Ein Krimi hätte kaum spannender inszeniert sein können: Als die Coburger Direktkandidatin der Grünen, Ina Sinterhauf, umringt von ihren Parteikollegen um 17.59 und 30 Sekunden im Grünen Büro auf die Leinwand starrt, wo Punkt 18 Uhr die erste Hochrechnung der Landtagswahl erscheinen soll, fällt der Beamer aus. Dem kurzen enttäuschten "Oh!" folgt wenige Sekunden später ein frenetisches "Jaaaa!", als die Prognose für die Grünen auf der Leinwand aufflackert: 18,5 Prozent. Das beste Ergebnis in der Geschichte der Partei.

Was dann folgt, ist ein Wechselbad der Glücks-Gefühle: Der erste Coburger Wahlkreis ist ausgezählt, da kommt Ina Sinterhauf bei den Erststimmen auf 16,77 Prozent und liegt auf Platz 3 hinter Martin Mittag (CSU) mit 36 Prozent und Michael Busch (SPD) mit 21,7 Prozent. Mit jedem ausgezählten Wahllokal geht der grüne Sinterhauf-Balken weiter nach oben, plötzlich hat sie Michael Busch überholt. Die Grünen jubeln. Nach dem siebten Wahllokal hat sie über 20 Prozent der Erststimmen. "Wer hätte das gedacht", freut sich ihr Wahlkampfmanager und Vorstandssprecher der Grünen, Michael Dorant.

Erste Berechnungen werden angestellt: Könnte es vielleicht am Ende doch für den Einzug in den Landtag reichen? Auf der Oberfranken-Liste der Grünen steht sie auf Platz 5, um in den Landtag einzuziehen, müsste sie wohl mindestens auf den 3. Platz vorrücken. Wie sieht es für die vor ihr Platzierten aus? Kevin Klüglein von der Grünen Jugend haut am Laptop in die Tasten, um die Ergebnisse der anderen oberfränkischen Grünen zu prüfen. Aber noch ist es zu früh am Abend, eine zuverlässige Prognose ist noch nicht möglich.

Bei Redaktionsschluss liegt Ina Sinterhauf mit 13,84 Prozent der Erststimmen dann doch wieder deutlich hinter Michael Busch (22,32). In der Stadt lag sie vor ihm, im Landkreis dahinter. Doch unterm Strich sei sie zufrieden, betont sie.

Entscheidung am Montag

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Ob es mit dem Einzug in den Landtag klappt, kann sie noch nicht einschätzen. Sicher ist aber: "Coburg hat eines der besten Ergebnisse in Oberfranken eingefahren." Mit einer Entscheidung, ob nun zwei oder drei Grüne der Oberfranken-Liste in den Landtag einziehen und ob sie dann vielleicht dabei ist, rechnet sie erst am Montag.

Bereit für den Einzug wäre sie auf jeden Fall, das sei man ja von dem Moment an, in dem man kandidiert. "Aber es wird dann sicher ganz viele Stellen geben, wo man sagt, Hilfe, ich kann das noch nicht", überlegt sie schmunzelnd. "Aber man wird es lernen."

Auch ihr Wahlkampfmanager Dorant ist "rundum zufrieden", allerdings sei das Ergebnis der AfD schon "eine bittere Pille". Dass die Grünen am Ende mit der CSU koalieren könnten, will Dorant nicht ausschließen. "Wenn man mitgestalten will, muss man mitregieren - und dann muss man auch Kompromisse eingehen, wenn auch nicht um jeden Preis."

Stadträtin Martina Benzel-Weyh, die selbst als Listenkandidatin dabei war, lobt Sinterhaufs Wahlkampf. "Ina ist gut angekommen, vor allem auch auf den Podien und an den Info-Ständen haben wir viel Rückenwind von den Leuten erfahren." Diese Erfahrung teilt auch Kevin Klüglein. "Wir haben während des Wahlkampfs eigentlich nur positive Erfahrungen gemacht. Die Leute haben uns unsere Flyer fast aus der Hand gerissen. Das haben wir vorher so noch nie erlebt, dass die Leute im konservativen Nordbayern ein so großes Interesse an uns hatten."

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