Ein Krippenspiel an Heiligabend, das gehörte in vielen Kirchengemeinden auch in diesem Jahr zum Gottesdienst. In Heilgersdorf jedoch kam nach der Aufführung mit jungen Darstellern am Nachmittag in der Christmette am späten Abend eine ganz besondere Version zur Aufführung: ein altes Krippenspiel von Erwachsenen.

Pfarrer Tobias Knötig hatte das Skript aus seiner Heimat Thundorf (Gemeinde Maßbach, Landkreis Bad Kissingen) mitgebracht und den Text, wie er dort zuletzt 1979 verwendet wurde, leicht erweitert und an Heilgersdorf angepasst. Eingeführt hatte das Krippenspiel bereits vor 1945 der frühere katholische Thundorfer Pfarrer Felix Seufert. Zum Ausklang des Reformationsjubiläums präsentierten Mitglieder und Freunde der evangelischen Kirchengemeinde das Stück nun in der Heiligen Nacht in der feierlich illuminierten Kirche "Zu unserer lieben Frauen". "Damit habe ich mir einen lang gehegten Wunsch erfüllt", gestand Pfarrer Knötig in seinem Dank. "Weil mein Vater Albrecht 1979 einer der Hirtenjungen war, habe ich eine besondere Verbindung zu dem Stück", fügte der Geistliche hinzu. Vor gut einem Jahr hatte der Kirchenvorstand beschlossen, diesen letzten Höhepunkt zum 500. Jubiläum des Thesenanschlags anzubieten. "Martin Luther war der Glaube an das Kind in der Krippe sehr wichtig", erläutert der Theologe die Verbindung zum Reformationsjubiläum, "für ihn war Weihnachten als biblisches Hauptfest viel wichtiger als Nikolaus." Das alte, in Reimform verfasste Stück künde von der großen Sehnsucht nach dem Heiland und betone, in welch einfachsten Verhältnissen er zur Welt kam.


Maria im Mittelpunkt

Auf den Aufruf im Seßlacher Amtsblatt und im Gemeindebrief "Sämann" hin hatten sich 14 Erwachsene und zwei Jugendliche auf das "Wagnis" eingelassen, wie es Knötig bezeichnete. Angeführt wurde die Riege der Darsteller von Eva Lotte Braunreuther als Maria und Ullrich Schmidt als Josef. Das Stück stellte Maria in den Mittelpunkt: "Sie sagt Ja zu Gottes Auftrag und wird dann zum Zeichen der Liebe Gottes in der Welt, die Sehnsucht erfüllt und Leben heilt", schildert Knötig. Nach dieser Liebe, "so schlicht und einfach, aber so ehrlich und wahrhaftig", suchten die Menschen auch heute noch, meint er. Von der Kanzel verkündeten Petra Grell und Hans-Karl ("Joe") Schleicher als "Engel des Spruches" bzw. "Engel der Schrift" die frohe Botschaft. "Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht", begann das Stück, "und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell."


Abgelehnt

Den Part des Engel Gabriels übernahm Organist Heinz Beland. Bei seiner Herbergssuche wurde das Paar erst von den Wirten Otto Vetter und Axel Poek abgelehnt, bis ihnen Hirtenbub Hans alias Jona Thein den Platz im Stall vermittelte. Dort machten dann die Hirten (Kerstin Thein, Christine Schuhmann, Ronja Brunn, Karin Röder, Carola Vetter, Marcel Eckstein) dem neugeborenen Jesuskind ihre Aufwartung. Und während Susanne Dietz und Susanne Heubner als Engel im Kirchenraum stumm blieben, erklang hoch oben von der Empore ein ganz besonderer Engelschor: Unter der Führung von Pfarrer Knötig als aktuellem Interims-Dirigenten intonierten die weiß gewandeten Sänger des "Liederkranzes" Heilgersdorf die Choräle "Heilig heilig heilig" (Franz Schubert) sowie "Heilige Nacht" (Johann Friedrich Reichardt). Für die Kostüme zeichneten sich Nora Knötig und Yvonne Berust verantwortlich, für Aufnahme und Licht Roland Schumann.

"Nun tut, was die Hirten einst in Bethlehem getan, kehrt um, lobt Gott und betet das heilige Kindlein an", hieß es zum Schluss des Krippenspiels. Vor Glauben und Hoffnung sollten sich alle Zuschauer auch heute nicht scheuen, denn "Gottes Liebe hat alles vollbracht, die Hoffnung der Welt in der heiligen Nacht." Dass nach diesen Worten zum Ende der Christmette kein Applaus durch den Kirchenraum brandete, lag keineswegs an der Qualität der Darsteller oder des Stücks. Vielmehr entsprachen die zahlreichen Besucher damit der Bitte des Pfarrers. "Es ist uns viel wichtiger, dass Sie die Stimmung mit nach Hause nehmen", schrieb Knötig im Programmheft. Gelegenheiten, die Darsteller gebührend zu loben, boten sich anschließend bei Weihnachtsgrüßen vor der Kirche oder beim Glühwein im Gemeinderaum.