Viele Menschen möchten in diesen Tagen wissen, ob sie mit dem Corona-Virus infiziert sind oder waren. Einen Corona-Test zu bekommen, ist jedoch nicht einfach. Aber es gibt ja auch die Antikörper, die jeder Infizierte im Blut haben könnte. Die Antikörper nachzuweisen, das verspricht die Modl-GmbH aus Pappenheim im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen.

Auch im Coburger Land war ein Termin angesetzt. Am heutigen Samstag sollte im Landhotel Steiner in Großheirath getestet werden. Doch am Donnerstag sagte das Unternehmen den Termin kurzfristig ab - man habe nicht ausreichend werben und die Coburger nicht auf die Tests aufmerksam machen können, so die offizielle Begründung.

In 15 Minuten Klarheit?

"Die Firma Modl hat uns nach Räumlichkeiten gefragt und das Projekt vorgestellt. Ich hielt es für eine gute Idee, dass jeder, der Gewissheit will, sich auf Antikörper testen lassen kann", sagt Antje Steiner, Geschäftsführerin des Landhotels. Also sagte sie den Mittelfranken zu, Geld verlangte sie nicht: "Wir haben ein großes Areal, abhängig vom Wetter hätten man draußen oder in einem separierten Raum testen können", so Steiner.

Modl hat etwa 150 Mitarbeiter und ist eigentlich in den Bereichen Energie und Mechatronik aktiv. Seit Corona gehören aber auch Schutzmasken, medizinische Schutzkleidung, und sogar Covid-19-Antikörper-Tests zum Angebot. Erwachsene, die sich testen lassen, zahlen 36 Euro, eine vierköpfige Familie, so das Versprechen, würde für 128 Euro erfahren, ob jemand Antikörper im Blut hat. Innerhalb von 15 Minuten sollen die getesteten Personen das Ergebnis bekommen - aufs Handy oder direkt vor Ort.

Auf der Homepage des Unternehmens können sich Interessierte kostenpflichtig anmelden. Derzeit möglich ist die nicht stornierbare Anmeldung noch für kommenden Mittwoch. Am 19. August testet Modl in den Räumen einer Erlanger Firma. Für Coburg war eine Registrierung noch am Freitagmittag freigeschaltet.

"Testung auf Antikörper sinnlos"

Mediziner aus der Region Erlangen halten von dieser Art von Tests allerdings nicht viel. Für Prof. Dr. Christian Bogdan, Direktor des Mikrobiologischen Instituts der Uniklinik Erlangen, hat "die routinemäßige Testung der Normalbevölkerung auf Antikörper gegen SARS-CoV2 keinen Sinn".

Der Nachweis von Antikörpern bedeute nicht, dass die betreffende Person dauerhaft vor dem Corona-Virus geschützt ist, erklärt Bogdan auf Anfrage. Es sei sogar so, dass aus einem positiven Test nicht abgeleitet werden könne, dass der Patient überhaupt vor einer Covid-19-Infektion geschützt ist.

Die Tests, wie sie auch von der Pappenheimer Firma angeboten werden, würden zudem nicht das Vorhandensein von virusneutralisierenden Antikörpern nachweisen, so Bogdan. Der Erlanger Institutsdirektor warnt, Menschen könnten aus dem möglichen Nachweis von Antikörpern sehr schnell den eventuell falschen Schluss ziehen, sie seien geschützt und würden dann auf Hygienemaßnahmen verzichten. Das würde eine falsche Reaktion auslösen.

Die von einem kanadischen Unternehmen stammenden Tests sind in Europa zugelassen. Bogdan und seine Kollegen sehen sie dennoch"wissenschaftlich sehr kritisch", da die Fehlerquote relativ hoch sei.

Abzocke oder guter Zweck?

Für Bogdan scheint dieses Testangebot eines der vielen Beispiele der vergangenen sieben Monate zu sein, wo Firmen plötzlich über Covid-19 neue Tätigkeitsfelder und Einkünfte generieren. Der ärztliche Leiter des Kreiskrankenhauses St. Anna in Höchstadt, Dr. Martin Grauer, kann einem solchen Antikörper-Test ebenfalls nicht viel Positives abgewinnen. Das Höchstadter Krankenhaus führe zwar auch Antikörper-Tests durch, beworben werden sie aber nicht. "Wir raten eher ab", sagt Grauer.

Nützen würden solche Tests in erster Linie dem, der sie anbietet. Noch seien Antikörpertests "nicht standardisiert". Vernünftige Tests erwartet er erst in einigen Monaten.

"Tests zum fairen Preis"

Nicole Modl, Geschäftsführerin des Mittelstandsunternehmen hält von solchen Zweifeln nicht viel. "Der Test hat sehr hohe Werte, was Sensitivität und Spezifität angeht", sagt Modl.

Im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen gebe es Ärzte, die bis zu 139 Euro für denselben Test verlangen. "Ich weiß, was der Test im Einkauf kostet. Unsere medizinische Sparte ist noch jung, wir wollen einen Test zum fairen Preis anbieten", erklärt Modl.

Zwei Termine führte Modl bislang durch - im heimischen Pappenheim sowie in Ansbach. "Die Nachfrage war da und die Menschen waren froh, Gewissheit zu haben", sagt Modl. Ein Teil der Einnahmen komme lokalen Tierheimen zugute, "damit jeder etwas davon hat. Die Getesteten bekommen eine Antwort, der Tierschutz finanzielle Hilfe", so Modl, die weiterhin Tests für die Allgemeinheit anbieten will: "Wir planen weitere Termine, gerne auch in Coburg", sagt Modl.

Im Regiomed Klinikum Coburg spielen Antikörpertests indes keine Rolle. Es wird nur auf akute Corona-Infektionen getestet. "Als in Bayern wegen der Corona-Pandemie der Katastrophenfall ausgerufen wurde, haben wir eine Abstrichstelle eingeführt. Von Antikörpertests weiß ich bei uns nichts", sagt Kliniksprecher David Schmitt.