Es kommt Fahrt in die Angelegenheit. Nachdem die Christlich-Sozialen Bürger (CSB) den Stadtratsantrag gestellt haben, den nördlichen (unteren) Teil des Steinwegs und den Unteren Bürglaß von 8 bis 18 Uhr für den Verkehr freizugeben, um ihn zu beleben, tut sich etwas. Am Donnerstag steht das Thema auf der Tagesordnung der Stadtratssitzung, und Citymanagerin Julika Gerlach hat schon einmal die Geschäftsleute informiert, dass sie mit einer "Wanderbaustelle" zu rechnen hätten - womöglich noch in dieser Woche.

Das bestätigt auch Ivan Boiko, Straßenmeister beim Coburger Entsorgungs- und Baubetrieb (CEB). "Die Fugen zwischen den Pflastersteinen sind an einigen Stellen ziemlich tief." Dort müsse mit Natursteinmörtel nachgebessert werden - vor allem, wenn unter Umständen demnächst mehr Autos durch den Steinweg rollen. Die Baumaßnahme an sich habe aber nichts mit der Entscheidung für oder gegen die Verkehrsfreigabe zu tun. Lediglich der Zeitpunkt wurde vorverlegt. "Ursprünglich waren die Ausbesserungsarbeiten erst für das nächste Jahr geplant, weil uns größere Maßnahmen für die Telekom dazwischengekommen sind. Durch die neue Situation ziehen wir das Ganze aber jetzt vor." Julika Ge rlach ergänzt: "Wir wissen zwar nicht, was am Donnerstag entschieden wird, aber wir wollen auf alles vorbereitet sein."

Die Idee, den Steinweg für den Verkehr zu öffnen, um ihn zu beleben, ist nicht neu. Seit Jahren wird immer mal wieder darüber diskutiert. Zuletzt vor der Kommunalwahl. Immer wieder haben sich auch die Geschäftsleute mehrheitlich dafür ausgesprochen, die Fußgängerzone aufzuheben, Autos im Schritttempo hindurchfahren zu lassen und Parkbuchten vor den Läden einzurichten.

Dann ist die städtische Wohnbau den Händlern entgegengekommen und bietet das Parken im Parkhaus Post in der ersten Stunde kostenfrei an. "Das hat uns nichts gebracht", sagt Birgit Ebert, Inhaberin der "Liaison au Chocolat". Sie betreibt vor ihrer Chocolaterie auch Außengastronomie und wünscht sich eine Öffnung des Steinwegs für den Fahrzeugverkehr. Befürchtet sie nicht, dass sich ihre Gäste durch die vorbeifahrenden Autos gestört fühlen? "Nein, das glaube ich nicht", antwortet sie. "In anderen Städten fahren auch Autos an den Leuten vorbei, die vor den Gaststätten sitzen. Das stört dort niemanden."

Sie habe bei ihrem früheren Geschäft in der Ketschengasse erlebt, wie wichtig es ist, mal kurz vor dem Laden halten und ein paar Pralinen oder Schokolade kaufen zu können. "Wenn das nicht geht, kommen gleich weniger Kunden."

Schwierigkeiten bei Anlieferung
Susann Braun, Filialleiterin der Bäckerei Muche, ist ebenfalls dafür, dass zukünftig wieder Autos durch den Steinweg fahren können - obwohl auch vor ihrem Geschäft bei schönem Wetter die Kunden sitzen.

"Es würde uns allen guttun, wenn die Leute bis vor die Läden fahren könnten." Wer nur schnell ein Brot oder ein paar Brötchen bei ihr einkaufen möchte, soll kurz parken können. Ein anderes Problem sei für sie auch die Anlieferung von frischen Backwaren. "Am Morgen bringe ich sie selbst mit, aber mittags muss nachgeliefert werden. Und da haben wir immer wieder Ärger, weil man hier ja nicht parken darf." Tatsächlich endet die Möglichkeit, Waren anzuliefern, im Steinweg um 10 Uhr.

Probephase abwarten
Nicht begeistert von der Vorstellung, dass bald wieder Autos durch die jetzige Fußgängerzone rollen dürfen, ist Yuppadee Rückert. Vor ihrem kleinen thailändischen Imbiss sitzen die Gäste gern in der Mittagszeit. Bei der vorgeschlagenen Einbahnstraßenregelung - Autos dürfen nur von der Heiligkreuzstraße her stadteinwärts fahren - stehen die Tische und Stühle des Imbiss genau in Fahrtrichtung. Ob an dieser Stelle dann noch Außengastronomie möglich ist? Außerdem: Viele Kunden hätten ihr schon gesagt, dass es gerade deshalb so schön sei, bei ihr zu sitzen, weil man in Ruhe und ungestört essen könne, sagt Yuppadee Rückert.

"Mütter können mit ihren Kindern kommen und sich hier aufhalten, ohne behindert zu werden." Doch sie wolle sich nicht vollständig verschließen. "Es soll ja erst einmal eine Probephase geben. Da werden wir sehen, ob es etwas bringt."

Das Kebap-Haus von Bülent Gürel liegt zwar außerhalb des Bereichs, der eventuell für den Verkehr freigegeben werden könnte. Aber wer bei ihm draußen sitzt, bleibt dennoch nicht unberührt davon. Trotzdem ist er für die Freigabe. "Der Steinweg ist tot und ich glaube, dass der Verkehr ihn beleben kann", sagt er.