Kurz und entsprechend wenig feierlich geriet das Richtfest am Mittwoch auf der Coburger Globe-Baustelle. Der obligatorische gereimte Richtspruch aus Handwerker-Mund, davor drei, vier dankende Sätze als Begrüßung von Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) im Namen der als Bauherr agierenden Stadt, am Ende das obligatorisch geleerte und danach symbolschwer zu Boden geschmetterte Weinglas - das war die gesamte Zeremonie unter grauem Himmel.

Sie hätte ja anders ablaufen sollen: Mit mehreren Grußreden und Häppchen. Aber das Catering wurde schon vorige Woche abgesagt; die Gäste wurden dann am Montag wieder ausgeladen. Zumindest ein Grußredner hatte vorgehabt, hier mehr zu sagen als die obligaten Glückwünsche für den soweit gediehenen Bau: Michael Stoschek, Vorsitzender des Brose-Verwaltungsrats, wollte Mitsprache bei künftigen Änderungen an der Planung fordern. Er vertritt einen der Gesellschafter der Globe GmbH, die die Pläne für das Bauwerk hatte erarbeiten lassen. Neben Brose sind die Unternehmen HUK-Coburg und Kaeser an der GmbH beteiligt.

"Der Tag heute gehört den Planern und Handwerkern", sagte indes Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) in seiner Ansprache. "Dass wir heute hier stehen können, verdanken wir der Idee zweier Studenten der Hochschule, der Initiative des Coburger Design-Forums Oberfranken und dem Engagement der Globe GmbH mit deren Gesellschaftern." Außerdem bezeichnete er den Bau als "Leuchtturmprojekt für die Stadt Coburg und die gesamte Region".

Das könnte sich als Konter interpretieren lassen auf einen Vorwurf, den Michael Stoschek an anderer Stelle gemacht hatte, nämlich in einem Brief an die Mitglieder des Rotary Clubs Coburg, dem Stoschek selbst angehört. Stoschek hatte Sauerteig darin als erklärten Gegner des Projekts bezeichnet. Den Brief hatte Stoschek, ebenso wie sein buchstäblich ungehaltenes Grußwort, bereits am Dienstag den Medien zur Verfügung gestellt.

Doch Sauerteig kann sich als Oberbürgermeister nicht gegen ein Projekt stellen, das der Stadtrat mit großer Mehrheit beschlossen hat. Deshalb habe er das Globe schon beim Spatenstich vor etwa einem Jahr von einem "architektonischen Ausrufezeichen" bezeichnet, ruft Stadt-Pressesprecher Louay Yassin in Erinnerung. Im Redemanuskript des OB von damals stand außerdem: "Groß, mutig und erhaben wird es den Südeingang unserer schönen Stadt wie kein anderes Bauwerk aufwerten. Aber das Globe wird noch mehr sein als ein außergewöhnliches Bauwerk: Es wird zum Herzstück des gesamten ehemaligen Güterbahnhof- und Schlachthof-Areals." Gesagt hat das Sauerteig damals aber nicht - schon der Spatenstich im Oktober 2020 geriet wegen der damaligen Corona-Bestimmungen zur Kurzveranstaltung mit symbolischem Sandschaufeln fürs Foto. Die Redemanuskripte wurden den anwesenden Journalisten ausgehändigt.

Stadt ist allein zuständig

Beim Spatenstich waren Michael Stoschek und die anderen Vertreter der Globe GmbH noch dabei. Damals gab es aber auch noch keine Konflikte über die Gestaltung des Globe. Im Mai jedoch musste über die Farbgebung der Fassade entschieden werden. Zuständig dafür war der Bausenat des Stadtrats - doch das gewählte Grau gefällt Stoschek nicht. Schon damals forderte die Globe GmbH im Nachgang Mitsprache bei solchen Entscheidungen. Den Vertretern der GmbH sei daraufhin "ausführlich erläutert worden, welche rechtlichen Zuständigkeiten sich aufgrund der Abgabe der Nutzungsrechte durch die Globe GmbH an die Stadt Coburg für alle folgenden Entscheidungen ergeben hat: Dass die Fertigstellung der Planungen für Globe und Freianlagen sowie die Bauherrenfunktion gemäß den Vorgaben der Gemeindeordnung von der Stadt Coburg wahrgenommen werden müssen", erklärt nun Louay Yassin.

Er bestätigt auch, dass es kurz vor dem Richtfest-Termin einen erneuten Vorstoß der Globe-GmbH gab, Michael Stoschek als Initiator des Projekts und dem Architekten Klaus Glodschei als Planer künftig ein Mitspracherecht zu gewähren. Aber die Stadt bleibe bei ihrer Haltung, sagt Yassin: "Die Entscheidung zur Übernahme der weiteren Planungen durch die Stadt Coburg wurde durch den Stadtrat im Mai 2019 getroffen. Die Globe-GmbH hatte zuvor im Zuge der vertieften Planungen selbst festgestellt, dass funktionale Leistungsbeschreibungen, wie im Beschluss vom 28. Juni 2018 vorgesehen, nicht zielführend erscheinen. Aus der Zusammenarbeit hat sich die Globe GmbH nach der Stadtratssitzung zurückgezogen."

Schon im Mai 2021, im Zuge des Streits um die Farbgebung, hatte Stoschek außerdem den Vorwurf erhoben, dass die Grünplanung unnötigerweise neu gemacht werde. Die Globe GmbH hatte mit den Plänen fürs Rundtheater auch einen Grünplan übergeben, erstellt von dem Münchner Büro Jühling, das auch die Außenanlagen rund um den Coburger Brose-Standort geplant hat. Die Regierung von Oberfranken habe jedoch gefordert, dass die Grünplanung europaweit ausgeschrieben werde, hatte Sauerteig schon im Mai mitgeteilt. Wie Stadtsprecher Yassin nun erklärte, sei unter den 15 Wettbewerbsteilnehmern auch das Büro Jühling gewesen, hatte aber nach der Punkte-Bewertung der Wettbewerbsbeiträge nicht den Zuschlag erhalten.

Auch den Vorwurf, das Globe werde ein Jahr später fertig als von der Globe-GmbH einst vorgesehen, will Yassin so nicht stehen lassen: "Kosten und Bau liegen voll im Plan", versichert er. Die Globe-GmbH habe seinerzeit eine sogenannte Genehmigungsplanung übergeben. Um den Bau ausschreiben zu können, habe die Stadt aber auf ihre Kosten erst noch die Werk- und Detailplanung erstellen müssen. Dann mussten die Gewerke ausgeschrieben werden. Das Raumbuch fürs Globe wurde im April 2020 vom Stadtrat verabschiedet. "Diese Planungen und Verfahren benötigen natürlich Zeit - gerade bei einem so großen Bau wie dem Globe", sagt Yassin.