Allerhand spannende Zahlen sowie viele interessante Rück- und Ausblicke gibt es ja eigentlich immer, wenn die Sparkasse Coburg-Lichtenfels zu ihrer Bilanz-Pressekonferenz einlädt. Doch diesmal kam es geballt und noch dazu sehr symbolträchtig: Genau 200 Tage vor dem 200. Geburtstag des Geldinstituts fand die Veranstaltung - wegen Corona als Video-Show - im Turmzimmer der Digitalen Manufaktur in Rödental statt. Von dort kann der Blick wunderbar in die Ferne schweifen; gleichzeitig ist es gar nicht weit bis zum Schloss Rosenau. Dort wurde einst Prinz Albert geboren - und dessen Vater Herzog Ernst I. war 1821 gar nicht begeistert, als sich in seinem Herzogtum die damalige Spar- und Hilfskasse Coburg gründete. Weil diese vor allem für die "kleinen Leute" da sein wollte, war der Herzog äußerst misstrauisch.

200 Jahre später hat sich unfassbar viel verändert. Das fängt schon damit an, dass die heimischen "Regenten" keineswegs mehr misstrauisch auf die Sparkasse blicken, sondern als Mitglieder des Aufsichtsrats sogar aktiv in die Arbeit eingebunden sind. Von den Landräten Sebastian Straubel (Coburg) und Christian Meißner (Lichtenfels) sowie Coburgs Oberbürgermeister Dominik Sauerteig wurden deshalb auch Videobotschaften in der Pressekonferenz gezeigt.

Ebenfalls zu Wort kam Alexander Wolz; der Leiter des Coburger Staatsarchivs erzählte Anekdoten aus der Anfangszeit der Sparkasse. So stand zum Beispiel Herzog Ernst II. der Sparkasse nicht mehr ganz so skeptisch gegenüber wie noch sein Vater. Unter anderem lieh er sich von der Sparkasse sogar 50000 Gulden, die er für die Sanierung von Schloss Callenberg brauchte. Als Pfand diente mal eben das damalige Hof- und heutige Landestheater.

"Das waren turbulente Zeiten", sagte Wolz mit Blick auf das frühe 19. Jahrhundert - diese Analyse trifft aber natürlich auch auf die aktuelle Gegenwart mit Corona zu. Um so mehr zeigte sich der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Coburg-Lichtenfels, Martin Faber, zufrieden mit der 2020er Bilanz. Weil sich die Sparkasse - wie schon vor 200 Jahren - vor allem auch als Partner der "kleinen Leute" sowie des Mittelstands versteht, bestand (und besteht) eine besondere Herausforderung darin, vielen Menschen, Firmen und Institutionen zu helfen - sei es mit bloßer Beratung, konkreten Förderkrediten oder im Falle von Vereinen auch mit zusätzlichen Spendenmitteln in Höhe von 100000 Euro. Ohnehin fließt ja ein Teil von dem, was das öffentlich-rechtliche Kreditinstitut erwirtschaftet, wieder an gemeinnützige Institutionen in der Region zurück. So wurden alleine im vergangenen Jahr wieder 474600 Euro an Spenden- und Sponsoringmitteln ausbezahlt, hinzu kamen noch Stiftungsausschüttungen von gut 20000 Euro.

Die Pressekonferenz war kurzweilig - die Comedians Streckenbach & Köhler sangen sogar ein Lied auf die Sparkasse. Weitere Zahlen zum Geschäftsjahr wurden in schriftlicher Form gereicht (dazu Infos unten), wobei es dort auch um umstrittene Themen ging. Allen voran mussten 2020 auch wieder Filialen geschlossen werden - die Sparkasse nennt das "Anpassungen im Filialnetz" und verweist zur Begründung vor allem auch auf die starke Zunahme des Online-Bankings, das durch Corona einen zusätzlichen Schub erhalten habe. So werden mittlerweile 73460 Privat- und Geschäftskonten online geführt. Die Online-Banking-Quoten stiegen auf 61 beziehungsweise 74 Prozent (Privat/Geschäft). Die Sparkassen-App nutzen inzwischen fast 18000 Kunden.

Die Sparkasse blickt zurück - auf ihre Anfänge und auf das Jahr 2020

Geschichte Am 13. November 1821 wurde in Coburg eine Spar- und Hilfskasse gegründet. 1938 folgte der Zusammenschluss mit den Sparkassen in Neustadt und Rodach - fortan firmierte man als "Vereinigte Coburger Sparkassen". 2005 kam es zur nächsten wichtigen Fusion und die heutige Sparkasse Coburg-Lichtenfels wurde geboren. Die Geschichte des "Lichtenfelser Zweigs" hatte 1840 begonnen. Auch hier gab es im Laufe der Zeit immer wieder Fusionen, 1939 etwa zur Sparkasse Lichtenfels-Staffelstein.

Geschäftszahlen "Die Kunden haben uns im letzten Jahr deutlich mehr Vertrauen entgegengebracht", sagt Roland Vogel, stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Er macht dies zum Beispiel am erneuten Einlagenzuwachs von über sieben Prozent fest. Diese zusätzlichen Einlagen würden der Sparkasse jedoch keinen Zinskonditionenbeitrag mehr bringen. Real gesehen würden sie der Sparkasse sogar Geld kosten, wie Vogel erklärt, weil bei der EZB ein Verwahrentgelt bezahlt werden muss. Dieses Verwahrentgelt soll aber nicht an den "Kleinsparer" weitergereicht werden. Damit dies möglichst auch in Zukunft so gehandhabt werden kann, wurde ein Verwahrentgelt bei der Sparkasse bislang nur für Großeinlagen eingeführt.

Weitere Zahlen Das Kundengeschäftsvolumen der Sparkasse Coburg-Lichtenfels ist im vergangenen Jahr auf 4,7 Milliarden Euro gestiegen (2019: 4,6 Milliarden). Der Kreditbestand wuchs um 43,8 Millionen Euro auf knapp 1,8 Milliarden Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 2,5 Prozent. "Die Sparkasse leistet so auch in der Pandemie einen aktiven Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilität in der Region", betont Vogel. Ebenfalls beeindruckend: Die Bilanzsumme der Sparkasse Coburg-Lichtenfels überstieg erstmals die Marke von drei Milliarden Euro - sie liegt jetzt bei 3,17 Milliarden Euro.

Spenden Die Sparkasse hat ihr Spendenengagement erweitert: Über die Internetseite www.heimat-traeume.de ist es möglich, Spendenanfragen für gemeinnützige Projekte zu stellen.

Personal Die Sparkasse Coburg-Lichtenfels zählte zum Stichtag 31. Dezember 2020 insgesamt 546 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - das sind etwas weniger als noch ein Jahr zuvor.