Ingmar Bartel hat lange und viel für den Steinweg als Einkaufsstraße gekämpft. Doch nun ist er weg: Vor einigen Wochen ist er mit seinem Teppich-Geschäft an den Theaterplatz umgezogen. Die Geschäftsräume im Steinweg sind nur noch zweimal die Woche geöffnet. Der Mietvertrag laufe ohnehin noch bis Mitte nächsten Jahres, und bis die neue Werkstatt in Coburg-Neuses fertig ist, könne er den Platz gut brauchen, erläutert Bartel.

Die Entscheidung, an den Theaterplatz zu ziehen, bereut er nicht. "Jetzt kommt eine ganz andere Kundschaft." Vor allem aber können die Kunden kurz vor der Tür mit dem Auto halten, auch, wenn es sich strenggenommen um Anwohnerparkplätze handelt. "Ich habe noch nie so viele Teppiche von der Wand wegverkauft wie jetzt", sagt Bartel. Er ist nicht der einzige, der den Steinweg verlassen hat oder den Wegzug plant: Der Handyladen am Bürglaß ist schon weg; die "Liaison au Chocolate" wird in die Markthalle am Albertsplatz wechseln.


Sanierung dauert lange

Dass derzeit ein neues Konzept für den Steinweg als Sanierungsgebiet entwickelt wird, weiß Bartel natürlich. Aber so lange hätte er nicht durchhalten können, sagt er. "Wir haben ja am Albertsplatz gesehen, wie lange es dauert, bis so etwas fertig ist." Und ob dann der Steinweg wieder teilweise für Autoverkehr freigegeben wird, ist noch lange nicht sicher. Diese Entscheidung müsse von "der Politik", also vom Stadtrat kommen, sagen Geschäftsführer Christian Meyer und Ullrich Pfuhlmann von der Wohnbau Stadt Coburg.

Die Wohnbau lässt derzeit die Voruntersuchungen für das Sanierungsgebiet Steinweg/Post machen. Im März soll der Stadtrat entscheiden, wie es weitergehen soll; Ende Januar/Anfang Februar sollen noch zwei öffentliche Anwohnerversammlungen stattfinden, bei denen die Ergebnisse ebenfalls vorgestellt und diskutiert werden. Wie Pfuhlmann sagte, wird es in der einen Runde ums Wohnen im Steinweg gehen, in der anderen ums Thema Gewerbe.

Optikerin Christine Fischer kennt den Steinweg-Frust, den Ingmar Bartel hinter sich gelassen hat. Doch sie bleibt, wenn auch nicht im alten Geschäft: Optik Busch wird nach schräg gegenüber umziehen, wo sich früher einmal der Bertelsmann-Buchclub befand und dann Matratzen-Dehler. Die neuen Räume seien günstiger und größer, der Laden darin könne moderner gestaltet werden, sagt die Augenoptiker-Meisterin. Die alten Geschäftsräume mit ihrem historischen Gewölbe zu verlassen falle ihr freilich nicht leicht, sagt sie mit einem leichten Seufzer.


Vorteil: Günstige Mieten

Christine Fischer hatte auch überlegt, den Steinweg ganz zu verlassen. Aber sie bleibt. Der Steinweg sei besser als sein Ruf, betont sie. Bis zu ihrer Ecke, wo die Badergasse und der Obere Bürglass in den Steinweg münden, funktioniere die Fußgängerzone auch ganz gut.

Jahrelang habe die Stadt in Sachen Steinweg zugewartet, kritisiert die Geschäftsinhaberin: Im Hoffen darauf, dass sich im Bereich ehemalige Post/Kaufhof doch noch ein innerstädtisches Einkaufszentrum etablieren werde, habe die Stadt nichts getan. Auch Christine Fischer hoffte auf das Einkaufszentrum, das der Konzern ECE 2001 plante. "Deshalb habe ich damals Optik Busch übernommen." Doch dass ein solches Einkaufzentrum jemals kommt, hält auch Ullrich Pfuhlmann in Zeiten des zunehmenden Online-Handels für sehr unwahrscheinlich. Hinzu kommt, dass es seitens des Klinikkonzerns Regiomed konkrete Planungen gibt, im Postareal ein Seniorenzentrum zu errichten.

Christine Fischer gehört zu den Geschäftsleuten, die sich für eine begrenzte Öffnung des Steinwegs für den Autoverkehr stark machen: Nur zu den Geschäftszeiten und nur in eine Richtung bis zum Bürglaß sollten Autos einfahren und kurz parken können. Doch das habe die Stadt abgelehnt. "Die Hoffnung darauf habe ich aufgegeben." Aber nicht die Hoffnung für den Steinweg ansich, "dass die Imbisse und die Bäckerei wieder Laufkundschaft ziehen". Selbst wenn es zu der Entscheidung käme, den Steinweg wieder teilweise tagsüber für Autos erreichbar zu machen, wäre das für den Handel zu spät, meint Ingmar Bartel. "Das interessiert keinen mehr."