Es ist ein Szenario, das man sich gar nicht vorstellen mag: Man schreckt nachts im Bett von einem ungewohnten Geräusch hoch. Einbrecher! Fremde stolpern im Dunkeln im Haus herum oder - noch viel schlimmer - stehen direkt vorm Bett und leuchten dir mit der Taschenlampe in die Augen... Das komme nicht oft vor, aber es komme vor, sagt der Pressesprecher der Polizeiinspektion Coburg, Markus Reißenberger. 20 bis 30 Einbrüche gebe es im Bereich der PI Coburg jährlich, aber ein Trend nach oben sei - entgegen der Kriminalstatistik, die Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich heute vorstellt - in Coburg nicht zu erkennen.

Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland ist 2012 um fast neun Prozent gestiegen.
Ist für Coburg ein ähnlicher Trend festzustellen?

Markus Reißenberger Die Fallzahlen bei der Polizeiinspektion Coburg sind so klein, dass sich gar kein Trend erkennen lässt. Im gesamten Zuständigkeitsbereich, also in der Stadt und in großen Teilen des Landkreises Coburg, schwankt die Zahl der Wohnungseinbrüche in den letzten fünf Jahren um die 20 bis 30 Fälle jährlich. Das geht mal rauf, mal runter. In den letzten drei Jahren waren die Einbrüche sogar rückläufig - von 33 auf 21 Fälle. Im Stadtgebiet gab es in den letzten fünf Jahren zwischen 11 und 17 Wohnungseinbrüche. Auch hier lässt sich keine signifikante Steigerung erkennen.

Sind dabei eher Häuser das Ziel der Einbrecher oder Wohnungen?
Speziell in der letzten Zeit waren es eher freistehende Einfamilienhäuser als Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. In unserer Statistik wird dazwischen allerdings nicht unterschieden.

Wie schätzen Sie die Einbruchs-Sicherheit der Coburger Wohnungen und Häuser ein?
Laut unseren Fachermittlern sind in letzter Zeit einige Wohnungen und Häuser angegangen worden, die gut gesichert waren. Wir waren gerade erst bei einem Haus, das die Einbrecher trotz massiver Gewalt nicht aufbekommen haben. Auf der anderen Seite kommen wir öfter mal zu Gebäuden, die vorn mit einer einbruchhemmenden Haustür für mehrere Tausend Euro ausgestattet sind, aber wenn man ums Haus herumgeht, findet man dann eine Kellertür mit Bartschloss und Einfachverglasung. Es braucht also schon ein Mindestmaß an Schutz für das gesamte Haus.

Sie bieten speziell dazu eine individuelle Beratung an - nutzen die Coburger dieses Angebot?
Ja, die Beratungsstelle der Kripo bei uns im Haus (siehe Bericht unten) wird gut genutzt. Die Kripo bietet eine Gesamtschau an, von den Schlössern bis hin zu den Rost-Abdeckungen für Kellerschächte. Das Angebot ist kostenlos und wir machen bei der Beratung keine Werbung für bestimmte Hersteller von Sicherheitstechnik. Wir zeigen nur Lösungsansätze auf.

Warum ist es im Vergleich zu anderen Straftaten so schwierig, Einbrüche aufzuklären?
Es ist deshalb so schwierig, weil es sich meist um reisende Tätergruppen handelt, die sich immer nur sehr kurz in der Umgebung des Tatorts aufhalten. Das heißt, sie flüchten vielleicht nicht nur aus der Stadt Coburg in den Landkreis, sondern sie verlassen das Bundesland oder sogar gleich die Bundesrepublik. Außerdem kommen die Gruppen häufig in wechselnder personeller Besetzung und geben sich größte Mühe, keinerlei Spuren zu hinterlassen. Sie tragen nicht nur Handschuhe, sondern versuchen auch, keine Rückstände am Tatort zurückzulassen, Zigarettenstummel etwa oder Blut, wenn sich ein Täter beim Einbruch verletzt hat. Das macht es uns ganz schwer, überhaupt Spuren zu finden. Und selbst wenn wir einen Fingerabdruck haben, führt der nur dann zum Erfolg, wenn der Einbrecher vorher schon einmal erkennungsdienstlich behandelt wurde. Oft sind die Einbrecher aber noch gar nicht erfasst.

Der Weiße Ring weist auf die seelischen Folgen für Opfer von Einbrüchen hin. Gibt es bei der Coburger Polizei eine spezielle Betreuung der Opfer nach Einbrüchen?
Die Polizei hat keine eigene Opferberatung, aber wir stellen schon fest, dass Personen, die Opfer eines Einbruchs wurden, Hilfe benötigen. Zum einen sind das Bewohner, die morgens aufwachen und feststellen müssen, dass nachts jemand in ihrer Wohnung gewesen ist und beispielsweise die Geldbörse mitgenommen hat. Da ist man schon sehr erschrocken. Noch schlimmer ist der Fall, wenn man nachts aufschreckt und in die Taschenlampe des Einbrechers blickt, also direkt mit dem Täter konfrontiert ist. Das passiert zwar nicht oft, aber es passiert. In der Regel geht so etwas glimpflich ab und die Einbrecher verschwinden, wenn sie ertappt werden. Aber für die Opfer ist das ganz schlimm. Manche brauchen hinterher sogar ärztliche Betreuung. Der Weiße Ring leistet dabei sehr gute Arbeit.