A wie Anfang: Das erste Festival liegt 25 Jahre zurück. 1992 war es, als Rolf Beyersdorf, Christof Pilarzyk und der 2005 verstorbene Michael Häfner ihre verrückte Idee erstmals umsetzten: Samba in Coburg! Der Einladung folgten damals immerhin 20 Gruppen. Inzwischen bewerben sich jedes Jahr mehr als 200 Gruppen um eine Teilnahme; aber aus Kapazitätsgründen können immer nur 100 auftreten.

B wie Bändchen: Um aufs Festivalgelände zu kommen, brauchen Besucher ein Bändchen. Wer im Vorverkauf zugreift, bekommt seit 2013 allerdings zunächst eine Karte, die dann beim Festival in ein Bändchen umgetauscht wird. Damit sollte nicht zuletzt Händlern auf dem Schwarzmarkt das Handwerk gelegt werden. Diese hatten bereits in der ersten Vorverkaufsphase viele Bändchen erworben und dann zu späteren Phasen teurer weiterverkauft. Auf der Karte steht hingegen immer genau drauf, was sie wann gekostet hat.

C wie....Nein, nicht wie Caipirinha! Das wäre zu einfach (obwohl dieses Getränk natürlich zum Samba-Festival gehört wie ansonsten die Bratwurst zu Coburg). Nein, für den Buchstaben "C" steht hier Cottbus. Cottbus? Ja, denn unvergessen bleibt der Auftritt von Roberto Blanco beim Samba-Festival 2008. Freudig betrat er die Bühne auf dem Marktplatz, winkte und rief der Menschenmenge zu: "Hallo Cottbus!"

D wie Deutsch-Brasilianische Gesellschaft (DBG): Diese Organisation, die auch in Coburg über eine Ortsgruppe verfügt, darf bitte nicht mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund verwechselt werden (DGB).

E wie Ejott: Früh übt sich, wer ein Sambista werden will. Deshalb organisiert die Evangelische Jugend (Ejott) jedes Jahr auch ein "Kinder-Samba" im Hofgarten. Toll!

F wie Fußballer: Giovane Elber, Ex-Spieler des FC Bayern, war 2009 Gast beim Festival. 2013 kam "Kugelblitz" Ailton (alle seine Ex-Vereine können wir hier leider nicht aufzählen!). Dante traute sich 2016 nach Coburg. Ja, das war tapfer. Denn deutsche Fans verbinden mit Dante (außer seiner lustigen Frisur) vor allem das 1:7 gegen Deutschland. An jenem 8. Juli 2014 stand Dante in Belo Horizonte mit Brasilien auf dem Platz. Da war es in Coburg für ihn bestimmt schöner.

G wie Guttenberg und Grube: Beide waren schon mal Schirmherren des Festivals. Der eine (Karl-Theodor) schaute 2009 auch tatsächlich vorbei; 2010, kurz vor seinem Aufstieg vom Wirtschafts- zum Verteidigungsminister, musste er absagen. Der andere, Bahn-Chef Rolf Grube, sollte 2014 mit dem "Amt" etwas gebauchpinselt werden, um noch mehr ICE-Halte für Coburg locker zu machen. Aber Rolf kam nicht zum Festival. Und mehr als drei ICE-Halte gab es dann später auch nicht.

H wie HUK-Coburg: Das Versicherungsunternehmen unterstützt das Festival von Anfang an. Und, wer weiß: Vielleicht hätte es 1992 gar kein erstes Samba-Festival gegeben, denn den Organisatoren fehlte noch Geld. Gesucht wurden Sponsoren, die insgesamt 10 000 D-Mark (also etwa 5000 Euro) lockermachen. Viele haben dankend abgelehnt. Aber die HUK und vor allem ihr damaliger Pressesprecher Alois Schnitzer fanden die Idee "richtig klasse" und gaben das Geld.

I wie Ignacio: Mit Bê Ignacio (das "Bê" ist die Abkürzung für Bettina) kommt in diesem Jahr eine deutsch-brasilianische Sängerin zum Festival, die mit ihrem Lied "Sununga" schon mal in den deutschen Charts aufgetaucht ist. Und zwar im August 2013 auf Platz 79. Ob das bereits dazu berechtigt, um - wie es im offiziellen Samba-Programm heißt - ein "Hit-Gigant" zu sein, lassen wir mal dahingestellt. Mag schon sein, dass das ein wenig übertrieben ist (genauso wie die seit zig Jahren konstante Zahl von offiziell 200 000 Festival-Besuchern an den drei Tagen). Aber im Rausch des Samba ist eben vieles erlaubt.

J wie Jackson: Nein, Michael Jackson war leider nie beim Samba-Festival in Coburg. Aber dafür schon mehrmals die Gruppe "Olodum", mit der er 1995 seinen Hit "They Don't Care About Us" aufgenommen hat. Für ihr soziales Engagement erhielt Olodum übrigens 2015 den damals erstmals beim Samba-Festival vergebenen Förderpreis "Humano".

K wie Klöße: Darauf können Coburger beim Samba-Festival mal ausnahmsweise verzichten. An zig Ständen gibt es stattdessen Speisen aus aller Herren Länder.

L wie Luther: Der Reformator hat mit Samba zwar rein gar nichts zu tun. Aber im großen Jubiläumsjahr muss Luther schließlich überall irgendeine Rolle spielen. Ganz egal, ob es nun passt oder nicht. Und deshalb taucht er auch hier in unserem Abc auf.

M wie Mojito: Dieser Drink stammt aus Kuba, wird beim Samba-Festival aber trotzdem auch getrunken.

N wie Norbert Kastner: Der Alt-OB wurde zum "Samba-Botschafter" ernannt, weil es ohne seine tatkräftige Unterstützung wohl nie ein Samba-Festival gegeben hätte. 1989 war die Mauer gefallen, 1990 kam Kastner ins Amt und im ehemaligen Zonenrandgebiet tat sich endlich was - da kamen 1992 die drei Hobby-Sambistas (siehe "A") mit ihrer verrückten Idee gerade recht.

O wie "Ordem e progresso", zu deutsch "Ordnung und Fortschritt": Bei diesen Wörtern, die auf der brasilianischen Flagge stehen, handelt es sich um ein Motto, das auf den Franzosen Auguste Comte zurück geht. Von dessen Philosophie (dem Positivismus) waren die Gründerväter der brasilianischen Republik sehr angetan. Und noch etwas, um sich eines Tages bei Günther Jauch den Publikumsjoker sparen zu können: Die dominierenden Farben der brasilianischen Flagge stehen nicht, wie oft angenommen wird, für das Grün der weiten Urwälder und die zahlreichen Bodenschätze (gelb) des Landes. Grün ist vielmehr die Farbe des Hauses Bragança, Gelb die der Habsburger. Der blaue Bereich in der gelben Raute wiederum stellt den Himmel über Rio de Janeiro am 15. November 1889 um 8.30 Uhr dar - das ist die Zeit der Proklamation der Republik.

P wie Paulo Lopes: Der sympathische Capoeira-Tänzer mit dem gestählten Körper und einer schier unglaublichen Sprungkraft ist mittlerweile auch ein gerne gesehener Stammgast beim Festival. Nicht zu verwechseln ist er bitte mit Paulo Lopes, der bei Benfica Lissabon im Tor steht.

Q wie Quastenflosser: Die bunt gekleidete Gruppe aus der Schweiz ist Kult - und seit 1998 ein fester Bestandteil des Coburger Samba-Festivals. Mit ihrer Guggenmusik geben sie auch immer ein Kirchenkonzert. Diesmal: am Samstag um 11 Uhr in Heilig-Kreuz. Wer einen Platz will, sollte aber sehr viel früher kommen.

R wie Rhythmus: Samba-Kritiker, die es in Coburg immer noch geben soll, werden jetzt erstaunt fragen, was denn bitteschön Rhythmus mit Samba zu tun hat - "da gibt's doch immer nur eintönig dieses Bumm, Bumm, Bumm!" Pah, wer das glaubt, hat sich nur noch nie so richtig ins Getümmel gestürzt. Unser Tipp: Treiben lassen und überall mal genau hinhören. Da gibt's sehr wohl Rhythmus - aber schon auch sehr viel Bumm, Bumm, Bumm...

S wie Seehofer: Der Horst fehlt eigentlich grad' noch! Zumindest war noch nie ein amtierender Ministerpräsident zu Besuch beim Festival - aber dafür reihenweise Kronprinzen (und eine Kronprinzessin): Markus Söder (2015), Ilse Aigner (2016) und heuer kommt Joachim Herrmann - Karl-Theodor zu Guttenberg schaute 2009 vorbei, als er noch Kronprinz war und sich Doktor nannte. 2010, kurz vor seinem Aufstieg vom Wirtschafts- zum Verteidigungsminister, musste er absagen. Äh, Moment: Das war jetzt abgeschrieben von "G"!

T wie Therme Natur: Die Therme in Bad Rodach ist in diesem Jahr erstmals Partner des Samba-Festivals. Wer das Bad besucht und sein Samba-Bändchen vorzeigt, erhält einen Frei-Cocktail. Die Aktion gilt bis zum 31. August.

U wie Unschuld vom Lande: Wie bitte? Doch, das hat sehr wohl etwas mit Samba zu tun! Denn die Bezeichnung Caipirinha ist abgeleitet vom brasilianischen Wort "caipira", das so viel bedeutet wie Landbewohner. Caipirinha ist die Verkleinerungsform und kann mit "Landei" oder eben auch "Unschuld vom Lande" übersetzt werden.

V wie VIP-Bereich: Der befindet sich immer auf den Arkaden und ist sowohl ein beliebter Treffpunkt für die Lokalprominenz als auch ein Ort ewiger Legendenbildungen: Aber, nein, die Getränke sind "dort oben" nicht umsonst; der Caipirinha hat sogar exakt den selben Preis wie "unten". Nur etwas ruhiger ist es "dort oben". Das empfinden viele Menschen als sehr wohltuend, viele eingefleischte Samba-Fans fragen sich hingegen: "Warum gehen die dann überhaupt zum Samba-Festival, wenn sie ihre Ruhe haben wollen?!" Nun: Wenige Tage nach Samba beginnt das Schlossplatzfest, und da muss für das "Sehen und Gesehen werden" schon mal ein bisschen geübt werden.

W wie Wolfgang Gremmelmaier: Der ehemalige Vorstand der VR-Bank hat wie Alt-OB Norbert Kastner den Titel "Samba-Botschafter" verliehen bekommen.


X wie Xamme Ramme: Das ist eine Samba-Gruppe aus Hoeven in den Niederlanden, die in diesem Jahr zum Festival erwartet wird.

Y wie Ypsilon: Ist dieser Buchstabe bei solchen Abc-Aufzählungen nicht immer der schwerste? Zusammen mit Q und X natürlich. Aber da haben uns ja die "Quastis" und Xamme Ramme aus der Patsche geholfen. Bei Y hilft uns niemand. Höchstens vielleicht die Bundeswehr - die mit dem Autokennzeichen "Y".

Zwie Zukunft: Hoffentlich haben die Menschen auch in 25 Jahren noch Spaß am Feiern und am Tanzen - und an Zeitungstexten, auf denen nicht alles bierernst gemeint ist. Oder sollte das eher "caipirinha-ernst" heißen?