Coburg
Saison-Auftakt

Die Nacht der schönen Stimmen im Landestheater Coburg

Der Gala-Abend im Landestheater lockt massenhaft Zuhörer an und wird zum krönenden Abschluss des Theaterfestes. Die Besucher dürfen hemmungslos in Melodien schwelgen und erleben viele neue Solisten. Wer aber hat Chancen, zum Publikumsliebling der neuen Saison zu werden?
Der Gala-Abend wird zum Stelldichein neuer Künstler: Die Sopranistin Ana Cvetcovic-Stojnic und José Manuel. Foto: Jochen Berger
Der Gala-Abend wird zum Stelldichein neuer Künstler: Die Sopranistin Ana Cvetcovic-Stojnic und José Manuel. Foto: Jochen Berger
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Der Kampf um die besten Plätze beginnt lange, bevor die Ouvertüre zu Mozarts "Entführung aus dem Serail" erklingt. Vor den Zugängen zum Zuschauerraum des Landestheaters staut sich das Publikum in dicken Trauben. Kein Wunder, schließlich bildet die folgende Gala im Großen Haus den Höhepunkt des Theaterfestes.

Immerhin verspricht das Programm einen Querschnitt durch das Premierenangebot der neuen Spielzeit. Natürlich passt in eine zweistündige Vortragsfolge nur eine dicht getaktete Hit-Parade. Aber als klingender Aperitif ist die abendliche Gala beste Werbung für das, was das Haus am Schlossplatz in den nächsten zehn Monaten plant und präsentieren wird.

"Salome"-Foxtrott

Aber sogar für jene Theaterfans, die im beinahe hoffnungslos überfüllten Zuschauerraum keinen Platz mehr finden, wird an diesem Abend gesorgt. Im gut besuchten Festzelt vor dem Musentempel wird die Gala live via Beamer auf der Leinwand präsentiert. Intendant Bodo Busse führt als eloquenter Moderator durch das Non-Stopp-Programm, in dem neben Generalmusikdirektor Roland Kluttig sämtliche Kapellmeister am Dirigentenpult erscheinen: Anna-Sophie Brüning, Roland Fister, Lorenzo Da Rio und Daxi Pan. Sie begleiten dabei auch eine Reihe neuer Solisten.

Worauf also darf sich das Coburger Theaterpublikum freuen? Zum Beispiel auf die Koloratursopranistin Ana Cvetcovic-Stojnic, die als Konstanze in der "Entführung" und als Violetta in der Wiederaufnahme von "La Traviata" zu erleben sein wird. Ihre Stimme verbindet lyrischen Gestus mit schlanker Beweglichkeit in den Koloraturen.

Fast das komplette Arsenal tenoraler Verführungskniffe bringt José Manuel mit in sein Engagement am Landestheater - den schmachtenden vokalen Augenaufschlag ebenso wie eine kaum zu zügelnde Lust an ausgiebiger Rubato-Schwelgerei, die er als Rodolfo in Puccinis "La Bohème" ebenso auslebt wie als Alfredo in "La Traviata".
Der junge finnische Bassbariton Tapani Plathan gibt mit seiner intensiven Deutung der berühmten Frost-Arie einen faszinierenden Vorgeschmack auf Henry Purcells "King Arthur". Er überzeugt dabei ebenso wie der tschechische Bassbariton Jiri Rajnis, der als Peter Besenbinder in Humperdincks Märchenoper "Hänsel und Gretel" Stilsicherheit und ausdrucksvolle Stimmschönheit demonstriert.

Die junge kroatische Mezzosopranistin Kora Pavelic, die sich bereits am Vortag in der Titelrolle von Glucks "Orpheus" vorstellte singt gemeinsam mit Anna Gütter den Abendsegen aus "Hänsel und Gretel".

Mit Dirk Mestmacher gehört nun ein spielfreudiger Tenor zum Ensemble des Landestheaters, der in Operette wie Musical gleichermaßen stilsicher agiert. Das beweist Mestmacher in Carl Zellers Vogelhändler ebenso wie im klingenden Kuckucksei dieser Vortragsfolge. Denn während im Musiktheater im Februar die "Salome" von Richard Strauss auf dem Programm stehen wird, erlebt das Publikum beim Theaterfest die heitere Variante dazu - den "Salome"-Foxtrott aus "Zwei Herzen im Dreivierteltakt" von Robert Stolz.

Den vokalen Reigen komplettieren zwei in Coburgs bestens bekannte Ensemblemitglieder - der Bassist Michael Lion (als Osmin in Mozarts "Entführung") und David Zimmer (als Freddy in Frederick Loewes "My Fair Lady").

Von "Sonny Boys" bis "Fabian"

Einen temporeichen Schnelldurchlauf der geplanten Schauspiel-Premieren präsentieren Eva Marianna Berger, Anne Rieckhof, Oliver Baesler, Benjamin Hübner und Ingo Paulick. Als joggende Theatersport-Gruppe machen sie Appetit auf Neil Simons Komödie "Sonny Boys" ebenso wie zum Beispiel auf Erich Kästners "Fabian".
Das unverwüstliche Trinklied aus Verdis "La Traviata" wird dann zum umjubelten Finale. Und wer den Theaterabend noch entspannt ausklingen lassen will, ist anschließend in der Late Lounge bei "Leise am Markt" am rechten Ort. In dem eben erst renovierten historischen Gebäude in der Herrngasse mit seiner Kleinkunstbühne will das Landestheater eine neue Reihe etablieren.