Werner Müller ist angespannt. Der Geschäftsführer der Coburger Dienste hat zum Pressetermin geladen. Wie so häufig in den vergangenen Jahren ist auch diesmal nicht mit allzu positiven Nachrichten aus dem abgewirtschafteten Gebäude in der Callenberger Straße zu rechnen. "Wir müssen binnen sechs Monaten diese Räumlichkeiten verlassen", sagt Müller und seine Stimme klingt frustriert - weniger, weil die Coburger Dienste nach mittlerweile zehn Jahren das Sagasser-Gebäude verlassen müssen, vielmehr, weil es offensichtlich keine geeignete Immobilien im Stadtgebiet gibt.

Zwei Euro pro Quadratmeter

"Wir haben schon jeden Stein umgedreht." Dabei sind zwei Häuser in der engeren Wahl und der Macher Müller hofft, dass daraus was wird. Vorstellen könnte er sich, das Gebrauchtwarenhaus, den Pfennigladen und die Werkstatt für die Dienstleistungen auf 1200 Quadratmetern unterzubringen. Verhandlungen führt der Geschäftsführer derzeit mit einer englischen Investmentfirma, die einen Gebäudekomplex im Floßanger von 2100 Quadratmetern verwaltet. "Auch wenn da nur zwei Euro pro Quadratmeter angesetzt werden, für uns ist das zuviel. Wir brauchen den Platz nicht und untervermieten dürfen wir auch nicht!"

Interesse hätten die Coburger Dienste auch am Südtreff, der Ladenzeile gegenüber vom Klinikum. Doch die österreichischen Eigentümer melden sich nicht. Beide Immobilien liegen im Stadtbusbereich und verfügen über optimale Voraussetzungen: Mehrere Toiletten, verschiedene große und kleine Räumlichkeiten. Mit 20.000 Euro Umbaukosten kämen die Coburger Dienste da hin. "Mehr geht auf keinen Fall", sagt Müller und verweist auf die finanziellen Situation des gemeinnützigen Unternehmens, das zum Deutschen Erwachsenenbildungswerk in Bamberg gehört. Im Moment zahlen sie 5100 Euro an Warmmiete. Vielmehr wollen sie auch künftig nicht ausgeben. Das gebe das Budget nicht her. Zehn Spendenbriefe seien mittlerweile rausgegangen - auch an den Oberbürgermeister und den Landrat.

Müller ärgert sich auch über die Coburger Immobilienmakler. "Je privater, je teurer", schimpft er und sagt klar: "Drei Monatsmieten kann ich als Kaution nicht zahlen!"

"Eierlegende Wollmilchsau"

Unterstützung hat Müller von der Wirtschaftsförderung bekommen, die auf der Suche nach einer neuen Unterkunft behilflich ist. Und das ist nicht einfach Wie sagt doch gleich Müller: "Wir suchen schließlich die eierlegende Wollmilchsau!"

Für Thomas Friedrich, Geschäftsführer des Job Centers Coburg Land, der als Partner eng mit den Coburger Diensten im Hinblick auf verschiedene Bildungsmaßnahmen zusammenarbeitet, ist die Stadtnähe ebenfalls wichtig. Kursteilnehmer aus Sonnefeld, Seßlach oder Weidhausen können nicht durch das ganze Kreisgebiet fahren. Die Fahrtkosten übersteigen damit das Budget. Immerhin müssten Ein-Euro-Jobber selbst dafür aufkommen.

Schließung droht

Sollte sich bis zum Herbst im Stadtgebiet nichts finden, droht die Schließung der Coburger Dienste. Weder auf das Angebot der Dienstleistungen noch auf das Gebrauchtwarenhaus könnte verzichtet werden: Immerhin 41 Prozent ihres Etats müssen die Coburger Dienste selbst erwirtschaften, erklärt Müller. Der Rest wird über die Jobcenter und den Europäischen Sozialfonds finanziert.

Zurzeit werden 68 Teilnehmer im Sagasser-Gebäude geschult. Besonders bitter: "Wir sind erfolgreich wie noch nie. In einem Quasi-Kurs mit 25 Teilnehmern sind bereits zehn an Arbeitsstellen vermittelt!" Die laufenden Bildungsmaßnahmen sind bis November abgeschlossen. Friedrich vom Jobcenter Land: "Wir würden es sehr bedauern, wenn es die Coburger Dienste nicht mehr gäbe. Wir arbeiten von Anfang an sehr gut zusammen." Vor allem die Qualifizierungsmaßnahmen im Bereich Landschaftspflege/Hausmeister seien sehr erfolgreich.

Noch Kapazitäten

Umso mehr ist Werner Müller erschüttert, dass mit der Bekanntgabe des neuen Nahversorgungszentrums durch Sagasser, die Kunden einfach weggeblieben sind. "Das können wir jetzt gar nicht gebrauchen. Uns vorauseilend das Wasser abzugraben, ist das Schlimmste, was uns passieren kann." Der Geschäftsführer macht deutlich: "Wir haben noch Kapazitäten! Alle Dienstleistungen werden angeboten. Wer Möbel abzuholen hat, kann uns anrufen."