Über gefrorene Wiesen und Felder "eroberten" rund 300 Mupperger Bürger am Vorabend des 1. Advent 1989 ihre vollkommen überraschte Nachbargemeinde. Nachdem die Tore im Grenzzaun geöffnet waren und die Glocken der Heilig-Geist-Kirche geläutet hatten, ging es unter klingendem Spiel der Blaskapelle Mupperg "in Richtung Westen". Das berichtet die von Walter Friedrich geführte Chronik des 1069 als Muggiburg erstmals erwähnten Ortes. Ein Vierteljahrhundert später setzte sich nun an der thüringisch-bayerischen Landesgrenze wieder ein Menschenzug in Bewegung - diesmal allerdings in entgegengesetzte Richtung. Wieder unter Glockengeläut und wieder mit Marschmusik und aktiven Bläsern, die ebenso wie viele Bürger schon 1989 dabei waren, als die mehr als 40 Jahre trennende Grenze unerwartet durchlässig geworden war. Mit dabei waren Politiker, Bürgermeister und Seelsorger.
Zur Gedenkveranstaltung vereinten sich Einwohner der benachbarten Kommunen im Gemeinschaftssaal des Mupperger Gasthauses "Roter Ochse". Bewirtet wurden sie von Helfern des Feuerwehrvereins.
In Festreden zum Gedenktag wurde dankbar an die Ereignisse und Auswirkungen der friedlichen Revolution erinnert. Föritz' Bürgermeister Roland Rosenbauer erinnerte an die seit den 60er Jahren Schritt für Schritt immer weiter ausgebauten Grenzanlagen, an Schießbefehl, Minenfelder und Sperrzone, aber auch an zerrissene Familienbande, Zwangsumsiedlung, Einschüchterung und persönliche Schikanen. "Im Herbst 1989 lag was in der Luft, das spürte man", sagte Rosenbauer. Am Beginn der Adventszeit wurde das Gerücht, das sich wie ein Lauffeuer ausgebreitet hatte, zur Gewissheit: Grenzkompaniechef Andreas Kott und Bürgermeister Gerhard Schramm (beide saßen am Tisch der Ehrengäste) öffneten die Grenztore. Auf bayerischer Seite gelang es dem Neustadter Polizeichef Pücka nicht, die Menschenlawine zu stoppen, was er mit "Da geht in Gottes Namen" quittierte.

Mut der Bevölkerung gelobt

Gedanken zweier Familien, die Ereignisse um die Grenzöffnung und wiedergewonnene Freiheiten, prosaisch als Wunder beschrieben, rückte Landtagsabgeordnete Beate Meißner in den Mittelpunkt. Sie lobte den 1989 bewiesenen Mut der Bevölkerung, durch entschlossenen Einsatz den Weg der Jugend in eine bessere Zukunft zu ebnen.
Von den DDR-Behörden zwangsumgesiedelt waren die aus Mogger stammenden Eltern von Mario Voigt, heute CDU-Generalsekretär und Landtagsabgeordneter in Erfurt. "Die Hälfte der 1200 Kilometer Zonengrenze beeinflusste das Leben in Thüringen. Familien wurden getrennt, Menschen verändert. Die Erinnerung muss wach gehalten werden", führte Vogt aus, der Mauer und Zaun als 13-Jähriger hinter sich ließ. Grenzöffnung, Mauerfall und friedlichen Umbruch lobte der Abgeordnete als Glücksfall für die ganze Generation.
Auf einer Dienstreise in Italien hatte Coburgs stellvertretender Landrat Rainer Mattern von den Ereignissen in seiner Heimat, beiderseits der unmenschlichen und ungerechten innerdeutschen Grenze, erfahren.
"Ich bin nie mehr von so vielen dankbaren Frauen so oft geküsst worden", scherzte Neustadts stellvertretender Bürgermeister Martin Stingl.