"Keine Krankheitserreger." Auf diese knappe Formel brachte am Freitagvormittag ein Sprecher des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) das Untersuchungsergebnis. Ein Speziallabor des LGL hatte ein weißes Pulver untersucht, das am Mittwoch in einem Briefumschlag gefunden wurde, der im Coburger Justizgebäude einging. Neben dem Pulver befand sich in dem Umschlag ein Zettel mit einem Totenkopfsymbol.

Gefährlich war die Substanz offenbar nicht. Um welchen Stoff es sich nun handelt, "wird noch ermittelt", sagt Christian Pfab, Leiter der Staatsanwaltschaft Coburg. Denn Coburg war nicht der einzige Justizstandort, der am Mittwoch verdächtige Post erhielt. In einigen Fällen wurde das weiße Pulver bereits als Puderzucker identifiziert, und natürlich würden die Ermittlungsbehörden deutschlandweit zusammenarbeiten und ihre Ermittlungsergebnisse austauschen, um den oder die Täter zu finden sagt Alexander Czech, Pressesprecher der Polizeidirektion Oberfranken. Denn auch, wenn die Substanz offenbar nicht gefährlich war: Auch das Vortäuschen einer Straftat oder die Störung des öffentlichen Friedens können strafbar sein.

Seitdem klar ist, dass der Briefumschlag keine Krankheitserreger enthielt, können die Räume der Poststelle im Justizgebäude wieder genutzt werden, sagte am Freitag der Coburger Landgerichtspräsident Anton Lohneis. Die Poststelle war am Mittwoch luftdicht abgeriegelt worden, nachdem das Pulver von der Feuerwehr sichergestellt worden war. Auch die drei Mitarbeiter, die mit dem Pulver in direktem Kontakt gekommen waren, seien wieder im Dienst.


Richtlinen für Behörden

Bayerische Behörden sollen ihre Mitarbeiter im Umgang mit möglichen Gefahren schulen und Vorkehrungen treffen, die den örtlichen Gegebenheiten angemessen sind, heißt es in der Richtlinie zum Behördenselbstschutz aus dem Jahr 2004. Außerdem hat die Staatsregierung Merkblätter herausgegeben, wie mit verdächtigen Briefsendungen, Gegenständen oder mit Drohungen umzugehen ist.

Lohneis lobte das "professionelle Vorgehen" von Polizei und Rettungsdiensten, die auf den Alarm hin rasch eingetroffen waren. Das habe er als beruhigend empfunden, ebenso wie die Tatsache, dass die Angelegenheit von Polizei, Feuerwehr und Notärzten ernst genommen wurde. Auch, wenn sich jetzt herausgestellt habe, dass die Substanz harmlos war: "Rückblickend war der Aufwand vielleicht gewaltig. Aber macht man es nicht, ist es auch nicht in Ordnung."

Im Vergleich zu anderen Orten, wo Gebäude abgeriegelt wurden oder ABC-Züge mit 18 Fahrzeugen und 70 Mann anrückten, wirkt der Coburger Aufwand bescheiden: Die Coburger Feuerwehr war mit zwei Fahrzeugen und zehn Mann vor Ort, Rotes Kreuz und ASB schickten Rettungsfahrzeuge und zwei Notärzte, hinzu kamen Polizisten in Uniform und in Zivil.

"Entscheidend ist in so einem Fall, was die Ärzte sagen", erläutert Ehrenfried Kaiser, bei der Stadt zuständig für den Katastrophenschutz. Die hätten aber eine Evakuierung oder ein Abriegeln des Gebäudes nicht für nötig gehalten, nachdem das weiße Pulver sichergestellt war. Die drei Justizmitarbeiter, die mit dem Pulver in Kontakt gekommen waren, mussten sich duschen und die Kleidung wechseln.

Dann hieß es zunächst: Laborergebnisse abwarten. Denn über alle anderen Maßnahmen kann erst entschieden werden, wenn klar ist, ob der Stoff gefährlich ist und was er unter Umständen bewirkt. "Die Gesundheitsverwaltung sagt, was zu tun ist, die Ordnungsbehörden ordnen es an", beschreibt Kaiser das Vorgehen im Notfall. Er hat zum Beispiel als Ordnungsbehörde entschieden, dass zwei Männer der Coburger Feuerwehr in einem Dienstfahrzeug das Pulver ins Labor bringen. Sein Fazit: "Der Einsatz ist routinemäßig abgelaufen. Wichtig ist, dass alle Schritte konsequent durchgeführt werden - bis hin zum Abdichten der Räume."

Für Ehrenfried Kaiser war es der erste derartige Fall - und er ist schon seit Ende der 80er Jahre im Dienst. Auf den Kosten des Einsatzes bleiben die Beteiligten erst mal sitzen. Neben dem Zeitaufwand der ehrenamtlichen Feuerwehrleute muss die Stadt auch zwei neue Chemikalien-Schutzanzüge bezahlen. Die Einweg-Anzüge, die im Einsatz getragen wurden, müssen entsorgt werden, sagt Kaiser. "Die dürfen nur einmal getragen werden, auch, wenn es Backpulver war." Ein solcher Anzug kostet 300 Euro, das aber ist bei weitem billiger als ein wiederverwendbarer Anzug, über die die Feuerwehr natürlich auch verfügt.

Auch das Fahrzeug, mit dem das Pulver nach Oberschleißheim ins Labor gebracht wurde, stand seit Mittwoch separat und wurde nicht mehr genutzt, für den Fall, dass es dekontaminiert werden muss.