"Nur mit mehr Impfstoff kann das diffuse Corona-Ausbruchsgeschehen in Coburg Stadt und Land wirksam eingedämmt werden!" - so ist eine Resolution überschrieben, die am Donnerstag vom Stadtrat beschlossen wurde. Adressat ist die bayerische Staatsregierung. Diese möge, wie es in der Resolution heißt, Sonderkontingente an Impfserum für alle Altersgruppen zu Verfügung stellen - so, wie dies zuletzt in ähnlich gelagerten Fällen in Ostoberfranken oder entlang der bayerisch-tschechischen Grenze erfolgt sei. Denn seit Tagen sei es jetzt das Coburger Land, das die bundesweit höchsten Inzidenzwerte aufweist. Demgegenüber stehe eine zum Teil deutlich geringere Impfquote im Coburger Land von 35,8 Prozent Erstimpfungen sowie 9,9 Prozent Zweitimpfungen (Stand: Dienstag, 18. Mai). Zum Vergleich: Bundesweit lagen diese Quoten zum selben Zeitpunkt bei 38,1 und 11,9 Prozent, in Bayern bei 39,2 und 11,1 Prozent).

Weil die überdurchschnittlich hohen Infektionswerte auf kein spezifisches Ausbruchsgeschehen zurückgeführt werden könnten, könne eine wirksame Gegenstrategie nur auf zwei Säulen aufgebaut werden, wie in der Resolution dargelegt wird. Erstens: "Besondere Achtsamkeit in der Bevölkerung mit weitgehender Reduzierung von Kontakten." Und Zweitens: Eine "deutliche Steigerung der Impfquote mit Sonderzuweisungen an Impfserum".

Die Resolution wurde einstimmig beschlossen. Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) dankte den Stadträten für dieses "geschlossene Signal".

Jürgen Heeb (Pro Coburg) beschrieb die Corona-Lage ansonsten mit Worten, wie sie bei der Feuerwehr üblich sind: "Wir haben Feuer in Coburg! Aber wir brauchen jetzt nicht mehr Schlauch, sondern mehr Wasser." Das durfte als Anspielung darauf verstanden werden, dass der Landtagsabgeordnete Martin Mittag (CSU) jüngst ein weiteres Impfzentrum für Coburg gefordert hat. Doch viel wichtiger als ein weiteres Impfzentrum, so die Kritik, wäre weiterer Impfstoff.

Die Resolution im Wortlaut:

Das Corona-Ausbruchsgeschehen in Stadt und Landkreis Coburg liegt mit einer 7-Tages-Inzidenz am 20.05.2021 von 177,7 (Stadt Coburg) bzw. 140,6 (Landkreis Coburg) deutlich über dem Durchschnitt im Freistaat Bayern bzw. bundesweit von ca. 68. Demgegenüber steht eine zum Teil deutlich geringere Impfquote im Coburger Land (35,8 Prozent Erstimpfungen bzw. 9,9 Prozent Zweitimpfungen, Stand 18.05.2020) als um Bundes- und Landesdurchschnitt (Bund: 38,1/11,9 Prozent; Freistaat Bayern 39,2/11,1 Prozent). Diese überdurchschnittlich hohen Infektionswerte im Coburger Land lassen sich nach Einschätzung des staatlichen Gesundheitsamtes Coburg nicht auf spezifische Ausbruchsgeschehen zurückführen. Weder sind spezielle Altersgruppen noch bestimmte Gesellschaftsgruppen besonders auffällig. Ausbrüche betreffen zumeist ganzen Haushalte bzw. Familienverbünde, was auf die vorherrschende hochansteckende britische Variante des Corona-Virus zurückzuführen ist. Ansteckungen erfolgen dabei sowohl im Umfeld von Kita bzw. Schule oder Arbeitswelt als auch im privaten Bereich, wobei auch hier keine auffälligen Cluster in einzelnen Einrichtungen oder Betrieben zu verzeichnen sind.

Insofern kann eine wirksame Gegenstrategie nur auf zwei Säulen aufgebaut werden:

1. Besondere Achtsamkeit in der Bevölkerung mit weitgehender Reduzierung von Kontakten. Hierzu erfolgte in der vergangenen Woche ein erneuter Aufruf des Oberbürgermeisters der Stadt Coburg an die Bevölkerung in Verbindung mit einer breit angelegten Informationskampagne in den Sozialen Medien und im Lokalradio.

2. Deutliche Steigerung der Impfquote mit Sonderzuweisungen an Impfserum Das gemeinsame Impfzentrum von Stadt und Landkreis Coburg in Ahorn-Witzmannsberg mit seiner Impfstation in Coburg arbeitet hocheffizient und kann von seinen strukturellen und personellen Voraussetzungen täglich rund 1.000 Impfungen durchführen. Das im Impfzentrum beschäftigte Personal sowie die Unterstützungskräfte der Bundeswehr könnten die Impfquote deutlich erhöhen, wenn ausreichend Impfstoff zur Verfügung stünde. Zuletzt konnte an mehreren Tagen wiederholt ausschließlich aufgrund von fehlendem Impfstoff kein Impfbetrieb stattfinden. Gleiches gilt z.T. für die Ärzteschaft im Coburger Land.

Der Stadtrat zu Coburg appelliert daher an die Bayerische Staatsregierung und insbesondere an den Bayerischen Staatsminister für Gesundheit und Pflege, MdL Klaus Holetschek, der Region Coburg vor dem Hintergrund des aktuell vorherrschenden diffusen Ausbruchsgeschehens an der Schnittstelle zum Hochinzidenzgebiet Südthüringen und der überdurchschnittlich hohen Inzidenzwerte vor Ort Sonderkontingente an Impfserum für alle Altersgruppen zur Verfügung zu stellen, wie dies zuletzt in ähnlich gelagerten Fällen in Ostoberfranken oder entlang der bayerisch-tschechischen Grenze erfolgt ist. Die Entscheidung, die Region in den kommenden vier Wochen mit einem Sonderkontingent von 1.000 Impfdosen pro Woche zu unterstützen, ist zu begrüßen und stellt einen Schritt in die richtige Richtung dar, wenn diese Zusagen auch eingehalten werden.

Die Forderung nach weiteren Zusatzkontingenten an Impfstoff für die Region Coburg - sowohl für das Impfzentrum als auch für die Ärzteschaft - ist insbesondere auch deshalb berechtigt, weil Stadt und Landkreis Coburg im prozentualen Vergleich mit anderen Impfzentren bislang deutlich schlechter ausgestattet worden sind. Die z.B. in Ostoberfranken höchst wirksame Strategie der Sonderzuweisungen von Impfdosen - in der Region Hof konnte die Inzidenz dadurch bereits auf deutlich unter 100 (Landkreis) bzw. rund 100 (Stadt) gesenkt werden - sollte nun auch im Coburger Land praktiziert werden.

Gleichzeitig müssen insbesondere bei außergewöhnlichen Infektionsentwicklungen flexible Handlungsspielräume in der Zusammenarbeit zwischen Impfzentrum und Ärzteschaft eröffnet werden, um den tatsächlichen Erfolg der Impfkampagne sicherzustellen. Grundsätzlich muss sich die Verteilung von Impfstoff für die Ärzteschaft an den Bevölkerungszahlen in den jeweiligen Regionen orientieren und nicht an der Zahl besetzter Arztsitze. Denn sonst droht erneut eine Benachteiligung insbesondere von ländlichen Regionen, in denen es um die (haus-)ärztliche Versorgung grundsätzlich schlechter bestellt ist als in Ballungszentren. Auch hiervon ist das Coburger Land stark betroffen, so dass ein weiteres Ungleichgewicht bei der Zuteilung von Impfstoff entsteht.

Der Stadtrat zu Coburg appelliert an die verantwortlichen Stellen der Bayerischen Staatsregierung wie der Bundesregierung, kurzfristig wieder klare, konkrete und vor allem verlässliche Rahmenbedingungen und damit Planungssicherheit für den Fortgang der Impfkampagne sicherzustellen. Die zuletzt nahezu stündlich neuen Vorgaben und Regelungen der übergeordneten Behörden stehen hierzu im Gegensatz und haben leider zu einer Verunsicherung der Bürgerinnen und Bürger sowie aller Akteure im Corona-Management geführt. Insbesondere bei einem so sensiblen Thema wie den Corona-Schutzimpfungen braucht es vor allem Verlässlichkeit und Besonnenheit.

Der Stadtrat zu Coburg bittet alle politischen Verantwortungsträger in Stadt und Landkreis sowie den Städten und Gemeinden im Coburger Land - insbesondere die Vertreter der Region im Bayerischen Landtag - um uneingeschränkte Unterstützung dieser Resolution."