Bekommt die Stadt einen Ruheforst? Mit dieser Frage will sich der Stadtrat in seiner Sitzung im November ausführlich beschäftigen. Vorab nahm der Bauausschuss ein mögliches Gelände in Augenschein.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte Moritz von Butler, der die Idee an Bürgermeister Tobias Ehrlicher (SPD) herangetragen hatte. Möglich wäre der Ruheforst in Heldritt. Die Familie von Butler würde hierfür eine etwa zehn Hektar große Waldfläche zur Verfügung stellen. Die Mitglieder des Bauausschusses sahen sich das Gebiet an und Moritz von Butler erläuterte hierbei, dass der Wald Bäume beheimate, die den Dreißigjährigen Krieg erlebt hätten. Das Waldgebiet zwischen Heldritt und Grattstadt beschrieb von Butler als "eine Naturschutzzone". Wenn sich die Stadt für die Einrichtung eines Ruheforsts entscheide, müsste das Areal für 99 Jahre an die Stadt übergeben werden. Bürgermeister Tobias Ehrlicher meinte, die Frage der Zufahrt müsse noch geklärt werden. Der bisher vorhandene Weg sei als Zufahrtsstraße nicht geeignet.

Da passte es, dass auf der Tagesordnung auch der Punkt "Grundsatzentscheidung Kernwegebau" stand. Um hier zu einer Entscheidung zu kommen, nahm das Gremium die Wege Gauerstadt - Breitenau, Gauerstadt - Niederndorf, Sülzfeld - Schlettach und Heldritt - Lempertshausen in Augenschein. Bürgermeister Ehrlicher forderte von den Stadträten einen klaren Auftrag, wo ein Ausbau und ein damit einhergehender Grunderwerb erfolgen soll. "Wir müssen klare Prioritäten setzen und die Fragen beantworten: Was ist uns was wert und was können wir uns leisten?", betonte Ehrlicher.

Appell des Bürgermeisters verpufft

Unmissverständlich brachte er zum Ausdruck, dass dort Straßen nicht ausgebaut würden, wenn es beim notwendigen Grundstückserwerb Probleme gebe. Sein Appell an die Stadträte war, der Verwaltung klar aufzuzeigen, wohin die Reise gehen soll. Aber das verpuffte. Denn das Gremium zeigte im Sitzungssaal des Jagdschlosses keinen Willen, hier zu einer Entscheidung zu kommen. Vielmehr verzettelte man sich im Austausch von Argumenten und Nachfragen. Klaus Geuther (SBB) verwies auf die seiner Meinung nach klare Gesetzeslage, wonach die Stadt keine Spielräume habe, wie eine Straße zu klassifizieren sei. Geuther begründete seine ablehnende Haltung gegenüber einem Grundsatzbeschluss mit den Worten: "Ich will eine gesetzwidrige Entscheidung verhindern."

Ohne dass es zu einer Abstimmung gekommen war, nahm der Bürgermeister den Auftrag mit, Kosten der geplanten Maßnahmen zu ermitteln und die im Raum stehende rechtliche Betrachtung zu klären. Dass Tobias Ehrlicher mit dem Ausgang dieses Tagesordnungspunktes alles andere als zufrieden war, dokumentierten seine Worte: "Ich habe das Ganze als Chance gesehen."

Im kommenden Jahr wird der zweite Bauabschnitt des Ausbaus der Heldritter Straße angegangen. Gunter Bähr (FW) geht davon aus, dass der innerörtliche Verkehr durch die schmale Straße Schmückerwiese zunehmen werde, da dies dann der einzige Weg sei, das Wohngebiet Draesekestraße zu erreichen. Er stellte daher den Antrag, den Geh- und Radweg zwischen der Straße Schmückerwiese und der Ringstraße zu öffnen. Ein Beschluss wurde auch hier nicht gefällt. Die Stadträte hatten zwar eine Ortsbesichtigung unternommen, vertagten aber eine Entscheidung.

Dass der Bauausschuss auch schnelle Entscheidungen treffen kann, bewies er, als der Antrag einer Start- und Landeerlaubnis für Gleitschirme in der Gemarkung Oettingshausen durchgewunken wurde.