Den Ansprüchen an einen modernen und kundenfreundlichen Supermarkt wird das Gebäude der Edeka-Filiale in der Schleusinger Straße offensichtlich nicht mehr gerecht. Aus diesem Grund will die Edeka-Grundstücksgesellschaft Nordbayern-Sachsen-Thüringen auf einem 9000 Quadratmeter großen Areal auf der gegenüberliegenden Seite (Hildburghäuser Straße) ein neues Gebäude mit einer Gesamtverkaufsfläche von 1700 Quadratmetern errichten. Der Stadtrat hatte in seiner jüngsten Sitzung über einen entsprechend Antrag des Investors, der MIBEG Development GmbH, Bad Soden, zu entscheiden.

Walter Ruppel (MIBEG) erläuterte hierzu, dass sich der neue Markt auf 1200 Quadratmeter Lebensmittel- und 500 Quadratmeter Getränkehandel aufteilt. Im Bereich des Lebensmittelmarktes soll zudem eine 200 Quadratmeter große Fläche für Drogeriebedarf abgestellt werden. Den Planunterlagen war zu entnehmen, dass eine Parkfläche für 133 Fahrzeuge vorgesehen ist. Dass der Antrag nicht einfach durchgewunken wird, war ab dem Moment klar, als Bürgermeister Tobias Ehrlicher (SPD) schon vor einem Meinungstausch seine Haltung klar machte: "Aus Sicht der Verwaltung ist der Antrag abzulehnen." Hauptkritikpunkt war für ihn, dass für die Verwendung des bisherigen Gebäudes in der Schleusinger Straße kein gesichertes Konzept vorliegt. Zwar verwies Walter Ruppel darauf, dass man mit der Firma Günther Elektrotechnik, Bad Rodach, und der Michael Pertsch GmbH, Heldritt, zwei Handwerksbetriebe gefunden habe, die deutlich ihre Absicht erklärt hätten, das Gebäude nutzen zu wollen. Eine reine Absichtserklärung war Bürgermeister Ehrlicher aber zu wenig.

"Ich will verhindern, dass wir am Stadteingang eine Bauruine stehen haben", erläuterte er seine ablehnende Haltung.

Er betonte deutlich, dass man Edeka in der Kurstadt halten wolle, aber es hätten sich auch andere Wege gefunden. Dem pflichtete Rainer Möbus (ZKF) bei. Er zeigte sich enttäuscht, dass Vorschläge der Stadt beim Bauherrn "abgeprallt" seien. Deutlich machte Martin Schedel (Edeka) auf Anfrage von Werner Zoufal (Grüne/offener Kreis), dass ein Abriss und ein Neubau an gleicher Stelle für das Unternehmen nicht infrage komme. "Wir würden unserer Kauffrau, die den Markt betreibt, die Existenzgrundlage nehmen", betonte Schedel und führte auch topografische und marktpolitische Erwägungen für einen Neubau an anderer Stelle auf.

Was passiert, wenn der Stadtrat dem Antrag nicht zustimmt? Diese im Raum stehende Frage ließ Schedel unbeantwortet. Zweiter Bürgermeister Ernst-Wilhelm Geiling machte dem Gremium deutlich, welch große Fläche hier versiegelt werden soll. Matthias Thumser (ÖDP) bezeichnete eine Nutzung des bisherigen Gebäudes durch einen Handwerkerpool als "vorbildlich". Moritz Regenspurger (CSU) sagte, dass der Stadtrat bei einem positiven Beschluss gleich drei Betrieben die Möglichkeit gäbe, sich in Bad Rodach weiterzuentwickeln. Stephan Schink (CSU) ergänzte, dass es bei der Diskussion auch um 50 Arbeitsplätze gehe. Der Stadtrat weiter: "Was wäre es für ein Signal für den Wirtschaftsstandort Bad Rodach, wenn wir den Antrag ablehnen würden?" Schink prophezeite, dass es fatale Folgen für die Kurstadt haben werde, wenn der Antrag abgelehnt würde. Christoph Herold (CSU) meinte, dass es sich um eine richtungsweisende Entscheidung für Bad Rodach handele, wenn die Stadt den Antrag befürworte. Moritz von Butler (CSU) sagte: "Es geht darum, einen Startschuss zu geben. Wichtig ist für mich, dass die Stadt das Verfahren jederzeit wieder stoppen kann, sollten sich die Bedenken gegen eine Weiternutzung des vorhandenen Gebäudes bewahrheiten."

14 Ja-Stimmen

Den Antrag lehnte neben Bürgermeister Tobias Ehrlicher und Werner Zoufal auch die Fraktion der Freien Wähler (Ernst-Wilhelm Geiling, Bernd Werner, Gunter Bähr, Gisela Roos) ab. Für das Verfahren stimmten die restlichen 14 anwesenden Stadtratsmitglieder. Seitens der Planer geht man davon aus, dass der neue Markt Anfang/Mitte 2023 öffnen kann.

Bekanntgegeben wurde in der Sitzung, dass im Zuge des Ausbaus der Heldritter Straße, der ab kommenden Montag beginnt, die Coburger Straße im dortigen Einmündungsbereich für etwa zwei Wochen gesperrt werden muss.

Keine große Veranstaltung

Über die Art und Weise von öffentlichen Veranstaltungen in Corona-Zeiten macht man sich auch bei der Stadt Bad Rodach Gedanken. So wird es, was die Fränkische Weihnacht angeht, keine zentrale Veranstaltung wie bisher geben. Das wurde bei der Stadtratssitzung am Mittwoch bekanntgegeben. Die Stadt plant, das Traditionsereignis "auseinanderzuziehen", um so von einer Großveranstaltung mehrere kleinere anzubieten. Ob dies sich umsetzen lässt, bleibe abzuwarten, sagte Bürgermeister Tobias Ehrlicher, das hänge von der Entwicklung der Corona-Zahlen ab. Was den Volkstrauertag betrifft, so soll es hier eine zentrale Veranstaltung in Form eines Friedensgebetes in der Johanniskirche geben. Als Redner konnte Ruprecht von Butler gewonnen werden.

Kein Geld zurück

Im Februar 2020 wurde der Bahnübergang in Schweighof mit Halbschranken versehen. Nach damals geltendem Recht musste die Kurstadt einen Eigenanteil von rund 60000 Euro leisten. Am 3. März wurde das Eisenbahnkreuzungsgesetz mit der Folge geändert, dass sich die Kommunen nicht mehr an den Kosten eines Ausbaus von Bahnübergängen beteiligen müssen. Eine Anfrage von Bürgermeister Ehrlicher, ob die Stadt geleistete Zahlungen zurückerhalten könne, sei negativ beantwortet worden. Für Ehrlicher ist dies umso ärgerlicher, als die Bahn acht Jahre gebraucht hat, um das Projekt umzusetzen. Kein Pappenstiel ist die Kreisumlage in Höhe von 3,554 Millionen Euro, die die Stadt an den Landkreis Coburg überweisen muss.

Weiteres Thema der Sitzung: Nach neuesten Erhebungen ist in Heldritt der Bedarf für einen dreigruppigen Kindergarten gegeben. Gespräche mit dem BRK als Träger laufen. Es muss jetzt auf Förderzusagen gewartet werden.

Nur noch schriftlich

Anfang 2019 sollte die Tagespflege der Diakonie Coburg in der Heldburger Straße in Betrieb gehen. Eine Eröffnung steht heute noch in den Sternen. Die Stadt hatte damals eine Defizitübernahme in den ersten zwei Jahren von 25000 Euro zugesagt. Nachdem die Einrichtung nicht wie geplant eröffnet wurde, sieht sich Bürgermeister Tobias Ehrlicher nicht mehr an die Zusage gebunden. Außerdem werde er mit der Diakonie nur noch schriftlich korrespondieren, da mündliche Zusagen permanent nicht eingehalten würden.

Bebauungsplan "Kurgebiet"

Zwischen Heldburger Straße und Thermalbadstraße soll ein Baugebiet für etwa 100 Wohnungen beziehungsweise Dienstleistungsgewerbe entstehen. Gewürdigt wurden die Hinweise und Einwendungen der Träger öffentlicher Belange, so dass eine zweite Auslegung erfolgen kann.