Das Publikum ist sich rasch einig an diesem Abend. "Köstlich" lautet schon zur Pause kurz und bündig das Urteil beim Operettenabend des Festivals "Klanggrenzen".


Die kleine Bühne von "Leise am Markt" - sie bietet den perfekt passenden Rahmen für eine temporeiche Huldigung an die 20er Jahre.


Operetten-Hits und nostalgische Schlager liefern das musikalische Material, witzig variierende Texte würzen das Melodien-Potpourri. "Sonnenbrand am Wolgastrand" lautet der kurios sich reimende Titel des Programms, dargeboten von einem Trio mit dem sprachlich fein gedrechselten Namen "Mondieu Operettenassekuranz". Assekuranz - diese altmodische Bezeichnung für Versicherung liefert den Vorwand für eine nostalgisch bis ironisch gefärbte musikalische Reise.


Virtuose Persiflagen

Die Sopranistin Julia Da Rio als Lieselotte Merzenisch, der Tenor Julian Krüper als Bartholomäus "Berthel" Saelhuysen und die Pianistin Nadine Schuster als Paula Buntschuh präsentieren sich als wahre Virtuosen der Persiflage und Verballhornung. Genüsslich zelebrieren sie die Kunst, nostalgisch gefärbte Hits und schwärmerische Arien der komponierenden Operetten-Heroen mit ironisch umgeschriebenen Texten in ein gänzlich neues Licht zu rücken.


Feurige Spanier

Ein reiches Arsenal an Requisiten hilft dabei, diese nostalgische Hitparade bühnenwirksam und pointiert zu präsentieren. Im "Frühling in San Remo" besingt Julia Da Rio scheinbar bibbernd vor Kälte im Pelzmantel die unstillbare Sehnsucht nach Wärme. Paul Linckes "Berliner Luft" wird vom applausfreudigen Publikum ebenso ausdauernd beklatscht wie eine umgedichtete Fassung von Franz Lehárs "Es steht ein Soldat am Wolgastrand".


Feurige Spanier, sentimentale Russen, charmante Franzosen, leidenschaftliche Mexikaner - sie alle werden an diesem Abend pointenreich besungen. Kein Wunder, dass das Programm in die Verlängerung gehen muss und erst nach zwei Zugaben unwiderruflich zu Ende geht.



Ausblick auf die "Klanggrenzen 2018"



Klassik, Jazz und Tango Bereits jetzt laufen die Planungen für die "Klanggrenzen 2018". Schubert und Poetry Slam, Klassik und Jazz, Tango und Video, Cahnson und Wein - so lauten nach Angaben der Veranstalter einige der Ideen für die dritte Auflage des interdisziplinären Festivals 2018. In insgesamt rund sieben bis zehn Konzerten und 30 Kinderkonzerten sollen die Ideen des "Klanggrenzen"-Festivals verwirklicht werden. Ziel ist die Vermittlung von Kultur an ein junges Publikum und die Gegenüberstellung verschiedener Kunstformen. Geplant ist zudem voraussichtlich für 2019 erstmals ein Chor- und Orchesterkonzert im Rahmen des Festivals. Unter Mitwirkung von 200 Sängern und Musikern sollen Carl Orffs "Carmina burana" aufgeführt werden.