Das hatte René Hähnlein nicht erwartet: Für einen Brief an den Brose-Gesellschafter Michael Stoschek auf seiner Facebookseite und seiner Homepage bekam er nur Zuspruch - unter anderem vom SPD-Stadtverbandsvorsitzenden und vom Vorsitzenden der jungen Union. "Allein auf meine Homepage gab es 629 Zugriffe in 24 Stunden, sonst sind es zwischen 40 und 50", sagt René Hähnlein.

Worum geht es? Michael Stoschek hatte im Jahr 2004 die Entscheidung getroffen, "sein öffentliches Engagement in Coburg zu beenden". Grund dafür war die Weigerung des Stadtrats, die Von-Schultes-Straße in Max-Brose-Straße umzubenennen. Die Ablehnung war damals mit der NS-Nähe Max Broses im Dritten Reich begründet worden.

Sein Enkel Michael Stoschek spricht nun von einer Unterstellung und davon, dass der damalige Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) den negativen Bescheid forciert habe.
Vom neuen Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) und dem Stadtrat erwartet der Brose-Gesellschafter nun eine Entschuldigung. Erst dann sei er wieder bereit, die 2004 getroffene Entscheidung zur finanziellen Enthaltsamkeit zu revidieren, wie eine Brose-Sprecherin dem Tageblatt bestätigte.

Bitte um Gespräch

René Hähnlein war zur Zeit der Auseinandersetzung noch kein Stadtratsmitglied und ist demzufolge über die Details nicht ausreichend informiert, um sich ein Bild machen zu können, wie er es formuliert. Deshalb hat er an Michael Stoschek einen Brief geschrieben und ihn um ein Gespräch gebeten.

Gleichzeitig weist der Stadtrat der Linken darauf hin, dass er während der DDR-Zeit politischer Häftling war, also Vorverurteilungen und Rufschädigung aus eigenem Erleben kenne. Um eine Klärung herbeizuführen, könne er sich vorstellen, "den Themenkomplex auf die Tagesordnung des Coburger Stadtrates zu setzen", schreibt René Hähnlein in seinem Brief. "

Dazu ist es allerdings unerlässlich, dass ich mich im Vorfeld über die Vorgänge und auch die nicht zwingend öffentlich bekannten Details informiere. Soweit mir dies anhand der mir zugänglichen Unterlagen der Stadtverwaltung möglich ist, werde ich mir hier schnellstmöglich ein umfassendes Bild der Situation machen." Gerade Volksvertreter sollten besonders sorgfältig und sensibel vorgehen, wenn es um Lebenswerk und Ruf von Bürgern geht.

Von Michael Stoschek habe er noch keine Antwort bekommen. "Damit rechne ich eigentlich auch gar nicht", stellt René Hähnlein fest.

Der Vorsitzende der Jungen Union, Max Forkel, schreibt auf Facebook zum Brief: "Freut mich sehr, dass Du auch mit aufs pringst! Schön, dass wir trotz komplett (unterschiedlicher) politischer Richtungen hier wieder eine gleiche Meinung haben: Es geht um das Wohl unserer Stadt!" Und der Vorsitzende des SPD-Stadtverbands, Stefan Sauerteig, lobt: "René, super sachliche Herangehensweise, wie es sich für jemanden auch gehört, der 2004 noch nicht dabei war."