Jonas Geissler tritt bei der Bundestagswahl im September als Direktkandidat der CSU im Wahlkreis Coburg/Kronach an. Der 36-Jährige wurde am Samstag bei einer Versammlung im Fußballstadion des VfL Frohnlach nominiert. Für den Kronacher Geissler stimmten 88 Delegierte, für René Boldt (Coburg) 68 - auf den weiteren Bewerber Michael Schulz (ebenfalls Coburg) entfielen nur vier Stimmen.

Das Ergebnis war insofern überraschend, weil die Kreisverbände Coburg-Stadt und Coburg-Land über eine Mehrheit in der Delegiertenversammlung verfügen und deshalb in der Vergangenheit immer den Bundestagskandidaten gestellt haben. Jonas Geissler hat somit "Historisches" geschafft, wie so mancher im Lager der Kronacher CSU stolz feststellte: Erstmals gibt es einen Kandidaten - und damit vielleicht auch erstmals einen CSU-Bundestagsabgeordneten - aus der Lucas-Cranach-Stadt.

Geissler selber wollte seinen Erfolg nicht ganz so hoch hängen. Auf die Frage, wie wichtig seine Nominierung für das Selbstbewusstsein der Kronacher sei, antwortete er unserer Zeitung: "Ja, das ist schon wichtig - obwohl: Wir Kronacher sind doch eher bescheiden!" Ebenso war es Geissler ein Anliegen, sofort zu betonen, dass er nicht "der Kronacher Kandidat" sei, sondern "der Kandidat für Kronach und Coburg". Seinem unterlegenen Hauptkonkurrenten René Boldt hatte er ohnehin gleich ein Angebot gemacht: "René, ich bitte Dich darum, dass wir gemeinsam Wahlkampf machen!"

Boldt wiederum sagte auf Anfrage: "Natürlich bin ich enttäuscht." Aber: "Gegen einen Jonas Geissler kann man guten Gewissens verlieren." Denn dieser sei "ein starker Kandidat".

Die Sache mit der Semmel

Stark war vor allem auch die Bewerbungsrede von Geissler, der von der Kronacher Bürgermeisterin Angela Hofmann sowie vom Kronacher Landrat Klaus Löffler offiziell vorgeschlagen wurde. Geissler erzählte nicht nur von seiner Oma, die für ihn prägend war, sondern auch, dass er einst als 18-Jähriger ein Praktikum im Bundestagsbüro von Hans Michelbach absolvierte. Entsprechend demütig sei er. "Hans Michelbach hinterlässt große Fußstapfen!"

Doch auch Geissler kann mittlerweile einiges vorweisen: Seit zehn Jahren ist er Vorsitzender der Jungen Union Oberfranken, er ist Fraktionsvorsitzender im Kronacher Stadtrat und er arbeitet als Referent im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr.

Geissler räumte ein, dass es zwischen Coburg und Kronach einiges Trennendes gebe - "zum Beispiel, dass wir die Semmel für die Bratwurst anders aufschneiden!" Doch er stehe "für die Einheit und die Zukunft unserer Region", die er "traditionsbewusst und weltoffen, sozial und marktwirtschaftlich" mitgestalten wolle.

René Boldt war vom Coburger Landrat Sebastian Straubel vorgeschlagen worden. Er gab ebenfalls Einblicke in seine Gefühlswelt: "Meine Töchter sind für mich die private Motivation, daran zu arbeiten, dass auch nachfolgende Generationen bestmögliche Lebens- und Arbeitschancen in unserer tollen Region haben."

Insgesamt präsentierte er sich aber deutlich mehr als der klassische Parteisoldat, indem er zum Beispiel gleich mal ein paar Attacken gegen die Grünen und deren "ideologische Ökopolitik" ritt. Indirekt bekam auch sein interner Coburger Kontrahent Michael Schulz einen Seitenhieb: Denn Boldt bedankte sich in seiner Rede ausdrücklich nur bei Jonas Geissler für das "faire Miteinander" in den vergangenen Wochen und Monaten. Schulz dankte er nicht.

Viele weitere Hintergründe zur Wahl sowie eine Analyse der überraschenden Entscheidung lesen Sie am Montag im Coburger Tageblatt und im Fränkischen Tag/Kronach.