Waldemar Strzelec - ein ehemaliger polnischer Nationaltorhüter hilft ab sofort dem HSC 2000 Coburg, um in der 3. Liga Süd auf Aufstiegskurs bleiben zu können. Mit dieser Nachricht überraschte der Coburger Handballverein am Wochenende seine vielen Fans.
Nach dem Handbruch der Nummer Eins, Oliver Krechel, habe Trainer Jan Gorr seine Beziehungen spielen lassen und den 45-jährigen "Oldie" zu einem Comeback überredet. "Waldemar hat so viel Erfahrung, die für Howie und Jonas Faber sehr wertvoll sein wird", heißt es in einer offiziellen Pressemitteilung.
Eines muss man den Verantwortlichen des Drittligisten lassen, sie haben rasend schnell und auf den ersten Blick sogar adäquat reagiert. "Verkauft" haben sie diese "Nacht-und-Nebel-Aktion" sogar erstklassig. Welcher Drittligisten ist mitten in der Saison schon in der Lage, auf eine Verletzung prompt zu handeln?
Die Coburger haben nicht nur die finanziellen Mittel, sondern vor allem dank ihres Cheftrainers auch die Beziehungen dazu.
Das Salär des Polen wird sich auch in Grenzen halten, schließlich hilft der Torsteher nur einige Wochen bis zur vollständigen Genesung Krechels aus. Doch ganz ohne den einen oder anderen zusätzlichen Euro wird das Engagement Strzelecs am Ende sicher auch nicht verbucht werden können.
Die Erfolge des 1,95 Meter großen Torwarts, der bei Slawsk Wroclaw seine Karriere begann, dann zunächst nach Pogon Zabrze wechselte, ehe er den Weg nach Deutschland fand, sprechen zweifelsohne für sich. Sein Können zwischen den Pfosten, das er zunächst beim VfL Fredenbeck, später von 1998 bis 2006 bei der HSG Wetzlar unter Beweis stellte, ehe er für drei Jahre zum TV Hüttenberg wechselte, sind auch unbestritten. Trotzdem ist die Verpflichtung Strzelec, der insgesamt sogar 20 Länderspiele für Polen absolvierte und unter Gorr in der 1. Bundesliga bei Hüttenberg Co-Trainer war, nicht ganz unumstritten.
Die Meinung zu dieser Personalie gehen jedenfalls auseinander, sogar intern kommen Zweifel auf. Die Initiatoren und Befürworter sprechen von einem "absoluten Glücksfall". Die Verpflichtung des Polen sei vor allem auch vor dem Hintergrund, dass die 2. Mannschaft in der Bayernliga um den Klassenerhalt kämpft und im Dezember wichtige Spiele zu bestreiten hat, eine "dringend notwendige Maßnahme in einer Notsituation" gewesen.
Kritiker bezeichnen die Personalie dagegen als "unnötigen Schnellschuss", der ein Schlag ins Gesicht der gewissenhaften Jugendarbeit sei. Das Geld für die anfallenden Unkosten hätte der Verein besser in die Nachwuchsförderung stecken sollen.

Als Torwarttrainer beim HSC

Dem Betroffenen kann diese Diskussion egal sein. Waldemar Strzelec, der in dieser Saison schon das Torwart-Training für die Olli Krechel, Howie Martinsen und Jonas Faber übernahm, zögerte nur kurz und sicherte dem HSC seine sofortige Unterstützung zu: "Eigentlich hatte ich nicht mehr vor in das Tor zurückzukehren. Aber zwei Gründe haben für diese Sache gesprochen. Zum einen ist das für mich ein Freundschaftsdienst Jan Gorr gegenüber und zum anderen habe ich die Mannschaft beim Training kennengelernt und möchte den Jungs so gut helfen, wie es mir möglich ist. Außerdem habe ich schon viele Spiele gegen Coburg in der alten Halle bestritten, und dabei war ich jedes Mal von den begeisterungsfähigen Fans beeindruckt. Jetzt freut es mich auch mal das HSC-Trikot überzustreifen."
Bereits in seinem ersten Spiel zeigte der coole Pole sein Können. Im Spiel in Heilbronn parierte er, wie bereits gemeldet, in der zweiten Hälfte einen Strafwurf.

"Feuerwehrmann" in Lemgo

Vor fünf Jahren sammelte Strzelec bereits schon einmal Erfahrungen als "Feuerwehrmann", als er beim Erstligisten TBV Lemgo kurzfristig für ein paar Wochen als Interimstorwart einsprang. Jetzt soll er dem HSC also solange aushelfen, bis Krechel wieder einsatzbereit ist. Und das ist vermutlich spätestens zum Rückrundenstart Ende Januar 2014 der Fall.