Brandgeruch liegt in der Luft, Trümmer auf dem Boden: Erneut wurde der Seßlacher Ortsteil Autenhausen von einem verheerenden Feuer heimgesucht.

Um 1.51 Uhr in der Nacht zum Donnerstag wird die Feuerwehr alarmiert. Als die Kräfte der Feuerwehren Merlach, Gemünda, Dietersdorf, Heldburg, Seßlach, Altenhof, Weitramsdorf und Autenhausen am Einsatzort ankommen, schlagen schon Flammen aus dem ehemaligen Sägewerk im Weißen Weg.

"Wir haben drei Wasserleitungen zu Bächen und Flüssen gelegt, dann löschten wir das Gebäude von allen Seiten" erklärt Kreisbrandinspektor Reinhard Hartung, der in der Nacht zum Brandort geeilt ist. Gegen 4 Uhr ist das Feuer bis auf Glutnester gelöscht, die Brandwache beendet am frühen Vormittag ihren Dienst.

Zurück bleiben die Brandfahnder sowie die nebenan wohnenden Besitzer des ehemaligen Sägewerks. Ihnen steht der Schock ins Gesicht geschrieben, sprechen möchten sie nicht.

Dafür schildern andere Bewohner des etwa 300 Einwohner zählenden Ortsteils die Situation, wenn auch anonym. "Ich bin kurz vor 2 Uhr durch die Sirene aufgewacht. Als ich aus dem Schlafzimmerfenster guckte, habe ich die Flammen gesehen", sagt eine Bewohnerin des benachbarten Neubaugebiets. Sie fürchte sich, denn der Ortsteil scheine das Feuer magisch anzuziehen.

Mehrere Feuer in kurzer Zeit

2013 brannte ein Wohnhaus in der Nähe des Sägewerks. Damals wurde ein technischer Defekt als Auslöser festgestellt. Am 27. August 2018 sorgte ein Alarm während des Schützenfests für Aufregung. Unmittelbar vor Beginn des Schützenumzugs ertönten die Sirenen. Der Einsatzort war das Sägewerk, das exakt zwei Jahren später den Flammen zum Opfer fiel.

Wenige Tage nach dem Feuer am Schützenfest-Wochenende, ereignete sich ein Feuer in einer benachbarten Maschinenhalle. Ende September verbrannten in einer Garage hochwertige Oldtimer, im November ging ein Holzhaufen in Flammen auf.

Vor zwei Jahren konnte der Brand am Sägewerk schnell gelöscht werden. Damals wurde ein Kurzschluss in der Elektrik als Brandursache in Betracht gezogen. Die weiteren Feuer wurden als Brandstiftung eingestuft. Deshalb richtete die Kriminalpolizei damals die Sonderkommission "Scheune" ein. Der oder die Täter wurden jedoch nicht geschnappt.

Doch seit Ende 2018 gab es keine weiteren Brände, der Ort kam etwas zur Ruhe. Bis zur gestrigen Nacht, wenige Tage nach dem eigentlich geplanten, aber wegen der Corona-Pandemie abgesagten Schützenfest.

Die Angst ist wieder da

Mit dem Feuer kehrt nun auch das Gefühl der Unsicherheit bei den Autenhausener Bürgern zurück. "Wir haben damals schon vermutet, dass es Brandstiftung ist", sagt ein Anwohner, der im Ort ein Haus mit Hof und Scheune besitzt.

Viele Menschen im Dorf hätten vor zwei Jahren Kameras auf ihren Grundstücken angebracht und ihre Versicherungen auf die Abdeckung von Brandschäden überprüft. "Meine Scheune habe ich früher offen gelassen. Seit 2018 schließe ich sie jeden Abend ab", sagt der Anwohner. Viele Vermutungen seien in der Zeit aufgestellt worden.

"Man braucht nicht hinter vorgehaltener Hand reden. Fast zwei Jahre war es ruhig, jetzt geht es wieder los. Das war Brandstiftung", sagt Kreisbrandinspektor Hartung. Natürlich sorge das bei den Menschen für ein mulmiges Gefühl.

Es war Brandstiftung

Am Donnerstagnachmittag bestätigte die Spurensicherung die Vermutung der Anwohner und der Rettungskräfte: Die Brandfahnder gehen davon aus, dass das Feuer vorsätzlich gelegt wurde. Die unbekannten Täter hätten eine überdachte Holzlege an der Außenwand angezündet, heißt es in der Mitteilung des Polizeipräsidiums Oberfranken. Von dort griff das Feuer erst auf den Dachstuhl, dann auf das ganze Gebäude über. Es brannte vollständig aus. Verletzt wurde niemand, der Sachschaden liegt im sechsstelligen Bereich.