"Beispiellose Manipulation": Fränkischer CSU-Kreisverband wettert gegen Gendern der Verwaltung

1 Min
"Beispiellose Manipulation": Fränkischer CSU-Kreisverband wettert gegen Gendern der Verwaltung
Für die Coburger CSU ist Gendern in der Stadtverwaltung ein rotes Tuch.
Gendern, gendergerechte Sprache, Gendersprache
Sebastian Gollnow/dpa

Der zweite Coburger Bürgermeister Hans-Herbert Hartan (CSU) findet scharfe Worte generell gegen das Gendern. Der Kreisverband kritisiert in diesem Zusammenhang die Stadtverwaltung.

Gendern ist für den zweiten Coburger Bürgermeister und Vorsitzenden der CSU-/JC-Stadtratsfraktion Hans-Herbert Hartan "ein Angriff einer übergriffigen links-grünen Minderheit auf die tradierten Wertevorstellungen einer großen Mehrheit. Dem muss man entschieden entgegentreten". Gendern sei eine "Verhunzung der deutschen Sprache", so Hartan weiter. 

So äußerte er sich am Montag (23. Oktober 2023) öffentlich und bekräftigt diese Haltung auch gegenüber inFranken.de.  Dem CSU-Kreisverband sind die Gendersternchen in der Verwaltung zuwider. 

Coburger CSU-Kreisverband wirft Stadt "realitätsferne Ideologie" vor - Sprecher gibt Kontra

Es sei ein Zeichen einer "von realitätsfernen Ideologien geleiteten Stadtpolitik", schreibt der Coburger CSU-Kreisverband in einem öffentlichen Statement und spricht von einer "beispiellosen Manipulation unserer Sprache". Die Stadtverwaltung setze sich zudem über die Empfehlungen des Rates der deutschen Rechtschreibung hinweg. Der Rat sieht das Binnenzeichen nicht als Kernbestand der Orthografie, sondern als gesellschaftspolitische Diskussion. 2021 hatte er empfohlen, Sternchen und Co. nicht in das Amtliche Regelwerk aufzunehmen. Im Frühling 2023 änderte ein deutsches Kultgetränk seinen Namen und spaltete damit das Netz. Grund war das Gendern.

Es schließe "ausgerechnet jene Bürger aus dem öffentlichen Diskurs aus, die sich an die gültigen Rechtschreib- und Sprachregeln halten", lautet ein weiteres Argument des CSU-Kreisverbands Coburg-Stadt in der Pressemitteilung "gegen den Genderwahn in der Coburger Stadtverwaltung". Die "schleichende Verpflichtung" treibe einen Keil in die Gesellschaft, deren Mehrheit das Gendern ablehne. "Ausdrücklich inklusiven und demokratischen Charakter besitzt im Gegenzug die Anwendung der allgemein gültigen Sprachregeln: Als verbindliche Kommunikationsinstrumente dienen sie wirklich dem Wohl aller Menschen ganz ohne Ausnahme", heißt es weiter.

Die Stadt sieht das Gendern indes als eine Geste der Höflichkeit in der öffentlichen Kommunikation. "Und natürlich ist es ein Zeichen der Toleranz, die sich gegenüber Minderheiten gebührt. Eine Stadtverwaltung muss alle Menschen mitnehmen", so der Stadtsprecher Louay Yassin gegenüber inFranken.de

"Augenmerk auf wichtige Themen": Coburg will amtliche Schreiben verständlicher machen

Einen großen Stellenwert für die Stadtverwaltung habe jedoch auch die Leserlichkeit der Texte, räumt Yassin ein. So versuche man, wenn möglich, die Sternchen zu umschiffen. Aus amtlichen Anschreiben und Formularen werde das Gendern indes ganz herausgehalten. "Das Amtsdeutsch ist oft schon an sich nicht leicht zu verstehen. Vielmehr arbeiten wir daran, amtliche Anschreiben und Formulare grundsätzlich leichter verständlich zu machen." Beschwerden über die Sternchen hätten die Stadt bislang nicht erreicht. 

"Allerdings kenne ich viele Beschwerden, warum amtliche Schreiben so kompliziert klingen. Also sollten - und wollen - wir das Augenmerk auf wirklich wichtige Themen legen", bekräftigt der Stadtsprecher. Die ersten Schritte in der Verwaltung seien bereits getan, allerdings gebe es sehr viele amtliche Schreiben und Formulare.

"Zudem ist es leider auch rechtlich oft gar nicht einfach, schwierige Sachverhalte einfach darzustellen. Es wäre schön, wenn auch die Vorgaben von Bund und Ländern diesen Spielraum ermöglichten." Weitere Nachrichten aus Coburg und Umgebung findest du in unserem Lokalressort.