Die Stadt Coburg hat reichlich Geld auf der gerne zitierten hohen Kante und geht dennoch mit einer sehr bedenklichen Hypothek ins neue Jahr. Denn noch immer ist der Inzidenzwert irritierend hoch. Schlimmer noch: Nach wie vor ist unklar, was die genaue Ursache ist. Die Stadt spricht weiterhin von einer diffusen Corona-Lage und hat deshalb die geltenden Auflagen kurz vor Jahresende nochmals verschärft. Doch reicht das wirklich, um die Situation nachhaltig zu verbessern?

Zweifel sind angebracht - auch ganz grundsätzliche Zweifel, ob die Stadt Coburg die richtige Strategie gewählt hat im Kampf gegen das tückische Virus.

Was ist bislang geschehen? Wie viele andere Kommunen, wie die Politik auf Landes- und Bundesebene hat die Stadt vor allem darauf gesetzt, die jeweils geltenden Auflagen zu proklamieren und an die Bürger zu appellieren, diese Auflagen einzuhalten. Doch genügt das wirklich?

Längst ist doch klar, dass Auflagen, Verbote und Appelle nicht ausreichen, um die anhaltende Verbreitung des Virus wirksam einzudämmen. Das kann nur gelingen, wenn möglichst viele Bürger überzeugt sind von den Richtigkeit und Wirksamkeit dieser Auflagen und Einschränkungen. Das freilich funktioniert mit monotonen Appellen in bestem Behörden-Tonfall und mit scheppernden Lautsprecher-Durchsagen ganz gewiss nicht. Längst fühlen sich viele Bürger auch in Coburg nicht mehr wirklich mitgenommen auf dem schwierigen Weg aus der Corona-Krise.

Rückblende

Im Frühjahr war die Wahrnehmung trotz des harten Lockdowns anders. Da wirkte das Handeln der Stadt entschlossen, umsichtig und besonnen. Bemerkenswert auch deshalb, weil die Stadt in dieser Ausnahmesituation erst noch eine kommunale Stichwahl um die Besetzung des Oberbürgermeister-Postens und anschließend einen Generationenwechsel an der Stadtspitze von Norbert Tessmer zu Dominik Sauerteig zu bewerkstelligen hatte.

Was aber ist in der Zwischenzeit passiert? Warum gab es keinen groß angelegten Versuch, den Kampf gegen das Corona- Virus wirklich als eine Herausforderung sichtbar werden zu lassen, die definitiv nur gemeinsam bewältigt werden kann? Dass dies funktionieren kann, beweist eine Blick auf andere Städte mit derzeit deutlich besseren Inzidenzwerten wie zum Beispiel im westfälischen Münster.

Dort ist der Inzidenzwert gerade auf unter 100 gesunken -

durchaus vorstellbar, dass dieser Umstand damit zu tun hat, dass die Stadt Münster mit sichtbarem Nachdruck um die Solidarität der Bürger wirbt, beispielsweise auch anschaulichen Bildmotiven auf virtuellen Kanälen.

Woran liegt es, dass im nahe gelegenen Bamberg der Inzidenzwert zum Jahreswechsel laut Robert-Koch-Institut (RKI) bei 51,7 lag?

Kampagne mit Hochschule?

Konkret gefragt: Wurde in Coburg auch über Optionen nachgedacht, mit groß angelegten Öffentlichkeits-Maßnahmen die Bürger wirksamer zu erreichen als mit bloßen Appellen und Hinweisen? Sichtbar geworden ist in dieser Hinsicht jedenfalls fast nichts - außer einer prima Plakataktion von der Fachstelle der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Coburg, die unter dem Motto "Danke fürs Tragen" für die Benutzung von Mund-Nase-Masken warb.

Doch auf große Plakatwändehat es diese vorbildliche Aktion leider nicht geschafft. Dabei gäbe es doch direkt vor Ort viele Möglichkeiten. Schließlich hat die Hochschule mit ihrem Design-Campus schon oft gezeigt, welches kreative Potenzial hier besteht. Schwer vorstellbar, dass eine groß angelegte gemeinsame Öffentlichkeits-Kampagne von Stadt und Hochschule keine deutlich spürbare Wirkung gezeigt hätte.

Natürlich geht es hier nicht um Schuldzuweisungen, zumal nach wie vor unklar ist, welche Faktoren letztendlich zum beängstigenden Anstieg der Inzidenzwerte in Coburg geführt haben. Beim Kampf gegen das Corona-Virus geht es natürlich um medizinische Fakten und virologische Erkenntnisse, aber letztlich eben auch um öffentlich sichtbare Symbole.

Neujahrs-Appell

Dass sich Coburgs junger Oberbürgermeister Dominik Sauerteig nach einem sehr anstrengenden Arbeitsjahr jetzt im ersten Urlaub als Amtsträger befindet, ist natürlich durchaus nachvollziehbar. Dass derzeit jedoch die einzigen offiziellen schriftlichen Statements der Stadt zur Verschärfung der Corona-Auflagen mit Zitaten des Stadt-Pressesprechers versehen sind, ist jedenfalls ein Signal, über das man sehr unterschiedlicher Meinung sein kann.

Mit einer kurzen Neujahrsansprache meldete sich Sauerteig auf der Facebook-Seite der Stadt schließlich doch zu Wort. Darin zeigte er sich optimistisch, dass der Einfluss der Corona-Krise auf das tägliche Leben "immer mehr abnehmen wird." Auch mit Blick auf die Arbeit im Impfzentrum hoffe er, "dass wir Stück für Stück in ein normales Leben zurück finden können."

Miteinander und füreinander

Eindringlich appellierte Sauerteig an die Bürger: "Bitte unterstützen Sie auch weiterhin unsere heimische Wirtschaft. Kaufen Sie in den hiesigen Läden und nicht im Internet. Auf sie kommt es an, wenn wir nach Corona nicht in eine verödete Innenstadt zurückkehren wollen." Dabei komme es "auf jeden Einzelnen" an. "Miteinander und füreinander kommen wir weiter gut durch diese Zeit und machen aus dem neuen Jahr ein besseres." Das genau wünschen auch wir Coburg.