Freitage haben's in sich: An einem Freitag (den 13.) verkündeten drei SPD-Stadtratsmitglieder die Trennung von ihrer Fraktion, an einem Freitag drei Wochen später teilen die Ratsmitglieder von CSU und Jungen Coburgern (JC) mit, dass sie nun zusammengehen wollen.

Wobei die JC ihre enge Verbindung zur CSU nie leugnen konnten: Kurt Knoch ist in der Partei aktiv, Maximilian Forkel in der Jungen Union. Und der vormalige JC-Stadtrat René Boldt dient der Partei als Kreisgeschäftsführer.

Vor einem Jahr noch hatten es die Jungen Coburger jedoch abgelehnt, mit der Fraktion der Mutterpartei zusammenzuarbeiten - was ihnen einen öffentlichen Rüffel des Bundestagsabgeordneten Hans Michelbach (CSU) einbrachte.

Doch nun geht zusammen, was zusammengehört - und zwar mit Freuden, wie aus der gemeinsamen Presseerklärung hervorgeht. "Mit der neuen CSU/JC-Fraktion sind wir noch schlagkräftiger. Während andere sich trennen, ziehen wir für Coburg gemeinsam an einem Strang. Wir bestehen aus zwölf starken Persönlichkeiten, die als Team etwas für Coburg bewegen. Die beiden JC-Stadträte sind eine echte Bereicherung für unsere inhaltliche Arbeit", wird Jürgen Oehm zitiert, der bisherige Vorsitzende der CSU-Fraktion. Kurt Knoch verweist auf den größeren Einfluss, den die zwei Jungen Coburger nun über die größere Fraktion in der Stadtpolitik haben. Den könne die vierköpfige Ausschussgemeinschaft nicht erreichen. Die JC hatten sich zu Beginn der Wahlperiode im Mai 2014 mit Hans-Heinrich Eidt (FDP) und Klaus Klumpers (ÖDP) zusammengetan.

Neue Ausschussbesetzung?

Die Fraktion von CSU/JC ist nun die größte im Stadtrat mit zwölf Mitgliedern - die SPD hat nach der Spaltung nur noch elf. Auf die Verteilung der Senatssitze wirkt sich das nicht zusätzlich aus: Dass die SPD in allen achtköpfigen Senaten einen Sitz zugunsten der neuen Fraktion "Sozial und bürgernah für Coburg" (SBC) verliert, steht schon seit drei Wochen fest. Zusammen mit René Hähnlein (Linke) als Vorsitzendem bilden die drei Abweichler eine vierköpfige Fraktion.

Kniffliger wird es bei den kleineren Gremien: Hier hatte sich die Ausschussgemeinschaft (JC, FDP, ÖDP) mit der Wählervereinigung Pro Coburg (WPC) zusammengetan. So erhielt Klaus Klumpers einen Sitz im Rechnungsprüfungsausschuss, Hans-Heinrich Eidt gehört der Verbandsversammlung des Krankenhauses an.

Ob auch die Aufsichtsräte von Unternehmen, die der Stadt gehören oder an denen sie beteiligt ist, neu gewählt werden müssen, werde noch geprüft, sagt Willi Kuballa, Rechtsdirektor der Stadt. So sitzt Max Forkel dank der Unterstützung der WPC im Aufsichtsrat der SÜC.

Politische Ziele

Doch von solchen Personalüberlegungen ist in der gemeinsamen Presseerklärung keine Rede. Dort geht es um Politik und was die Partner gemeinsam erreichen wollen, denn in wesentlichen Punkten seien sie sich einig: dem demografischen Wandel entgegentreten, das "Band der Wissenschaft, Technik und Design" am Güterbahnhof ausbauen, Familien fördern, Innenstadt stärken, "Marke Coburg" ausbauen (unter anderem durch den Bau eines Kongresshotels), Verkehrskonzepte (hier werden eine Schlossplatztiefgarage und Parkplätze am Bahnhof genannt sowie der Ausbau der Elektromobilität) und die Stadtfinanzen sanieren.

Trotz der Zusammenarbeit planen die JC offenbar, bei der Kommunalwahl 2020 wieder mit einer eigenen Liste anzutreten. "Der Wähler wird in fünf Jahren die Gruppierungen an den erreichten Ergebnissen messen", wird Max Forkel zitiert. "Dass wir in der neuen Konstellation mehr erreichen können, wird somit auch der JC-Liste helfen."


Im Wortlaut: Was CSU/JC gemeinsam erreichen wollen

"- Demografischem Wandel entgegentreten durch Attraktivitätssteigerungen Coburgs als Wirtschaftsstandort und als Lebensmittelpunkt. Besonders in der weiteren Stärkung der Hochschule sehen wir den Schlüssel zur Lösung vieler demografischer, wirtschaftlicher und städteplanerischer Herausforderungen. Coburg muss als Hochschul- und Studentenstadt erlebbar sein.

- Band für Wissenschaft, Technik und Design konsequent vorantreiben. Das zukunftsweisende Vorhaben soll Hochschule, Wirtschaft und Stadt optimal miteinander verbinden - ,von der Brache zum Kreativstandort‘.

- Familien fördern. Nachdem der quantitative Kindertagesstättenausbau erfolgte, muss nun die qualitative Steigerung im Fokus stehen. Bildung darf uns nicht erst ab der Hochschule, sondern bereits bei den Kleinkindern etwas wert sein.

- Innenstadt stärken. Auf den richtigen Mix von Handel und Wohnraum kommt es an. Die anstehende Sanierung des Gebiets Steinweg/Lohgraben/Hindenburgstraße bietet hierfür eine besondere Chance. Unter anderem sollte hier junges Wohnen ermöglicht werden. Eine Fußgängerfrequenzsteigerung soll durch eine attraktive Verbindung zwischen Parkhaus Post/ Kaufhof und Steinweg erreicht werden. Zudem soll die bessere Wahrnehmbarkeit der Coburger Gewässer - besonders der Itz - zur Belebung und Bereicherung der Innenstadt beitragen. Auch die städtebauliche Aufwertung des Lohgrabens mit dem Element Wasser soll geprüft werden.

- ,Marke Coburg‘ ausbauen. Wir wollen Kongresse und Touristen in unsere Stadt holen u.a. durch die Verwirklichung eines Kongresshotels.

- Verkehrskonzepte mit Weitblick fortentwickeln - u.a. auch in Bezug auf die Schaffung nötiger Parkplätze z.B. zur Erschließung der östlichen Innenstadt (Schlossplatztiefgarage) und des Bahnhofs sowie zur Förderung der E-Mobilität.

- Finanzen sanieren. Unser Ziel ist eine ausgeglichene Haushaltsplanung die nachhaltig gesichert wird, damit auf Dauer die Leistungsfähigkeit und Unabhängigkeit unserer Stadt erhalten bleibt. ,Keine Schulden für unsere Kinder!‘"