Afrika bietet Marktchancen: Daran ließ Thomas Silberhorn, Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, am Mittwoch beim Empfang der IHK zu Coburg keinen Zweifel. Afrika verfüge über eine schnell wachsende und junge Bevölkerung, und die Staaten auf dem Kontinent hätten großes Interesse an moderner Technologie, sowohl bei Telekommunikation als auch bei erneuerbaren Energien. "Entwicklungsländer setzen bei der neuesten Technologie an - die werden keine Telegrafenmasten mehr bauen", sagte der CSU-Politiker, der aus Kemmern bei Bamberg stammt. Auch berufliche Bildung nach deutschem Vorbild sei sehr gefragt.


Wirtschaft vor Ort stärken

Die deutsche Entwicklungspolitik sei darauf ausgerichtet, in den jeweiligen Ländern die Wertschöpfung anzukurbeln, versicherte Silberhorn. Der Verkauf von Rohstoffen oder landwirtschaftlichen Produkten allein nütze den afrikanischen Ländern nicht. "Wenn das Geld im Land bleibt und dort investiert wird, ist es ein starkes Signal." Die Entwicklung der Zivilgesellschaft sei unabdingbar, sagte der Politiker: Nur, wenn es Rechtssicherheit und individuelle Freiheiten gebe, könnten Unternehmen auch agieren.

Allerdings haben viele afrikanische Staaten mit Korruption, bewaffneten Konflikten bis hin zum Bürgerkrieg und Armut zu kämpfen. Das mache Investitionen schwierig - mangelnde Rechtssicherheit sei ein großes Hemmnis, niedrige Steuersätze nicht unbedingt eine Empfehlung, sagte Silberhorn. Denn noch werde nach Berechnungen der OECD mehr Geld aus Afrika herausgesogen als die reichen Staaten an Entwicklungshilfe leisten - und so lange sich daran nichts ändere, werden einige der Probleme Afrikas auch Europa erreichen. Denn viele der jungen Leute, die für sich keine Perspektive sehen, zuhause zu etwas Wohlstand zu kommen, versuchen ihr Glück in Europa.

Deshalb hält auch IHK-Präsident Friedrich Herdan es für nötig, dass deutsche - und eben auch Coburger - Firmen in Afrika investieren und dort Arbeitsplätze schaffen. Dass die Coburger Maschinen- und Anlagenbauer sich damit auch neue Märkte erschließen, ist für den Unternehmer allerdings auch nicht zu verachten: Auch die Unternehmen im Kammerbezirk leben zu 51 Prozent vom Export; in der Stadt sind es gar 70 Prozent.

"Wir haben sehr viel zu verlieren, wenn wir nicht aufpassen, aber wir wollen gewinnen", sagte Herdan. Denn der schwächelnde Markt in China, das Embargo gegen Russland und die Unsicherheit nach dem "Brexit" setzen den Unternehmen zu. "Coburger Exporteure sprechen von neuen Handelshemmnissen" wie "überzogenenen Sicherheitsanforderungen" oder Schutzzöllen, berichtete Herdan: "Es ist ein Drama,was da auf uns zu kommt."
Silberhorns Ermutigung, den afrikanischen Kontinent im Auge zu behalten, kam Herdan da nur recht. Vor allem, weil das Ministerium auch wirtschaftliche Zusammenarbeit und den Ausbau der Infrastruktur in den Partnerländern fördert. Zinsgünstige Kredite für solche Projekte brächten immer noch mehr Zinsen als der europäische Finanzmarkt, sagte Silberhorn.