Die Coburger "Musikfreunde" kennen Martin Emmerich schon als Geiger des Aramis Trios, mit dem er bei ihnen in der vergangenen Saison erfolgreich aufgetreten ist. Die aus Lettland stammende Zane Stradyna ist eine international gefragte Konzertpianistin und Kammermusikpartnerin. Sie unterrichtet derzeit an der Musikhochschule Karlsruhe.


Schwelgerische Tongebung

Beide erwiesen sich nach der kurzfristigen Absage des Liederabends mit dem Altus Matthias Rexroth im Kongresshaus als bestens aufeinander eingespieltes Duo von hohem künstlerischen Rang. Traumhaftes Zusammenspiel und überlegenes technisches Können waren die Markenzeichen ihres von feinsinniger Gestaltung im Dynamisch-Agogischen getragenen Spiels.
Glänzte der Geiger mit sensibler Tongebung, aber auch energischem Strich, zeigte sich die Pianistin auch bei höchsten Anforderungen äußerst griffsicher und als vorbildliche Mitgestalterin, die sich durch differenzierten Anschlag auch bei vollgriffigem Klaviersatz nie in den Vordergrund drängte.


Graziös bis stürmisch


Es war das erste Konzert der "Musikfreunde" im neuen Jahr und gleichzeitig der Beginn eines geplanten Brahms-Zyklus", in dem sämtliche Sonaten des Meisters zum Erklingen kommen sollen. Martin Emmerich und Zane Stradyna machten den Anfang mit der in lyrischer Grundstimmung bei glücklichem Seelenzustand komponierten Sonate für Klavier und Violine A-Dur op. 100. Man hörte ein beglückendes Allegro amabile mit schwelgerischer Tongebung beider Instrumente, einen abwechslungsreich gestalteten Mittelsatz und ein dynamisch minutiös gestaltetes Finale, das graziös und stürmisch zugleich daher kommt.


Meisterhaft interpretiert

Es folgten zwei Coburger Erstaufführungen. Zunächst erklang die Sonate a-Moll des italienischen Barockkomponisten Niccoló Pasquali, die der große belgische Geiger Eugène Ysaye im Geist der französisch-romantischen Schule bearbeitet hat, ohne der barocken Stilistik untreu zu werden. Geigerische Finessen, die Martin Emmerich überlegen darbot, baute er besonders in den beiden Schlusssätzen ein. Den aufgelockerten Klaviersatz steuerte stets durchsichtig Zane Stradyna bei.


Höchste Anforderungen an die Interpreten


Ein hierzulande selten zu hörendes, aber imposantes Werk stellt die gewaltige Sonate g-Moll für Violine und Klavier op. 23 von Louis Vierne dar, der hauptsächlich als Schöpfer monumentaler Orgelwerke bekannt ist. Sie ist Eugène Ysaye gewidmet und stellt an beide Interpreten höchste technische Anforderungen.


Makelloses Zusammenspiel


Ihr Vorbild scheint die große Sonate von Cesar Franck zu sein, den Vierne hier noch zu übertreffen versuchte. Man hörte eine meisterhafte, schlackenlose Interpretation wie aus einem Guss, getragen von schlafwandlerischem Zusammenspiel und einheitlichem Gestaltungswillen.


Fritz Kreisls "Schön Rosmarin" als Zugabe



Es gab anhaltenden Beifall für diese grandiose Leistung, deren Spannung mit einer "harmlosen" Zugabe in Gestalt von "Schön Rosmarin" von Fritz Kreisler gelöst wurde.