Erst als die Eltern ihn warnten, er solle "seine Finger von ihrem Kind" lassen, und schließlich gar ein anwaltliches Umgangsverbot erließen, habe er sich von dem 13-jährigen Buben abgewandt, so formulierte es Staatsanwalt Philipp Karr in seinem gestrigen Plädoyer vor dem Landgericht Coburg. Karr sprach von einem "relativ geplanten Vorgehen" des 46-jährigen Angeklagten aus Coburg, der an einer frühkindlichen Hirnstörung leidet: Er habe den Jungen mit teuren Geschenken gelockt, um sich sexuell an ihm zu vergehen, sagte er.

Macht dem Richter zu schaffen
Die Geschenke, wie beispielsweise eine Playstation, die der Angeklagte seinem Opfer versprochen habe, habe sich die Familie des Jungen nicht leisten können. Den Vorsitzenden Richter am Landgericht, Gerhard Amend, ließ diese Tatsache nicht kalt: "Das hat mich emotional berührt", äußerte er sich nach dem Urteil.

In vier Fällen soll sich der gebürtige Bamberger, der eine Sonderschule besuchte, den Hauptschulabschluss machte, in einer behütenden Einrichtung eine Ausbildung zum Schlosser absolvierte und bis zur Tat in Coburg lebte, an dem Buben vergangen haben. Auch ein Video und eine Bilddatei, die er an den Jungen weitergeleitet haben soll, spielten dabei eine Rolle.

Dass sich der Mann weitestgehend geständig zeigte, sprach zu seinen Gunsten, ebenso wie seine "weiße Weste": Er hatte keinen Eintrag im Bundezentralregister und damit keine Vorstrafen. Dass er sich später allerdings an ein weiteres - 14-jähriges - Kind "herangemacht" habe, lastete Karr dem Mann an. Er sprach von einer "verminderter Steuerungsfähigkeit" beim Angeklagten. "Es sind erheblich weitere rechtswidrige Taten zu erwarten", sagte er.

"Die einzige Möglichkeit, ihn davon abzuhalten, ist die Anordnung der Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus."
Karr beantragte eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten.
Der Pflichtverteidiger des Coburgers betrachtete die Strafzumessung für seinen Mandanten als das "Kernproblem" der Verhandlung: Er hielt eine Strafe von zwei Jahren und drei Monaten für schuldangemessen. "Seine organische Psychose hat die Folge, dass der Angeklagte in einer Scheinwelt lebt", sagte er und betonte, dass der Mann, der zurzeit im Bezirksklinikum Bayreuth untergebracht ist, aus medizinischer Sicht in der Psychiatrie in Behandlung bleiben müsse.

Bereits am ersten Verhandlungstag erkannten die Richter, dass der Mann gerne "Geschichten" erzählt: Die mehrfache Aussage des 46-Jährigen, er habe lange Zeit bei einem renommierten Automobilzulieferer in Bamberg und Coburg gearbeitet, konnten weder sie noch die Staatsanwaltschaft verifizieren. "Wir haben dafür keinerlei Anhaltspunkte", erklärte Amend. Die "Geschichten" des Mannes seien Ausdruck seiner Persönlichkeitsstörung: "Er ist auch jetzt noch nicht in der Lage, Impulskontrollen durchzuführen."

Der Coburger habe die Neigung, sich junge Partner zu suchen. Die Gefahr bestehe bei diesem Krankheitsbild weiter, so Amend. In einem psychiatrischen Krankenhaus könne der Mann Mechanismen erlernen, sich besser zu kontrollieren und mit seiner Neigung umzugehen. "Nur so weit ist er noch nicht", befand der Richter.

Schuldig in vier Fällen
In vier Fällen wurde der Mann, der sich im Gerichtssaal bei seinem Opfer entschuldigte, des sexuellen Missbrauchs von Kindern für schuldig befunden. Die Gesamtfreiheitsstrafe lautete auf drei Jahre und Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Das Urteil ist rechtskräftig.