Der Bauzaun steht, der behelfsmäßige zweite Fluchtweg ist auch schon fertig, und die Notfalltreppe im Innenhof schon beinahe abgebaut: Die Lutherschule wird mindestens für die nächsten beiden Jahre Baustelle, und das markante Schieferhaus Goethestraße 1 gleich mit.

Hier soll das Kinderhaus einziehen, das derzeit noch im Palais Kyrill am Oberen Bürglaß beheimatet ist. Aber dieses Gebäude soll dem Landestheater zugeschlagen werden, und deshalb musste das Kinderhaus weichen.

Dass es in oder neben die Lutherschule ziehen sollte, war schnell klar, sagte am Dienstag der zuständige Dritte Bürgermeister Thomas Nowak (SPD). Im Juli 2014 habe es die ersten Gespräche gegeben; einbezogen waren damals Stadtrat, Schule, Kinderhaus und die Eltern. Die Idee "Bildunghaus" nach dem Vorbild in Baden-Württemberg stand im Raum, kann aber in Bayern wegen der gesetzlichen Regelungen nicht umgesetzt werden. Kinderhaus und Lutherschule werden zwei eigenständige Einrichtungen bleiben, die sich aber ein Gebäude teilen und auch das eine oder andere gemeinsam machen werden.

Aber erst einmal muss gebaut werden, und Nowak gab gestern quasi den offiziellen Startschuss. Die Ferien werden für die Arbeiten genutzt, die laut und dreckig sind. Zum einem muss das Haus Goethestraße 1 innen umgestaltet werden, zum anderen soll das westliche Ende der Lutherschule zum neuen Treppenhaus mit Aufzug umgebaut werden. Weil dafür insgesamt drei Räume wegfallen, entsteht ein neuer Turm im Innenhof. Das sei vertretbar, weil der Verlust an Tageslicht nur die Flure im Altbau betreffe, sagte der stellvertretende Leiter des städtischen Hochbauamts, Thorsten Huld, auf Nachfrage. Auch die Denkmalschutzbehörden seien mit den Plänen einverstanden, gehe es doch um die Sicherung des innerstädtischen Grundschulstandorts.

Die Lutherschule wird künftig die beiden oberen Geschosse nutzen, das Kinderhaus erhält die Räume im Erdgeschoss, wo sich jetzt die Mittagsbetreuung und die Bibliothek befinden. Das Kinderhaus soll in der zweiten Jahreshälfte 2019 umziehen können, sagte Huld. Danach werde "die Lutherschule fit gemacht fürs 21 Jahrhundert", versprach er. Ob diese Arbeiten im Jahr 2020 abgeschlossen werden können, sei angesichts der Situation im Baugewerbe aber nicht zu sagen. Die Firmen seien ausgelastet, überall komme es zu Verzögerungen.

Die bauliche Einheit ist das eine, die künftige Zusammenarbeit der Lutherschule und des Kinderhauses das andere. Die räumliche Nähe soll den Übergang vom Kindergarten in die Grundschule erleichtern. Derzeit arbeite das Kinderhaus hier mit mehreren Schulen zusammen, sagte Leiterin Tanja Leistner. Das Konzept für die künftige Zusammenarbeit von Kindergarten und Schule werde "im Zusammenleben" entwickelt, sagte Bürgermeister Nowak. Das Personal müsse dafür die nötigen Freiräume erhalten. Die Stadt werde einen Beitrag dazu leisten, in sie eine halbe Stelle für einen Jugendsozialarbeiter finanziert.

Wenn die Schüler nach den Sommerferien zurückkommen, wird sich ihre Schule nicht nur durch die Baustelle verändert haben. Weil für die Mittagsbetreuung kein Platz mehr im Haus ist, ziehen die Ganztagsschüler ins Kinderzentrum Domino in der Judengasse um. Wegen der Baustelle werden eine Zeitlang auch keine Toiletten im Gebäude selbst zur Verfügung stehen.

Auch die Finanzierung der Baumaßnahme ist einigermaßen kompliziert: Die Pläne für Kindertagesstätte und Schule müssen mit den jeweils zuständigen Behörden abgestimmt werden. Entsprechend erhält die Stadt auch Zuschüsse für den Kita- und Schulbau sowie aus dem Städtebauförderprogramm "Soziale Stadt". Die Lutherschule soll nämlich "Integration im Quartier" ermöglichen und erhält einen Versammlungsraum, wie Thomas Nowak sagte.

Die Tür zum Pausenhof wird der neue Eingang fürs Kinderhaus. Nach der Schule sollen auch die Freiflächen draußen neu gestaltet werden. Wie Thorsten Huld sagte, sollen die Pläne dafür im Herbst vorgestellt werden. Eltern sollen ihre Kinder über die kleine Verbindungsstraße zwischen Ernst- und Albertsplatz zu Schule und Kita bringen können. Der Wendeplatz werde sich dann voraussichtlich auf Höhe des jetzigen Parkplatzes für Lehrer und Anwohner befinden.

Zahlen
Das Kinderhaus Oberer Bürglaß betreut derzeit 20 Kinder im Krippenalter und 40 im Kindergartenbereich in altersgemischten Gruppen. Die Grundschule Lutherschule hatte im ablaufenden Schuljahr 83 Schüler. Nach den Ferien dürften es einige mehr sein, denn es kommt ein starker Erstkläßlerjahrgang.


Das Prinzip "Bildungshaus"
Vorbild Baden-Württemberg startete im Schuljahr 2007/08 das Pilotprojekt "Bildungshaus 3-10": In den Bildungshäusern arbeiten Kindergärten und Grundschulen eng zusammen, Kinder zwischen drei und zehn Jahren sollen gemeinsam lernen und spielen. Der Orientierungsplan für die Kindergärten und der Bildungsplan der Grundschule bilden die Basis; hinzu kommen flexible Einschulung und jahrgangsübergreifendes Lernen. Die Bildungshäuser sollen zu einer durchgängigen Bildungseinrichtung für Drei- bis Zehnjährige zusammenwachsen. Inzwischen gibt es 187 solcher Bildungshäuser in Baden-Württemberg.

Bayern Der Freistaat ermöglicht die Zusammenarbeit von Kindergarten und Grundschule, von gemeinsamen Konferenzen bis hin zu gemeinsamen Projekten. Ziel der Zusammenarbeit soll sein, den Übergang vom Kindergarten in die Schule zu erleichtern. Aber formal bleiben beide Einrichtungen getrennt und eigenständig