• Immer mehr Frauen suchen Schutz vor gewaltsamen Männern
  • Frauenhaus in Coburg muss Hilfesuchende jedoch ablehnen
  • Grund ist Platzmangel
  • Einrichtung ist auf Spenden angewiesen

Vom Partner gewaltsam unterdrückt, aber keine finanziellen Mittel, um aus eigener Kraft zu gehen - und niemand ist da, der helfen kann: Immer mehr Frauen müssen in einem Frauenhaus Schutz suchen, um einer gewaltsamen Beziehung zu entfliehen. Auf den steigenden Bedarf sind viele Frauenhäuser allerdings nicht vorbereitet. Auch das Coburger Frauenhaus steht momentan vor großen Schwierigkeiten. "Wir mussten in letzter Zeit einige Schutzbedürftige weiter verweisen, weil wir einfach keinen Platz hatten", erzählt Angela Platsch, Vorstand des Vereins "Keine Gewalt gegen Frauen". Der Verein ist Träger des Coburger Frauenhauses und hofft, mit einem neuen Frauenhaus in Coburg die Situation nachhaltig zu verbessern.

Frauenhaus in Coburg muss Hilfesuchende wegschicken: Platz reicht nicht aus

"Eigentlich sind die Räume selbst ja zweitrangig, wenn eine Frau von zu Hause flieht", erklärt Angela Platsch. Und es sei gewiss kein Luxus, den der Verein mit dem neuen Standort möchte. Nur: Das jetzige Frauenhaus sei seit 30 Jahren unverändert geblieben - und platze aus allen Nähten. Momentan sei das Frauenhaus für fünf bedürftige Frauen und ihre Kinder ausgelegt. Suchten Frauen mit mehreren Kindern Schutz, dann werde es eng. "Das kleinste Zimmer ist sieben Quadratmeter groß, zwei bis drei Personen müssen es sich teilen", erklärt Meike Hartmann.

Als Betreuerin des Frauenhauses sieht sie jeden Tag, wo es im Coburger Frauenhaus aktuell Probleme gibt. Die Privatsphäre sei dabei ein akutes Problem. "Für vertrauliche Gespräche können wir uns mit den Frauen nicht zurückziehen", erklärt sie. Dass das Zusammenleben der Frauen auf engstem Raum Schwierigkeiten mit sich bringt, habe sich besonders während der Corona-Pandemie gezeigt. "So wie das Frauenhaus jetzt ist, ist es auf Ausnahmesituationen gar nicht ausgelegt. Hygiene- und Abstandsregeln konnten nicht adäquat umgesetzt werden - besonders schwierig war es in der Küche", erzählt sie. Zudem sei das Frauenhaus derzeit nicht barrierefrei.

Das ist auch der Grund, weshalb das Frauenhaus nicht saniert werden kann. "Wir haben keinen Platz, um eine Rollstuhlrampe zu bauen - und eine Ausweitung der Räume ist auch nicht möglich", erklärt Annemarie Lorenz, Zweiter Vorstand des Vereins "Keine Gewalt gegen Frauen".

Betroffene haben nur ganz kleine Wünsche: Eigenes Kinderzimmer ist riesiges Highlight

Ob ein Neubau oder der Einzug in ein bestehendes Gebäude: Sie habe die Hoffnung, dass das neue Frauenhaus ein Rückzugsort für die betroffenen Frauen und ihre Kinder wird: "Dabei haben wir ganz kleine Wünsche, wie zum Beispiel ein Kinderzimmer, in dem Kinder auch wirklich toben können, oder eine Küche, in der die Frauen - sofern sie es möchten - gemeinsam essen können."

Aus ihrem Alltag weiß Meike Hartmann, dass es auch die kleinen Dinge sind, die den Frauen und Kindern in der Einrichtung Mut und Kraft geben. "Für die Kinder ist das Kinderzimmer ein Highlight - und das, obwohl es nur zehn Quadratmeter groß ist", erzählt sie. Für die Frauen sei die Situation manchmal belastend gewesen, aber am Ende habe ihnen der Aufenthalt auch gut getan: "Sie haben endlich ihre Stärken gesehen und haben gelernt, dass sie es auch alleine schaffen."

Momentan auf Spenden angewiesen

Bevor die Planungen für ein neues Frauenhaus konkret werden können, müsse der Bedarf durch die Kommunen anerkannt werden. Bis dahin sei der Verein auf jede Spende angewiesen, damit das Projekt in greifbare Nähe rückt. "Zehn Prozent müssen wir aus eigener Kraft bezahlen - deshalb ist das neue Haus eine Belastung für unsere Vereinskasse", erzählt Angela Platsch. Das halte den Verein aber nicht davon ab, den Traum von einem neuen Rückzugsort für Opfer von häuslicher Gewalt zu verwirklichen: "Wir möchten, einen Ort schaffen, den sich jeder als ein vorübergehendes Zuhause wünschen würde."