Die ganze Region rund um Bad Rodach ist reich an Sagen. Anja Augustin, die schon als Kind ein Nibelungen-Fan war und an den Lippen ihres Opas Erich Krempel klebte, wenn der die Drachensage erzählte, hat sich eingehend damit beschäftigt.


Die Mutter aller Hausdrachen?


Da gibt es die weißen Frauen auf dem Straufhain, die Eisriesen in Eisfeld und den Teufel, der bei den Gleichbergen die Steinsburg erbaut haben soll. Und man erzählt sich die Sage vom Drachen auf dem Georgenberg, der vom Ritter Georg besiegt worden sein soll. Oder doch nicht? Die Sage um den Drachen jedenfalls hat gar kein richtiges Ende. "Mein Opa", erinnert sich Augustin, "hat immer behauptet, der Drache sei eine Sie, aus deren Eiern alle Hausdrachen geschlüpft sind".


Drachensage einfach nach Heldritt verlegt


Schon Adolf Büttner-Tartier, Heimatdichter und Gründer der Heldritter Waldbühne, hatte in den 20-er Jahren die Festspiele auf dem Georgenberg aus der Taufe gehoben und später die Ritter-St.-Georg-Heimatspiele mit der Drachensage nach Heldritt verlegt. Im Herbst 2006 waren die Bad Rodacher Drachentage in Zusammenarbeit mit der Bücherei ins Leben gerufen worden. Anja Augustin, die Germanistik, Politik und Geschichte studiert und aktuell ihre Promotion zu "Mittelalterlichen Texten über die Heidenwelt" eingereicht hat, hielt zahlreiche Vorträge, leitete Sagenfortbildungen für Lehrer und führte auch Drachenwanderungen zum Georgenberg.


Die erste Klappe fiel im November


Bei einer dieser Wanderungen war Lukas Hermannsdörfer dabei, damals gerade mal sieben Jahre alt. Erik Rottmann kennt Anja Augustin sozusagen als "Büchereischwester". Beide engagieren sich ehrenamtlich für die evangelische Bücherei im Städtchen. Erik und Lukas wieder kennen sich aus der Grundschule und Fabian stieß dann in der achten Klasse dazu. Alles Bad Rodacher jedenfalls, die im Oktober vergangenen Jahres ihr Filmprojekt entwickelten, für das am 23. November beim ersten Dreh die erste Klappe fiel. "Drache, die erste".

Mehr als nur ein Hobby?

Filmen soll zumindest für Erik und Lukas nicht nur ein Hobby bleiben. Erik Rottmann (17 Jahre) will sich in Coburg für die Medienbranche einschreiben. Lukas (16) strebt der Medienpädagogik zu. Fabian (19) dagegen lernt im dritten Ausbildungsjahr Industriemechaniker. So schrieb Lukas das Drehbuch, Erik agierte als Cutter, Regisseur und Produzent, Fabian wurde Assistent. Mit ins Boot kamen Christoph Haider als Tonregisseur und Florian Zosig als Kameramann - und Anja.


"Ja, Anja", sagen alle und lachten. Die habe im Drehbuch "rum gepfuscht", alle "schwer gequält und alles rausgequetscht". Pingelig soll auch Erik gewesen sein. "Erik", resümiert Anja, " hat nicht die fiesligste Kleinarbeit gescheut, die so ein Film mit sich bringt."


Erik Rottmann hatte ursprünglich andere Pläne. Er plante einen richtigen Spielfilm. Ein historisches Familiendrama im Schloss. Doch mal abgesehen vom fehlenden finanziellen Budget waren auch alle Aufrufe im Internet oder Facebook gescheitert, professionelle Schauspieler zu finden.


Da kam Anjas Ur-Drachenerlebnis gerade richtig. Das hatte sie im Sommer in der Salzgrotte der Therme. Die orangefarbene Schein-Welt kam ihr vor wie eine Szene aus "Jurassic-Park". Da hatte sie wieder die mystischen Drachenerzählungen ihres Großvaters vor Auge und irgendwie auch ein Film-Projekt.


Viel gefilmt und viel wieder gekürzt


Mit zwei Kameras gedreht wurden in aufwendiger Kleinarbeit 170 Filmsequenzen - vom Runder-Tisch-Geplaudere bis hin zur Hohlweg-Schlenderei in Richtung Georgenberg. Eine Zehn-Gigabite-Festplatte war am Ende voll. Geblieben sind schließlich elf Filmsequenzen, unterlegt mit Sound und Farbe. Zweieinhalb Stunden drehte das Team auf dem Bad Rodacher Marktplatz, interviewte zwei Bürger. Davon sind im Film zwei Minuten und sechs Interviews übrig geblieben.


Das Schicksal des Drachen bleibt ein Rätsel



Von der Idee bis zur Premiere vergingen fünf Monate. Ob es überhaupt in Rodach einen Drachen gab und wenn, ob Ritter Georg den Drachen besiegt hat, bleibt in den Sternen. Auch wenn Georgs Drachenkämpfe bis heute Städtewappen zieren, so bleibt das Schicksal des Rodacher Drachen ein Rätsel. "Das", sagt Anja Augustin, "soll sich jeder selbst ausmalen". Am Schluss steht ein Drachenauge im Scheinwerfer. Ist das vielleicht das Auge vom Georgenberg-Drachen, der unterirdisch das Thermalbad heizt?


Fortsetzung geplant


In jedem Fall soll es weitergehen - mit einem historischen Drama. Dafür, verraten die Filmemacher, gibt es schon ein Drehbuch aus der Feder von Lukas Hermannsdörfer. Auch an einem zweiten Sagenprojekt wird schon gearbeitet. Arbeitstitel: "Der Mönch".


Weitere Termine


Donnerstag, 16. Januar Als Vorfilm von "Die Köchin und der Präsident" um 20 Uhr im Jugendzentrum am Schlossplatz.

Samstag, 25. Januar Die letzte Vorstellung: um 19.30 Uhr im "Haus des Gastes".