Ahorn
Vorratshaltung

Einweckglas und Krautbottich in Ausstellung in Ahorn

In Kooperation dreier fränkischer Museen wird im Gerätemuseum des Coburger Landes in der Alten Schäferei Ahorn die Sonderausstellung "Sauerkraut & Ketchup - Streifzug durch drei Jahrhunderte Vorratshaltung" gezeigt. Es ist in Vergessenheit geraten, was früher so alles konserviert wurde.
Die Ausstellungsbesucher inspizieren eine Menge Sauerkrautbottiche und andere Exponate.  Fotos: Gabi Bertram
Die Ausstellungsbesucher inspizieren eine Menge Sauerkrautbottiche und andere Exponate. Fotos: Gabi Bertram
Einkocher, Einweck-Gläser, Sauerkrautbottiche, der Fleischwolf, Mausefallen: In der Alten Schäferei ist sie wieder da, die gute alte Zeit, als noch alles, was Stall, Garten und Wald hergaben, für die kalte Jahreszeit konserviert wurde.

Wolfgang Dultz, Fördervereinsvorsitzender, ist gerührt. "Da erinnert sich doch jeder wieder an seine Kindheit, als die Oma noch Marmelade kochte, das Schwein geschlachtet und die Wurst in Dosen eingeweckt wurde", sagt er und findet auch gleich Bestätigung. Gudrun Zwingelberg kocht noch heute ein, was im Garten wächst, von Kirschen bis Pflaumen, und alles Obst zusammen kommt in den Rumtopf.

Über den Winter bringen

Die Möhren wurden in einer Sandmiete über den Winter gebracht, die Äpfel lagerten getrennt nach Sorte in der Stiege. Kartoffeln und Äpfel, das weiß doch jeder, sollten nicht zusammen aufbewahrt werden, weil die Äpfel die Reife beschleunigen und die Kartoffeln so schneller keimen würden. Gudrun Zwingelberg hat noch als Kind mit den Füßchen das Kraut im Bottich gestampft, aus dem mit allerlei Zugaben dann Sauerkraut wurde. Früher wurde sorgsam alles abgeerntet, da blieb nichts am Baum hängen, und das Mausen wurde noch bestraft. Auch Bürgermeister Martin Finzel hat noch seine Erinnerungen, als es im Steinguttopf blubberte oder der Opa aus den Beeren im Garten Wein ansetzte.

Es gab ja keine Kühlschränke und Gefriertruhen

Früher gab es eben keine Kühlschränke und keine Supermärkte, wo zu jeder Zeit alles zu haben war. Die Kultur der Vorratshaltung hat sich grundlegend geändert, auch wenn Gartenanbau und Selbst-Machen eine Renaissance erleben. Man will heute wieder wissen, was man isst.

In dieser Sonderausstellung, die in Zusammenarbeit des Bauernmuseums Bamberger Land Frensdorf, des Museums Schloss Aschach und des Gerätemuseums Coburger Land mit viel Liebe zum Detail zusammengetragen und gestaltet wurde, spiegelt sich der Charme der Zeit vor der Konserve wider. "Da wird einem warm ums Herz", meinte Wolfgang Dultz zur Eröffnung am Donnerstagabend. Und er lobte Museumspädagogin Simone Metzner, die mit viel Kreativität der Ausstellung in den Räumlichkeiten der alten Scheune den letzten Schliff gab.

Die Ausstellungsidee, würdigte die Aschacher Museumsleiterin Annette Späth, sei von Birgit Jauernig, der Leiterin des Bauernmuseums Frensdorf, gekommen. Schon zwei Mal wurde Einblick in die Konservierungsmethoden und -erfindungen der vergangenen drei Jahrhunderte gegeben - mit großem Erfolg. Was hat früher den Speiseplan bestimmt? Die Ernährung, so Späth, sei geprägt gewesen von Eigenanbau und Eigenverwertung. Ohne Kühlschrank und Einkaufsmöglichkeiten sei die Konservierung für die Familien überlebenswichtig gewesen. Obst wurde eingekocht, Fleisch gepökelt, Kraut eingelegt. Erst die Erfindung von Eisschränken - die übrigens erst in den 70er- und 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts auch für Privathaushalte erschwinglich wurden - habe sich die Vorratshaltung verändert.

Der Trend geht wieder in Richtung Vorratshaltung

Der Trend, meint Späth, würde aber in der heutigen Zeit, wo ein Nahrungsmittelskandal auf den anderen folge, wieder in Richtung Einwecken gehen. Ob Gurken, Ketchup oder Marmelade: Man greift auf alte Techniken zurück, um sich gesund zu ernähren.

Birgit Jauernig, die im Auftrag von Lothar Hofmann, Museumsleiter in Ahorn, die Einführungsrede hielt, ging auch auf den Umgang mit Lebensmitteln ein. Um die 82 Kilogramm pro Jahr werfe jeder weg. Noch in den 1950er-Jahren sei das undenkbar gewesen. Heute krame man wieder alte Haushalts- und Kochbücher hervor, wo jede Menge Tipps zur Haltbarmachung von Lebensmitteln zu finden sind.

Erinnerungen werden wach

Die Gäste der Ausstellungseröffnung ließen sich an diesem Abend von ihren Erinnerungen einholen. Manch alte Geschichte wurde erzählt, und viele erkannten das wieder, was bei ihnen zu Hause früher zum Leben und zum Küchenalltag gehörte.
Die Ausstellung ist noch bis zum 7. Dezember 2014 zu sehen.