Auf Anregung des Architekten Jan Glasmeier bauten neun Architekturstudierende der Hochschule Coburg zusammen mit ihren Dozenten Prof. Dr. Rainer Hirth und Sebastian Stößel Schlafhäuser für insgesamt 50 Jungen und Mädchen der Bwe K`lar School im Flüchtlingsort Mae Ku, im Norden Thailands. Die Kinder stammen aus Myanmar und sind zum Teil Waisen und unbegleitet oder mit ihren Eltern geflohen.

Eine der Studierenden der vom Innovationsfonds der Hochschule unterstützten Projektgruppe: Leonie Schwarz. Die junge Studentin (8. Semester) nahm Ende 2019 an einem sogenannten Stegreif, einem kleinen Architekturwettbewerb, teil und konnte mit ihrem Entwurf überzeugen. Im Interview berichtet sie von den Freuden und Herausforderungen ihrer Reise.

Frau Schwarz, im Oktober 2019 nahmen Sie an einem Stegreif teil, für den Sie und Ihre Kommilitoninnen innerhalb von drei Tagen Entwürfe erarbeiteten. Das Thema: "Schlafhäuser für eine Schule in dem Flüchtlingsort Mae Ku". Ihre Arbeit wurde zum Sieger gekürt, jetzt sind die beiden Schlafhäuser nach Ihren Plänen bereits gebaut. Was ist das für ein Gefühl?

Leonie Schwarz: Das ist total verrückt! Ich habe es noch gar nicht richtig realisiert. Alles passierte so schnell: Anfang Oktober habe ich mich an dem Stegreif beteiligt und zwei, drei Wochen später kam auch schon mein Dozent Professor Dr. Hirth auf mich zu und berichtete, dass wir den Entwurf tatsächlich umsetzen. Im Februar, zum Ende des Semesters, sind wir dann nach Thailand geflogen und haben die Schlafhäuser aufgestellt. Ich kann es gar nicht richtig beschreiben. Es ist schließlich kein normales Projekt, denn wir haben diese Häuser für die Kinder gebaut. Und damit ist so viel mehr verbunden, als dass nur ein Entwurf umgesetzt wurde. Wir haben diesen Kindern ein neues Zuhause geschenkt, das von ihnen sehr gut angenommen wird. Wie sehr sie sich darüber gefreut haben, wie dankbar sie sind und das auch zeigten - das kann man kaum in Worte fassen.

Was hatten Sie auf Ihrer Reise nach Mae Ku außer den Bauplänen noch mit im Gepäck?

Das Material, das wir für den Bau brauchten, haben wir vor Ort gekauft. Dennoch nahmen wir einiges von zuhause mit. In meinem Koffer lagen zwischen dem Handgepäck auch Maßstäbe und Cutter. Meine Kommilitoninnen und Kommilitonen hatten Stichsägen und mehrere Hammer dabei. Wir waren am Anfang nicht ganz sicher, ob wir all das tatsächlich mitnehmen dürfen, aber es hat geklappt.

Wie gestaltete sich während Ihres Aufenthalts Ihr Tagesablauf?

Wir waren eigentlich fast jeden Tag auf der Baustelle. Nach dem Frühstück wurden wir direkt dorthin gebracht. Mittags haben die Kinder und ihre Lehrerinnen zusammen für uns gekocht: traditionelles thailändisches Essen, immer vegetarisch und nicht zu scharf (lacht). Und nach der Arbeit sind wir oft Essen gegangen, saßen noch zusammen in unserer Unterkunft und haben die Abende gemeinsam verbracht.

Mit welchen Herausforderungen sahen Sie sich konfrontiert?

Unser Team bestand aus Studierenden und zwei Lehrenden, wir sind keine professionellen Handwerker. Das heißt, wir sind auf die Baustelle gefahren und haben einfach drauf los gebaut. Wir sahen uns natürlich immer mal wieder Situationen gegenüber, bei denen wir nicht wussten, wie wir damit am besten umgehen.

Es gab auch mal ein paar Probleme, zum Beispiel weil wir nicht das passende Material bekommen haben oder uns das richtige Werkzeug fehlte. Wir haben uns als Team dann immer zusammengesetzt, darüber geredet und nach einer Lösung gesucht. Das Ergebnis kann sich meiner Meinung nach sehen lassen: Wir haben ein Haus komplett fertigstellen können und beim zweiten den Rohbau übergeben. Diesen haben die drei Handwerker, die uns vor Ort unterstützten, nach unserer Abreise zusammen mit einem Lehrer und dem Schulleiter zu Ende gebaut.

Sie waren eine von zwei Studierenden aus dem siebten Semester Architektur. Alle anderen Studierenden befanden sich in ihrem ersten Semester und besitzen keine handwerklichen Vorkenntnisse. Wie muss man sich die semesterübergreifende Arbeit im Team vorstellen?

Ich finde, es hat überhaupt keinen Unterschied gemacht. Wir waren in einem anderen Land, dort waren viele Abläufe sowieso verschieden, alles ist irgendwie neu. Dadurch hatte niemand einen Vorteil einem anderen gegenüber. Wir haben alle wirklich gut als Team funktioniert und sind richtig zusammengewachsen. Alle waren motiviert und jeder hat seinen Teil zum Gelingen beigetragen. Das Ziel war immer vor unseren Augen, nämlich die Häuser fertig zu stellen. Und das hat letztlich auch geklappt.

Die Idee zum Bau der Hütten kam ursprünglich von Jan Glasmeier, einem Architekten, der seit vielen Jahren immer wieder nach Thailand kommt und dabei hilft, mit Spendengeldern Bauprojekte umzusetzen. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm und seinen Kolleginnen und Kollegen vor Ort?

Das lief sehr gut. Jan Glasmeier hatte noch eine andere Baustelle in der Nähe, um die er sich natürlich kümmern musste. Dennoch hat er uns fast jeden Tag auf die Baustelle gebracht und auch wieder abgeholt. Er stand uns immer mit Rat und Tat zu Seite, ob es um Materialbeschaffung ging oder um Hilfe bei der Kommunikation, zum Beispiel mit der Schulleitung. Auch die drei Arbeiter, von denen ich schon sprach, hat er für uns akquiriert.

Das Gespräch führte Franziska Koch.