Erich Seuffert ist Bayern-Fan. Und neuerdings schaut er die Fußballspiele in seiner eigenen kleinen Arena. Der komplette Wohnbereich erstrahlt in rotem Licht. Das Handy in der Hand und ein breites Grinsen auf dem Gesicht taucht Erich ein in seine neue digitale Welt. Per Knopfdruck regelt er auch Raumtemperatur, Rollläden und überprüft die Photovoltaikanlage. Alles nebenbei, während Lewandowski aufs gegnerische Tor stürmt.

Seit drei Monaten wohnen Erich Seuffert (60) und seine Frau Jutta Weigand (58) in ihrem neuen Smart-Home in Ebersdorf. Etwa 500 Meter Luftlinie von ihrem ehemaligen Einfamilienhäuschen entfernt, in dem sie fast 30 Jahre lang auf 140 Quadratmetern gelebt und ihre beiden Töchter groß gezogen haben. Die Entscheidung, noch einmal was ganz anderes, neues zu machen, ist lange in ihnen gereift. Acht Jahre hat der Prozess gedauert - von den ersten Überlegungen über eine neue Wohnform bis hin zum barrierefreien und seniorengerechten Containerhaus.

Vorausschauend planen

Wer Jutta Weigand kennt - sie war jahrelang die Leiterin des Coburger Seniorentreffs und ist jetzt Geschäftsführerin in der Sozialstiftung Bamberg - weiß, dass sie vorausschauend denkt und eine Frau mit großen Visionen ist. "Mit dem Status quo bin ich nie zufrieden, ich möchte mich immer weiterentwickeln", sagt sie. In Bamberg hat sie in den vergangenen Jahren viele Wohnprojekte für Senioren mitgeplant. "Irgendwann habe ich erkannt, dass das ja was mit mir zu tun hat. Wie will ich eigentlich im Alter leben?", hat sie sich gefragt.

Auch Erich Seuffert, selbstständiger Handwerker, hat viele Häuser gesehen, in denen ältere Ehepaare ohne Kinder auf 280 Quadratmetern leben, davon aber nur noch drei Zimmer bewohnen. Doch der Auszug aus dem eigenen Haus, das einst Lebenstraum und "beste Jahre" verkörpert, fiel ihm schwer. War lange gar nicht vorstellbar.

Welche Wohnform passt zu uns?

Viele Gespräche führten schließlich dazu, den Traum vom eigenen Haus, den man oft nur in jungen Jahren hat, noch einmal zu träumen - aber eben altersgerecht.

Schnell wurde klar: Barrierefrei sollte das Haus sein, möglichst klimaneutral , es sollte alle Funktionen haben, die eine spätere Pflege erleichtern und ein möglichst langes selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Und zu guter letzt begeisterte die beiden die Idee, ein Modulhaus aus Containern zu errichten, das gegebenenfalls einfach wieder geteilt und zurückgebaut werden kann. Nachhaltigkeit spielte eine Rolle.

Fehlte nur noch ein geeignetes Grundstück. "Und das hatte offensichtlich mitten in Ebersdorf auf uns gewartet", sagt Jutta Weigand lachend. Mit ihren sehr konkreten Vorstellungen wandten sich die entschlossenen Häuslebauer an einen Anbieter von Containerbauten. Der setzte ihre Pläne eins zu eins um. Von der Bestellung der drei Container bis zur Aufstellung im August verging etwa ein dreiviertel Jahr.

Angeliefert wurden die Module mit Schwertransportern und aufgestellt mit einem Kran. Von morgens bis abends standen Schaulustige dabei, es gab Bratwürste und Bier für alle.

Vor allem die Fassadenfarbe sorgte für Diskussionen am Rande - sogar in den sozialen Netzwerken. In einer Ebersdorfer Gruppe auf facebook wurde diskutiert, ob es sich bei dem Bau um eine neue Postfiliale oder einen Kindergarten handelt. "Ich liebe dieses Gelb. Genauso wollte ich es haben. Ein Haus wie eine Sonnenblume", sagt Jutta Weigand selbstbewusst und schmunzelt über die Kommentare der Leute, die vorbeilaufen.

Voller Stolz und Überzeugung, genau das richtige gemacht zu haben, erläutert die 58-Jährige die Technik, die in dem Haus steckt, und die nicht erst im hohen Alter notwendig wird, sondern die jetzt schon "unglaublich Spaß macht" und eine hohe Lebensqualität mit sich bringt.

Da wäre zunächst einmal der offene Wohnraum mit viel Platz - auch für Rollstuhlfahrer - der Licht von allen Seiten durch bodentiefe Fenster ins 108 Quadratmeter große Haus lässt. Die Container, die in U-Form miteinander verbunden sind, bieten zwei abgeschlossene Schlaf- und Arbeitsbereiche mit großzügigen, barrierefreien Bädern und Schiebetüren.

Höhenverstellbare Waschbecken und Toiletten, die zudem eine Nachtbeleuchtung und eine automatische Brause- und Föhnfunktion haben, machen jeden Toilettengang zu einem Erlebnis. "Das hätte ich mir in jungen Jahren auch schon gewünscht", sagt Jutta Weigand. Im Alter, wenn man sich vielleicht nicht mehr selbstständig abputzen kann, wird diese Funktion mehr als nur Luxus sein.

Steuerung über die App

Mit einer App auf dem IPad können sowohl Jutta und Erich als auch ihre Tochter in Frankfurt das Haus steuern. Also die Lichter, die Schlösser, die Heizung. Wenn der Paketdienst vor der Tür steht und Jutta Weigand in Bamberg in ihrem Büro sitzt, kann sie mit ihm über die Videokamera sprechen, könnte auch die Tür öffnen. Abends im Bett kann das komplette Haus über einen kleinen Steuerungswürfel "schlafen" gelegt werden: Die Lichter gehen aus, die Temperatur und die Rollos fahren runter.

Natürlich, ganz reibungslos verlief die Anfangsphase mit der neuen Technik nicht: "Da ging mitten in der Nacht die Alarmanlage oder alle Lichter an", lachen die beiden stolzen und sehr gelassenen Smart-Home-Besitzer. Aber mittlerweile haben sie alles im Griff. "Man lernt eben nie ganz aus", sagt die Managerin.

Voller Vorfreude denkt Erich an das nächste Bayern-Spiel gegen Borussia Dortmund. Sein Schwiegersohn ist Borussen-Fan und darf sich freuen. Erich will nämlich das Licht im Wohnbereich abwechselnd rot und gelb strahlen lassen.