses aus der Bevölkerung.

Für Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (FW) ist die neue Freiflächen-PV-Anlage nicht nur ein gelungener Beitrag zur "Stromwende", sie verbinde auch Klima- und Artenschutz miteinander. Das extensiv genutzte Grünland biete vielen Tier- und Pflanzenarten Raum und sorge für eine biologische Bereicherung.

Vor fast einem Jahr begannen die Arbeiten am Häslichweg, gleich hinter dem Züchterheim. Mitte März konnte die gut eine halbe Million Euro teure Anlage bereits ans Stromnetz der SÜC angeschlossen werden. Sie erzeugt fast 750 Kilowatt Strom. Den Initiatoren zufolge werden rund 10000 Tonnen -Äquivalent gegenüber der konventionellen Stromerzeugung eingespart. Mindestens 20 Jahre könnte die Anlage Strom produzieren. "Die Mehrheit der Module wird auch in 30 Jahren noch Energie liefern", zeigte sich der Minister überzeugt.

Dem Aufruf der Energiegenossenschaft an interessierte Bürger, sich zu beteiligen, war auf große Resonanz gestoßen. "Wir waren dreifach überzeichnet", berichtete der Vorstandsvorsitzende. Der Klimaschutzbeauftragte des Landkreises Coburg freute sich besonders, dass vor allem Ortsansässige von der Möglichkeit Gebrauch machten, Anteile zu kaufen. "Gerade wer die Anlage ständig vor Augen hat, soll auch von ihr profitieren können", so Gunsenheimer.

Die Genossenschaft stehe für den Kreislauf vor Ort: Sie beteilige die Bürger, baue lokal die Anlage und stehe danach als Ansprechpartner zur Verfügung. Um allen Interessierten die Möglichkeit zur Partizipation zu geben, wurde die Zahl der Anteile pro Kopf reduziert. Mit maximal 1500 Euro konnten sich die Bürger beteiligen. Drei Prozent Gewinn hofft Gunsenheimer pro Jahr ausschütten zu können.

Schwierige Topographie

Errichtet wurde der neue Solarpark auf einem früheren Ackerland, für das sich nach seiner Ausweisung als Gewerbegebiet wegen der schwierigen Topographie nie ein ernsthafter Interessent fand. Statt Fabrikgebäude oder Hallen wurden hier nun die aufgeständerten Module errichtet. Zur Eröffnung pflanzten die Firma Münch Energie (Rugendorf), die die Anlage gebaut hatte, und der Landschaftspflegeverband Bäume.

Durch die weitere Bepflanzung des Areals mit Hecken, Sträuchern und Bäumen soll ein Mehrwert geschaffen werden. "Nicht weil wir es müssen, sondern weil wir es können", meinte Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Weiß. Außerdem wird das Gelände eingezäunt. Zwischen den Modulen könnten bald Schafe weiden.

Glauber sagte, er wolle "mehr Dynamik in die Thematik Erneuerbare Energien" bringen, immerhin sei Bayern "mit Sonne gesegnet". Sein Wunsch: Jeder Bauherr sollte verpflichtet werden, auf seinem Neubau eine PV-Anlage zu errichten und einen Speicher in den Keller zu stellen. Die Kosten hätten sich in weniger als zehn Jahren amortisiert. Auch wenn das Speichermedium noch eine "Herkulesaufgabe" darstelle, zeigte sich Glauber überzeugt: "Die Stromwende ist technisch durchorganisiert und machbar."

Nach Errichtung einer 84-KW-Anlage auf dem Dach des Coburger Gymnasiums Ernestinum im Jahr 2016 ist der neue Solarpark das zweite Projekt der Energiegenossenschaft. Derzeit werden Standorte für weitere Freiflächen-PV-Anlagen gesucht, vorrangig ebenfalls in Altgewerbegebieten. Einer weiteren Anlage in Weitramsdorf hatte der Bauausschuss vor kurzem eine Absage erteilt. "Ich bitte die Gemeinde mit Blick in die Zukunft mehr dieser Anlagen möglich zu machen", wandte sich Gunsenheimer daher an Bürgermeister Andreas Carl (DGN). Dem Weidacher Solarpark hätten die Verwaltung unter seinem Vorgänger Wolfgang Bauersachs sowie das Landratsamt Coburg in kürzester Zeit den Weg frei gemacht. "Es ist ja nicht so, dass jeder bei einem Solarpark gleich hurra schreit", wandte Carl ein, auch wenn Anlagen unter Beteiligung der Bürger "natürlich besser zu begründen seien".