Schnell vor der Arbeit noch ein paar Bahnen im Freibad schwimmen - die Öffnungszeiten des Coburger Aquaria, morgens ab 8 Uhr sind dazu eigentlich ideal, findet die Coburgerin Jessica Heß. Doch am vergangenen Montag stand sie, wie schon einige Male in der letzten Zeit, vor verschlossenen Türen. Per Aushang wurden die Badegäste informiert, dass das Freibad erst um 13 Uhr öffne.
Als Grund sei das in der Vorhersage angekündigte "schlechte Wetter" genannt worden, berichtet Jessica Heß dem Tageblatt. "Dabei war das Wetter am Montag doch in Ordnung", findet sie. Gemeinsam mit der Coburgerin hätten auch noch andere Schwimmer vor der verschlossenen Tür gestanden. Ins Hallenbad konnte das Grüppchen nicht ausweichen, denn das öffnet im Sommer montags auch immer erst um 13 Uhr. Letztes Jahr habe das Aquaria damit angefangen, das Freibad ab und an erst im Laufe des Tages und nicht zu den bekannten Zeiten zu öffnen, sagt Jessica Heß.
Aquaria-Betriebsleiter Jörn Pakoßnick-Kirchner bestätigt das dem Tageblatt auf Anfrage. Tatsächlich seien im vergangenen Jahr strengere interne Regeln eingeführt worden, die unter anderem die sogenannten "Schließtage" zur Folge haben. "Wir machen das von der Wettervorhersage abhängig", erklärt Pakoßnick-Kirchner. Wenn zum Beispiel Regen oder gar Gewitter angesagt ist und wenn die Temperaturen unterhalb der 20-Grad-Marke liegen, dann hält sich der Besucherandrang erfahrungsgemäß in Grenzen. Mit den neuen Richtlinien will man im Aquaria darauf reagieren, zumal im Moment aus verschiedenen Gründen auch noch "Personalnot" herrsche, wie Pakoßnick-Kirchner berichtet.
Wann das Freibad geöffnet wird, lege er mit seinen Mitarbeitern drei Tage im Voraus fest, "denn wir müssen ja auch unser Personal vorab planen", sagt Pakoßnick-Kirchner. Eine gewisse Unsicherheit, weil die Wettervorhersage selten zu 100 Prozent eintritt, ist einkalkuliert. Wenn die Mitarbeiter zum Beispiel am Freitag für Montag mit schlechtem Wetter gerechnet und deshalb die Öffnungszeiten geändert haben, ist es schwierig bis unmöglich, die Mitarbeiter am Montagfrüh spontan an den Arbeitsplatz zu holen - selbst wenn dann doch die Sonne vom wolkenlosen Himmel lacht.
Dass dieses Prozedere bei einigen Badegästen für Unmut sorgt, ist dem Aquaria-Chef natürlich bewusst, nicht zuletzt, weil sich Jessica Heß bereits an ihn gewandt hat. "Aber wir schließen ja nicht, weil wir keine Lust haben, zu arbeiten", betont er. Zudem werde die Änderung den Badegästen vorher auf diversen Kanälen angekündigt - "per Aushang im Bad, auf unserer Homepage und auf unserer Facebook-Seite", sagt Pakoßnick-Kirchner.
Jessica Heß bezweifelt, dass das praktikabel ist und die Nachricht bei allen Badegästen ankommt. Vergangenen Montag habe sie zum Beispiel weder auf Facebook noch auf der Homepage vorab einen Hinweis finden können. Zudem seien viele der morgendlichen Schwimmer bereits Rentner "und gerade die älteren Badegäste nutzen doch kein Facebook", vermutet die Coburgerin. Das Argument des Aquaria-Chefs, dass das Freibad bei schlechterem Wetter zumindest nachmittags geöffnet sei, zieht bei Jessica Heß nicht. Wer - so wie sie - ganztägig berufstätig sei, finde nachmittags kaum Zeit, schwimmen zu gehen. "Wenn das Bad früh zu ist, ist es für viele durch - so verliert man doch noch den letzten Schwimmer."