Kulturpolitik ist nachhaltige Gesellschaftspolitik, was nach wie vor nicht von allen verstanden wird. Der Bayerische Städtetag fragte sich vor 40 Jahren, warum man auf vielen anderen Gebieten kommunalpolitisch, also "an der Basis", zusammenarbeitet, im kulturellen Sektor jedoch nicht. Der damals gegründete Arbeitskreis nennt sich heute Netzwerk Stadtkultur; in ihm arbeiten 48 bayerische Kommunen zusammen. Und ihr Vorsitzender ist seit 2009 Norbert Tessmer, damals Kulturreferent und heute dazu Oberbürgermeister von Coburg. Deshalb fand die gedenkende Vorstandssitzung am Dienstag im Coburger Rathaus statt.

Während die Kulturpolitik der bayerischen Staatsregierung auf Einheitlichkeit, vor allem aus Münchner Sicht setze, so der Erlanger Kulturreferent Dieter Rossmeissl, Vorsitzender des Kulturausschusses des Baye rischen Städtetages, versuche das Netzwerk Stadtkultur ein einheitliches Dach über der großen kulturellen Vielfalt in Bayern zu sein.

Unter dem will die Einrichtung mit Sitz in Ingolstadt und in der Geschäftsführung von Christine Fuchs für kulturellen Austausch und gegenseitige Anregung sorgen. Eigene Akzente werden neben der Angebotsbörse mittlerweile alljährlich gesetzt. Man erinnere sich an das bayernweite Festival "Lokalklang", das in Coburg so gut ankam, dass es eben jetzt, am kommenden Sonntag, fortgeführt wird. Auch zu "LiteraturUpdate" 2010 und "Stadt.Geschichte.Zukunft"gab es eine Reihe an Coburger Beiträgen. 2016 will man die Aufmerksamkeit unter demTitel "Gewebe. Textile Projekte" in die Bildende Kunst im textilen Bereich lenken.

Der Würzburger Kulturreferent Muchtar Al Ghusain wies darauf hin, dass das Netzwerk vor allem auch im ländlichen Raum, in dem den kleinen Städten oft die Kraft für kulturelle Akzente fehle, sehr hilfreich sei. "Es ist durchaus programmatisch zu verstehen, dass wir zum 40-jährigen Jubi läum in Coburg und nicht in München sitzen," betonte Al Ghusain.

Kulturelle Bildung ist ein wesentlicher Persönlichkeitsfaktor. Als Norbert Tessmer 2002 sein Amt als Kultur- und Sozialreferent antrat, sah er jedoch eine große Diskrepanz zwischen Anspruch und der tatsächlich geleisteten kulturellen Bildung. "Wir haben mit viel Geduld und mit Unterstützung von Stadtkultur in Coburg vieles auf den Weg gebracht, ausgehend vom Kultur- und Schulservice KS:Cob." Das Kulturthema werde ihm auch als Oberbürgermeister weiter dringendes Anliegen bleiben. Mehr denn je sei er davon überzeugt, dass jeder für kulturelle Bildung ausgegebene Euro nicht im Sozialen eingesetzt werden müsse.

Die übergreifende Gedanken- und Konzeptentwicklung ist ebenfalls zentrales Anliegen von Stadtkultur. Im Oktober wird man bei einer Tagung in Tutzing unter dem Titel "Kulur.Leben" der Frage nachgehen, welche Rolle kulturelles Tun für den Menschen im einzelnen, vor allem aber für die Gesellschaft und die örtliche Kommune spielt. "Es mag ungewöhnlich klingen, kulturelles Tun des Einzelnen unter bürgerschaftlichem Engagement einzuordnen", erklärte Geschäftsführerin Christine Fuchs, doch sei man überzeugt, dass dieser Faktor deutlich unterschätzt werde.

In ähnliche Richtung forschte im vergangenen Jahr eine Tagung zur "kulturellen Seite der Kreativwirtschaft". Die Dokumentation dazu liegt jetzt vor. Sie beleuchtet, welchen Beitrag Kunst und Kultur zum wirtschaftlichen Wohlergehen der Gesellschaft beitragen und wie Künstler vor Ort leben können.

Das Netzwerk Die Geschäftsstelle in Ingolstadt unterstützt die Kulturarbeit der Mitglieds städte mit einer Angebotsbörse, organisiert Tagungen und fördert den persönlichen Austausch zwischen den Kulturverwaltungen. Informationen und Antragsformulare unter: www.stadtkultur-bayern.de.

Künste, die die Welt bedeuten Auch zu diesem landesweiten Modellprojekt wurde jetzt eine Dokumentation veröffentlicht, die Anregungskatalog für weitere Aktivitäten sein soll. In dem intererkulturellen Bildungsprojekt arbeiteten 185 professionelle Künstlerinnen und Künstler aller Kunstsparten in 205 Einzelprojekten und Workshops mit etwa 6000 Schülerinnen und Schülern zusammen. Coburg ist darin unter anderem mit dem Schulen übergreifenden Projekt "Theater ohne Grenzen" und dem 600 Schüler vereinenden "Trommelzauber" vertreten.

Die Publikationen sind zu bestellen unter info@stadtkultur-bayern.de

Künste, die die Welt bedeuten. Ein landesweites Modellprojekt zur interkulturellen Bildung und Nachhaltigkeit. Gebühr 5 €.

Kulturwerte. Zur kulturellen Seite der Kreativwirtschaft. 5 €.


Ein neues Projekt

Unter dem Titel "Ich und die Welt" startete heuer ein landesweites kulturelles Bildungsprojekt, bei dem in Zusammenarbeit von Schulen und Künstlern und finanziell unterstützt durch Stadtkultur dem Verhältnis des Einzelnen zu seinem Lebensumfeld nachgegangen werden soll. Die Projekte sollen die jungen Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützen, ihre Selbstwahrnehmung stärken und ihr soziales Bewusstsein fördern.