Eine "richtige" Prunksitzung war das natürlich nicht, was die Coburger Narrhalla da am Samstagabend im Internet anbot. Vielleicht trifft es ja die Bezeichnung "Therapiesitzung" etwas besser. Denn: Zwei Stunden lang gab es eine wunderbare Abwechslung zum Alltag, der aktuell eben nicht nur grau, sondern für viele Menschen auch verdammt schwer ist.

So dauerte es am Samstag auch nicht lange, bis sich in den sozialen Netzwerken kritische Stimmen zu Wort meldeten: "Sorry, mir ist zurzeit nicht nach Fasching", schrieb ein Geschäftsmann aus dem Landkreis Coburg. Prompt bekam er Unterstützung von einem Leidensgenossen aus der Stadt: "Ich kämpfe gerade um meine Existenz - wie soll ich da jetzt plötzlich lustig sein?"

Selbstverständlich muss man Verständnis haben für Menschen, denen die Lust auf Frohsinn momentan gründlich vergangen ist. Man kann (und sollte!) das Ganze aber auch aus einem anderen Blickwinkel sehen: Wenn die vereinigten Faschingsnarren es nicht jetzt versuchen würden, die Leute etwas aufzuheitern und abzulenken, wann dann?

Am Ende der Show, die von Daniel Ebert wunderbar moderiert wurde, brachte es eine Zuschauerin sehr gut auf den Punkt: "Danke, dass ihr uns daran erinnert habt, dass es noch etwas Anderes gibt als Corona!" Dabei wurde dieses vermaledeite Virus gar nicht komplett ausgeblendet - zumal sich bei aller Ernsthaftigkeit der Lage doch etwa Witze über den omnipräsenten Karl Lauterbach geradezu aufdrängen. Wie sagten es die "Schmalzbuam" aus Meeder so schön: "Auch Corona kriegt uns nicht klein, wir werden immer närrisch sein."

Ein Phänomen, das am Samstagabend ebenfalls zu erkennen war, lässt sich vielleicht als "die Kraft des Karnevals" umschreiben. Richtig stark war es nämlich, dass es zahlreiche Live-Schalten zu befreundeten Vereinen gab. Und egal, ob die in Frohnlach, Suhl oder Hennef bei Köln saßen: Ihnen allen war große Dankbarkeit anzumerken, endlich mal wieder einen Auftritt zu haben - und wenn es eben statt auf einer richtigen Bühne nur kurz vor einer Kamera war. Gleiches galt für die vielen Comedians, die Grußworte nach Coburg schickten. Wohlgemerkt: Es waren keine Standard-Grußworte, sondern jeder ließ sich etwas Besonderes einfallen. Bei Sebastian Reich ging es darum, was denn "das A und O" von Coburg sei. Während Sebastian Reich auf das Narrhalla-Prinzenpaar Antje und Oli tippte, dachte sein Nilpferd an "Amanda und Oli".

In kurzweiligen Gesprächsblöcken kamen unter anderem Narrhalla-Präsident Thomas Eck ("Das hier ist eine grandiose Sache!"), sein Vize Stefan Unglaub ("Idis Ahoi!") sowie der Tausendsassa Alex ("Coburg, Helau!") zu Wort. Eingespielt wurden Videos von besonderen Auftritten vergangener Prunksitzungen sowie - ganz frisch produziert! - eine neue Ausgabe der legendären Taxi-Bütt von Thomas Eck und Pitt Kammerscheid.

Von wie vielen Zuschauern die Show am Samstagabend verfolgt wurde, lässt sich nur grob abschätzen. Die Live-Abrufe bei YouTube lagen konstant im Bereich von 400. Dazu kamen noch etwa 200 Aufrufe bei Facebook. Davon ausgehend, dass vor jedem Fernseher oder Computer im Durchschnitt aber weit mehr als nur eine Person saß, dürfte die Gesamtzahl der Zuschauer weit über tausend betragen haben. Außerdem: Die Show kann nach wie vor über YouTube angeschaut werden - am Sonntagnachmittag war dort nachzulesen, dass das entsprechende Video bereits 5000 mal aufgerufen worden ist. Im Gespräch mit dem Tageblatt zog Faschingsprinz Oli I. deshalb auch eine positive Bilanz: "Ich denke, wir haben viele Menschen glücklich gemacht!" Und ob! Mit anderen Worten könnte man auch sagen: Die zweistündige Therapiesitzung hat die gewünschte Wirkung erzielt. Und das, obwohl der verantwortliche Ober-Therapeut noch nicht einmal einen Doktor-Titel hat... (Ist aber auch besser so - denn sonst würde bei Thomas Eck ja "Dr. Eck" auf dem Klingelschild stehen!)