Gut eineinviertel Jahre dauert die Amtszeit von Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) noch. Seit seinem ersten Neujahrsempfang 2015 spiegeln seine Ansprachen den Stand der Dinge und die nächsten Projekte. Aber diesmal kam eine Art Bilanz hinzu - und der Blick in die Zukunft musste ganz zwangsläufig über das Jahr 2020 hinausreichen. Dann wird wieder gewählt, aber die großen Projekte, die Coburg jetzt schon und bis dahin noch beschäftigen werden, sind dann noch lange nicht abgeschlossen.

Die Sanierung und Erweiterung des Landestheaters ist eins dieser Projekte. "Alles, was mit dem Theater zusammenhängt, ist ein großer Brocken für die Stadt Coburg. Ich wäre gern schon weiter, jedoch wird jeden Tag ein neues Stöckchen geworfen, dass es zu überspringen gilt", sagte Tessmer. Erst an dieser Stelle kam er auch auf das "Globe" zu sprechen, das während der Sanierungszeit als Ausweichspielstätte dienen soll. Die Unternehmen Brose, HUK Coburg und Kaeser tragen zur Finanzierung bei, und Tessmer dankte den anwesenden Firmenchefs namentlich für ihr Engagement. In seinem kurzen Rückblick aufs abgelaufene Jahr zu Beginn hatte Tessmer die Entscheidung für den Bau des Globe noch nicht erwähnt - dabei war auch dies ein Ereignis mit großer Tragweite für die Stadt,

Das Globe (Rundtheater) am Güterbahnhof, die Entwicklung des Areals insgesamt, die Ertüchtigung des Flugplatzes Brandensteinsebene, die Schaffung von weiteren (bezahlbaren) Mietwohnungen, die Fertigstellung des Bildungshauses Lutherschule, die Sanierung der Heiligkreuzschule, die Entwicklung der Sanierungsgebiete und die Weiterentwicklung Coburgs zur Veranstaltungs- und Kongressstadt: Das sind laut Tessmer die Themen, die anstehen; zu letzterem soll es demnächst Veranstaltungen geben .

Doch will er selbst mitgestalten und wieder antreten? "Das weiß ich noch nicht", sagte er auf diese Frage am Rande des Empfangs und stürzte sich wieder ins Getümmel zu Gesprächen über die Gegenwartsthemen.

Randnotizen vom Neujahrsempfang

Büffet 2017 stand das Häppchenbüffet im Zeichen des Reformationsjahres (500 Jahre Thesenanschlag von Wittenberg), folglich gab es von Katharina Luther inspirierte Küche. 2019 wird das Doppeljubiläum von Queen Victoria und Prinzgemahl Albert gefeiert. Beide wurden vor 200 Jahren geboren. Das Büffet nahm Bezug darauf, zum Beispiel mit dem Hinweis: "Genießen Sie Kaffee oder Trinkschokolade!" Denn das sei im 19. Jahrhundert sehr populär gewesen.

Einlass Pünktlich um 11 Uhr schwang die Tür zum Spiegelsaal auf, die drei Bürgermeister mit Amtskette nahmen das Defilée der Gäste ab. Wer das Spiel kennt, sichert sich entweder den Platz an der Spitze der Schlange (freie Stehtischauswahl, noch ungehinderter Blick aufs Büffet) oder kommt kurz nach 11 - da hat man noch nichts versäumt, und die Schlange steht eh noch bis zum Treppenhaus. Mancher schafft es gar so, dass die Schlange schon bis zur Saaltür geschrumpft ist. Im Fall von Andreas Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha und seiner Tochter, Prinzession Stephanie (mit Gemahl Jan Stahl), war die Schlange schon weg - die begrüßenden Bürgermeister aber auch. Ganz als letzter kam Michael Stoschek, Vorsitzender der Brose-Gesellschafterversammlung.

Zeit Drei Stunden habe der offizielle Teil beim Neujahrsempfang des bayerischen Ministerpräsidenten am Vorabend gedauert, ließ Oberbürgermeister Norbert Tessmer seine Zuhörer wissen und versprach: "So lange wird's nicht." Es genügte die halbe Zeit - und die war nicht nur mit Reden gefüllt.

Hausherr Intendant Bernhard F. Loges beließ es bei herzlichen Begrüßungsworten und der Ansage der Musikstücke. Nur ein Fehler unterlief ihm: Er wünschte einen "schönen Abend" - aus reiner Gewohnheit oder "maladie professionelle" wie Loges sagte: Kulturveranstaltungen finden halt meistens am Abend statt. Musik Kein von Prinz Albert komponiertes Lied, keins, das zu Ehren der Queen geschrieben war umrahmte die Veranstaltung. Aber es gab englische Komponisten zu hören: Rannveig Káradóttir und Peter Aisher sangen unter anderem Lieder von Ralph Vaughan Williams, Benjamin Britten und Arthur Sullivan (Zeitgenosse von Albert und Victoria); Paul Willot-Förster begleitete am Klavier. Belohnt wurden die Künstler mit begeistertem Applaus - vor allem für das Duett aus La Bohème am Schluss.